Kreis will alle Beschäftigten testen – schon 129 Fälle
Westfleisch setzt Betrieb eingeschränkt fort

Kreis Coesfeld. Die Zahl der Infizierten klettert weiter. 129 positive Tests waren es bis gestern allein bei Mitarbeitern der Großschlachterei Westfleisch in Coesfeld. Sie machen inzwischen einen Großteil der Neuinfizierten seit Samstag aus. Und die Tests gehen weiter, die Ergebnisse liegen noch längst nicht komplett  vor. Der Kreis will alle 1200 Beschäftigte  des Betriebes in Coesfeld flächendeckend und umgehend  überprüfen, um damit Infektionsketten durch geeignete Maßnahmen konsequent zu unterbrechen.

Donnerstag, 07.05.2020, 20:56 Uhr aktualisiert: 07.05.2020, 21:31 Uhr
Kreis will alle Beschäftigten testen – schon 129 Fälle: Westfleisch setzt Betrieb eingeschränkt fort
Unter strengen Hygieneauflagen setzt die Großschlachterei die Produktion eingeschränkt fort. Foto: Westfleisch

„Die Eindämmung dieses Ausbruchs und damit die Gesundheit der Beschäftigten wie auch unserer Bevölkerung insgesamt hat oberste Priorität“, betont Landrat Dr. Christian Schulze Pellengahr.

Westfleisch teilte gestern mit, den Betrieb unter den erforderlichen, hohen hygienischen Auflagen eingeschränkt fortführen zu können. Zunächst hieß es laut Schulze Pellengahr, dass das Unternehmen deutlich gemacht habe, den Betrieb vorübergehend einstellen zu müssen. Nun geht es weiter. „Ziel ist es, dass die Produktion weiter aufrechterhalten wird“, so Unternehmenssprecher Philipp Ley. „Ein heute Vormittag vermuteter gravierender personeller Engpass hat sich im Laufe des Tages deutlich relativiert, so dass wir in einem reduzierten Umfang weiter produzieren.“ Auch in dieser Hinsicht erfolge das weiteres Vorgehen „in enger Abstimmung mit den zuständigen Behörden von Kreis und Stadt“.

Und die Quarantäne, die Mitarbeiter, was ist damit? „Die Firma sieht vor, positiv getestete Beschäftigte, wie bereits jetzt auch schon, in zusätzlich angemieteten Unterkünften zusammenzufassen, um die Quarantäne konsequent zu gewährleisten“, erklärt Landrat Schulze Pellengahr.

Droht ein neuer Lockdown im Kreis?

Kreis Coesfeld (vth). Am Samstag – am Tag vor dem Corona-Ausbruch bei Westfleisch-Mitarbeitern in Coesfeld – lag die Zahl der Infizierten noch bei 528, Donnerstag waren es 676 Fälle. Ein drastischer Anstieg, überwiegend verursacht durch die positiven Testergebnisse bei Mitarbeitern der Großschlachterei. Droht ein neuerlicher Lockdown? „Natürlich ist die Sorge in der Bevölkerung groß, dass sich die Zunahme im Kreis negativ auf geplante Lockerungen auswirken könnte“, sagt Landrat Dr. Christian Schulze Pellengahr. Die Bundesregierung hatte als Voraussetzung für weitere Lockerungen eine Maximalgrenze für aktuelle Neuansteckungen vorgesehen: Demnach soll die Zahl von 50 Neuansteckungen pro 100 000 Einwohner über sieben Tage hinweg nicht überschritten werden. Nach den Zahlen wäre der Kreis Coesfeld schon jetzt von härteren Maßnahmen betroffen. Der Landrat hofft aber auf die angekündigten Sonderregelungen für klar abzugrenzende, auf eine bestimmte Quelle zurückzuführende Ausbrüche. Schließlich waren die Zahlen bis vor dem Ausbruch bei Westfleisch sogar stagnierend. Klarheit soll die Verordnung bringen, in der die Regelung und die Berechnungsgrundlagen formuliert sind. Der Kreis wartet darauf; bis gerade lag sie noch nicht vor.

Kritik reißt nicht ab

Die Kritik an der Situation reißt nicht ab. Die SPD im Kreistag und der DGB im Kreis Coesfeld bezeichnen die Situation in einem offenen Brief an NRW-Arbeitsminister Laumann als einen „gesundheitspolitischen Skandal“. „Wir fordern Sie auf, die Sachverhalte zu klären und die Verwaltungen in die Lage zu versetzen die entsprechenden Gebäude, Wohnungen zu inspizieren und darauf zu achten, dass eine Person pro Schlafzimmer dort untergebracht ist“, heißt es in dem Schreiben. Die Tierschutzorganisation Peta appelliert an Kreis und Westfleisch, die Produktion einzustellen. Die Grünen verweisen ebenfalls auf die Unterbringung (wir berichteten). SPD-Landratskandidat Hermann-Josef Vogt will eine klare Linie ziehen: „Der starke Anstieg der infizierten Personen bei Westfleisch macht eine sofortige vorübergehende Schließung des Betriebes erforderlich.“ NRW-Minister Laumann teilte derweil mit, dass der Arbeitsschutz die Unterkünfte von Saisonarbeitern in der Landwirtschaft und Werkvertragsarbeitnehmern in der Fleischindustrie verstärkt überprüfen werde. Westfleisch verweist darauf, dass das Unternehmen schon Anfang des Jahres eine Pandemie-Sonderkommission eingerichtet habe und eine Reihe an Hygiene-Maßnahmen umgesetzt habe, so Unternehmenssprecher Philipp Ley. „In Bereichen, in denen der empfohlene Sicherheitsabstand aufgrund des Arbeitsprozesses nicht zu jeder Zeit eingehalten werden kann, tragen Mitarbeiter Schutzmasken.“ Also nicht nur Nasen-Mund-Schutz. Sogar Fieber werde am Werkstor gemessen. vth

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