Projekt Wohnzimmer: Experten beantworteten Fragen zu Corona
„Auf keinen Fall zweite Welle riskieren“

Kreis Coesfeld. Helfen Mundschutzmasken oder nicht? Wann können die Geschäfte wieder öffnen und wann kehrt das normale Leben wieder zurück? Ist ein Impfstoff in Aussicht? Fragen über Fragen zum Coronavirus, die in einer Talkrunde mit örtlichen Experten im Livestream der Reihe „Projekt Wohnzimmer“ aufgegriffen wurden. Ulrich Müller, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Coesfeld, Dr. Jörg Siebert, Chefarzt des St. Marien-Hospitals Lüdinghausen, und Bürgermeistersprecher Richard Borgmann (Lüdinghausen) informierten mit Moderator Christoph Davids die bis zu 150 Zuschauer, die über Facebook, Youtube oder Twitch live dabei waren. „Wir sind zufrieden“, resümiert Gregor Brinkmöller vom Team der MP Veranstaltungstechnik aus Dülmen, die Initiator des Projekts Wohnzimmer ist. Die Videos sind weiterhin online. „Sie werden auch jetzt noch oft geklickt.“

Donnerstag, 09.04.2020, 07:00 Uhr
Projekt Wohnzimmer: Experten beantworteten Fragen zu Corona: „Auf keinen Fall zweite Welle riskieren“
Beantworteten Fragen: v.r. Ulrich Müller, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Coesfeld, Bürgermeistersprecher Richard Borgmann (Lüdinghausen), Dr. Jörg Siebert, Chefarzt des St. Marien-Hospitals Lüdinghausen, mit Moderator Christoph Davids Foto: az

Aus einer Halle im Gewerbepark Dernekamp in Dülmen senden die „Wohnzimmer“-Macher live Programme vom christlichen Impuls über Fitness zum Mitmachen bis zu Punk. Unterhaltung, Bewegungsübungen, Informationen und Musik sowie Kinderprogramm in Coronazeiten. Solokünstler treten auf, DJs legen auf, Musiker rocken. Alles ohne Gage. Mit einer Spendenaktion auf der Internetseite soll zudem die Jugendbildungsstätte Gilwell St. Ludger in Haltern am See unterstützt werden.

Bürgermeistersprecher Richard Borgmann lobte im Livestream ausdrücklich das Verhalten der Bürger. Sie seien „sehr vernünftig“, er sei stolz auf sie. Gleichzeitig appellierte er an sie, die Verhaltensregeln weiterhin zu akzeptieren, auch wenn sie noch länger gefordert werden. „Eine zweite Welle darf auf keinen Fall riskiert werden“, sagte er.

Einige Fragen und Antworten aus dem Stream:

0 Was macht es so schwer, einen Impfstoff herzustellen?

Dr. Jörg Siebert: Es dauert immer eine gewisse Zeit. Das ist keine Technik, bei der man fünf Sachen zusammenrührt. Es wird sicher einen Impfstoff geben, aber das dauert einige Monate.

0 Helfen einfache, selbst genähte Stoffmasken?

Siebert: Ein ganz klein wenig helfen sie, die Tröpfchen einzudämmen. Ein einfacher Test: Wenn man sich ohne Stoffmaske zehn Zentimeter vor den Spiegel stellt und hustet, muss man ihn sauber machen. Mit Stoffmaske ist da nichts, aber der Spiegel ist trotzdem beschlagen. Die Poren in so einer Maske sind zu groß, das Virus sieht diese Maske sozusagen gar nicht – aber das Tröpfchen, in dem das Virus ist, wird zurückgehalten. Also, man macht etwas richtig, wenn man so eine Stoffmaske anzieht.

0 Gibt es eine Chance, schnell aus der Krise herauszukommen?

Ulrich Müller: Schwer zu sagen, wie wir die Krise überwinden werden. Außergewöhnlich schnell haben Bunds- und Landesregierung Maßnahmepakete in die Wirtschaft gebracht. Viele Unternehmen haben mir berichtet, dass sie die Gelder aus der Soforthilfe schon zwei bis drei Tage nach dem Antrag schon auf dem Konto war. Das sind aber erst einmal nur Überbrückungsmaßnahmen.

0 Wie hoch ist die Ansteckungsgefahr bei Obst, Gemüse und Eis?

Siebert: Davon geht, nach allem, was man weiß, keine Gefahr aus. Viren können nicht alleine leben. Nur in einer Zelle eines Menschen oder eines Tieres. Auf Lebensmitteln können sie nur kurze Zeit überleben, sich aber keinesfalls vermehren. Der häufigste Übertragungsweg ist Tröpfcheninfektion – Husten, feuchtes Sprechen.

0 Wann wird es Lockerungen geben?

Müller: Es ist wichtig, wieder zur Normalität zurück zu kommen, aber es darf nie zu Lasten der Gesundheit sein. Um den 19. April soll die Lage zunächst beurteilt werden.

Richard Borgmann: Österreich ist drei Wochen vor uns und es macht Sinn zu schauen, wie sich die Lockerungen dort auswirken. Diese drei Wochen sollten wir uns mindestens noch geben. 0 Stellen Betriebe Azubis ein oder sind sie jetzt vorsichtig?

Müller: Betriebe stellen ein; zum Ausbildungsjahr am 1.8. stehen genügend Ausbildungsplätze zur Verfügung, Man muss auch nicht den persönlichen Kontakt suchen; bei vielen Betrieben ist ein Videochat möglich. Auch wenn ein Betrieb möglicherweise insolvent wird, werden Azubis aufgefangen.

| www.projekt-wohnzimmer.org

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