57-jährige Frau aus Darup lernt mit Exoskelett wieder laufen
Claudia Schaper geht – trotz Lähmung

Darup. Ein Schritt und noch einer und noch einer. Claudia Schaper aus Nottuln-Darup geht. Es ist anstrengend, sie konzentriert sich, aber sie strahlt. „Es ist wunderbar“, sagt sie. Die 57-Jährige ist querschnittsgelähmt. Dass sie laufen kann, dieses „Wunder“ verdankt sie dem so genannten Exoskelett, eine Art Roboter, ein Elektroanzug. Claudia Schaper trägt eine Uhr, die wie eine Pulsuhr aussieht. Da kann sie „Aufstehen“, „Gehen“ und sogar „Treppen steigen“ einprogrammieren.

Samstag, 07.03.2020, 09:00 Uhr aktualisiert: 09.03.2020, 10:35 Uhr
57-jährige Frau aus Darup lernt mit Exoskelett wieder laufen: Claudia Schaper geht – trotz Lähmung
„Toll, wieder im Gehmodus zu sein“: Claudia Schaper in ihrem Exoskelett und ihre Mann Wilfried, der sie als Begleiter unterstützt. Foto: Viola ter Horst

Neuerdings ist das Exoskelett im Hilfsmittelverzeichnis der gesetzlichen Krankenkassen aufgeführt – sie übernehmen also unter bestimmten Voraussetzungen die Kosten für das über 100 000 Euro teure Gerät. „Ich möchte anderen Querschnittsgelähmten Mut machen“, sagt Claudia Schaper. „Vielleicht ist das Gerät auch was für sie.“ Es gehöre viel Training dazu, um mit dem Hilfsmittel gehen zu können. Claudia Schaper benötigt auch Krücken. Aber sie kann gehen. Und das jeden Tag erfolgreicher.

„Es ist ein unglaubliches Gefühl, wieder auf Augenhöhe mit jemandem zu reden“, sagt sie. Niemand beuge sich zu ihr herunter oder blicke auf sie herab. „Ich kann am Stehtisch stehen und mich unterhalten.“ Ein großes Plus aus ihrer Sicht, um am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können.

Vor zwei Jahren passierte das Unglück. Claudia Schaper stürzte von der Treppe. „Ich konnte meine Füße nicht mehr bewegen“, erinnert sie sich. Das Rückenmark gequetscht – sie querschnittsgelähmt. Zwei Operationen, drei Monate Reha. „Irgendwann brachte mich meine Hausärztin auf das Exoskelett.“ Es folgte ein langes Hin und Her mit der Krankenkasse. Claudia Schapers Hartnäckigkeit hat sich gelohnt. Sie erhielt das Gerät zur Probe. „Eine Physiopraxis in Darup war bereit, mich zu fördern“, berichtet sie. Demnächst bekommt sie ein eigenes Gerät.

Das erste Mal schaffte sie gerade ein, zwei Schritte. Zusammen mit ihrem Mann Wilfried, der sie als geschulter Begleiter unterstützt, übt sie unten in Darup auf der Parkfläche beim Sportplatz, wo es eben ist, nicht hügelig und Raum genug ist.

Inzwischen hat sie schon einiges an Training hinter sich.

Die Konstruktion steht – fast wie ein Sessel – startklar neben ihr, es brummt ein wenig, als Claudia Schaper die Funktion einstellt. Die Gurte sind angelegt. Das Gerät schmiegt sich wie Muskeln aus Stahl um sie. Dann erhebt sie sich. Sie steht. „Es ist so schön, wieder in den Gehmodus zu kommen, auch wenn es nicht meine Beine selber können, sondern das Gerät ist“, sagt Claudia Schaper.

Für jeden sei das Hightech-Gerät nicht geeignet. Hände und Arme dürfen nicht von der Lähmung betroffen sein. „Und man muss eine Menge eigenen Willen haben. Einfach reinsetzen und los geht es – so funktioniert das nicht“, sagt die Daruperin.

-+ Anderen Betroffenen gibt Claudia Schaper gerne Informationen, sie ist unter Tel. 0152/04813978 zu erreichen.

Der Erfinder:

Der Israeli Amit Goffer war nach einem Unfall mit seinem Quad querschnittsgelähmt und auf den Rollstuhl angewiesen. Der Ingenieur suchte nach Möglichkeiten, wieder auf die Beine zu kommen und gründete 2001 ein Start-up. Daraus entstand das Exoskelett „ReWalk“. Schlagzeilen machte das israelische Exoskelett 2012 bei den Paralympics in London, als eine querschnittsgelähmte Sportlerin damit einen Marathon bewältigte. Der Erfinder Amit Goffer selber konnte das Gerät nicht mehr nutzen, weil seine Arme so in Mitleidenschaft gezogen waren, dass die Gehhilfe für ihn nicht in Frage kam.

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