Skepsis zum Schulstart und enttäuschte Gastronomen
„Viele ungeklärte Fragen“

Kreis Coesfeld. Gemischte Reaktionen auf die neuen Corona-Vorgaben. Hart bleiben die Zeiten vor allem für Gastronomen und Hoteliers. „Wir hatten auf Lockerungen gehofft, natürlich unter Auflagen“, sagt Renate Dölling (Senden) vom Hotel- und Gaststättenverband Dehoga Münsterland. „Wir sind total enttäuscht.“ Die Sorge und die Ängste sind riesig. „Die Betriebe sind bereits sehr angeschlagen“, schildert Dölling die Situation. „Einige haben Lieferdienste oder es ist für Kunden möglich, draußen abzuholen. Dadurch kommen aber bei weitem nicht die üblichen Umsätze rein.“ Und längst nicht jeder Betrieb habe einen Lieferdienst eingerichtet. Gerade jetzt bei dem schönen Frühlingswetter hofften viele Gastronomen, ihre Außengastronomie unter Auflagen öffnen zu dürfen. Aber das ist noch nicht erlaubt. „Wir brauchen unbedingt weitere Rettungsprogramme“, sagt Dölling. „Die bisherigen Maßnahmen reichen keinesfalls aus.“

Freitag, 17.04.2020, 07:00 Uhr
Skepsis zum Schulstart und enttäuschte Gastronomen: „Viele ungeklärte Fragen“
Es gibt die ersten Lockerungen im Einzelhandel. Restaurants und Außengastronomie bleiben aber vorerst dicht – die Gastronomen sind enttäuscht. Foto: Viola ter Horst

Der Städte- und Gemeindebund NRW weist darauf hin, dass es noch viele ungeklärte Fragen zur Wiederaufnahme des Schulbetriebs gibt und fordert das Land dazu auf, schnell klare Vorgaben und umfassende Unterstützung bei der Beschaffung der nötigen Materialien zu leisten. Dem schließen sich die Kommunen des Kreises Coesfeld an. „Es müssen vollkommen neue Strukturen geschaffen werden, um Dinge wie Hygiene und Abstandhalten zu realisieren“, sagt Bürgermeistersprecher Richard Borgmann (Lüdinghausen). „Auch die Kapazitäten bei Personal und Räumlichkeiten müssen beachtet werden.“ Bislang gebe es keine einheitlichen Hygienestandards für den Schulbetrieb, keinen Zeitplan für die Staffelung des Unterrichts sowie keine Aussage zur Notwendigkeit und Verfügbarkeit von Ressourcen wie Masken, Desinfektionsmittel oder Tests. „Es braucht eine gewisse Zeit, um solche Dinge vorzubereiten“, sagt Borgmann. „Bis Montag wird ein reibungsloser Ablauf kaum möglich sein.“

Weiterhin fragen sich die Städte und Gemeinden auch, was geschehen soll, wenn trotz aller Vorsorgemaßnahmen Schüler oder Lehrer positiv auf das Virus getestet werden.

Auch der Lehrerverband VBE Kreis Coesfeld ist skeptisch und verweist auf Hygieneanforderungen. Die SPD im Kreis kritisiert: „Es ist völlig unklar, wie die Landesregierung einen umfassenden Infektionsschutz einhalten will“, sagt Johannes Waldmann (Ascheberg), stellvertretender SPD-Kreisvorsitzender. SPD-Landtagsabgeordneter André Stinka (Dülmen) schimpft: „In der Kommunikation von Ministerpräsident Laschet und Schulministerin Gebauer erleben wir ein Durcheinander von Aussagen und Forderungen, die sich widersprechen und vieles offen lassen.“

Das sagt Bürgermeistersprecher Richard Borgmann zu den neuen Corona-Vorgaben:

„Die Kommunen im Kreis Coesfeld begrüßen das behutsame Vorgehen von Bund und Ländern. Für den Einzelhandel sind dies erste positive Zeichen. Insbesondere bezüglich der Öffnung der Schulen wünschen wir uns allerdings, dass die Kommunen und Schulträger mit in die Überlegungen einbezogen und nicht vor vollendete Tatsachen gestellt werden. Wir als Städte und Gemeinden finden es richtig, dass die Schleusen erst langsam wieder geöffnet werden, um den Bogen nicht zu überspannen. Ansonsten würde die Gefahr einer zweiten Infektionswelle drohen, deren Bekämpfung noch schwieriger wäre als die erste. Schließlich geht es um unsere Gesundheit, das höchste Gut, was wir verlieren können.“

Das sagt Lisa Holzapfel (Ascheberg) vom Lehrerverband VBE Kreis Coesfeld:

„Alles in allem kann man feststellen, dass Politik in dieser überaus schwierigen Situation im Hinblick auf die Schulen sehr angemessen, umsichtig und vorsichtig agiert. Hier im Kreis Coesfeld laufen zwar die Notbetreuung und auch die Betreuung der Schüler im Homeschooling relativ unaufgeregt ab, dies ist aber nicht der Tatsache geschuldet, dass die Schulen im Hinblick auf den Stand der Digitalisierung und der medialen Ausstattung bestens auf diese Situation vorbereitet gewesen wären. Das Gegenteil ist der Fall. Es ist dem Einsatz aller Pädagogen zu verdanken, dass kreative Lösungen gefunden wurden. Es bleibt nun darauf zu achten, dass alle Vorgaben hinsichtlich der Hygiene, aber auch der Schonung der Risikogruppen erfüllt werden. Unserem VBE-Statement kann ich mich anschließen: Jeder, der immer noch meint, unser Bildungssystem ist ausreichend mit personellen, finanziellen und sächlichen Ressourcen ausgestattet, liegt vollkommen falsch.“

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