Westfleisch-Debatte im Kreisausschuss
„Alles gegeben nach Corona-Ausbruch“

Kreis Coesfeld. Der erste Fall einer Corona-Infektion bei Westfleisch wurde bereits am 27. April bekannt. Das teilte Landrat Dr. Christian Schulze Pellengahr im Kreisausschuss mit, der jetzt erstmals wieder tagte und über das Thema Corona-Ausbruch bei Westfleisch debattierte (wir berichteten bereits). „Das Gesundheitsamt hat unverzüglich alle Maßnahmen eingeleitet, um Infektionsketten aufzuspüren“, so der Landrat. Zunächst hätten die Unterkünfte in Verdacht gestanden. Erst später kamen Probleme im Betrieb hinzu, am 8.5. stellte das Amt für Arbeitsschutz Mängel fest. Vorwürfe, dass der Kreis die vorübergehende Schließung des Unternehmens schneller hätte veranlassen müssen, wies Schulze Pellengahr zurück. Auch sei nicht die Zahl der Infizierten für eine Schließung ausschlaggebend, sondern die Situation insgesamt.

Donnerstag, 14.05.2020, 21:04 Uhr
Westfleisch-Debatte im Kreisausschuss: „Alles gegeben nach Corona-Ausbruch“
Der Corona-Ausbruch bei Westfleisch beschäftigte jetzt den Kreisausschuss. Fotos: vth Foto: az

„Ein Betrieb wird nicht automatisch geschlossen, wenn es Infizierte gibt.“ Zudem musste die rechtliche Grundlage wasserdicht sein.

Die Fraktionen waren sich einig, dass in der Fleischindustrie für mehr Arbeitsschutz etwas getan werden muss. Nur durch Gesetzesänderungen sei es möglich, dass die Behörden auch mehr Rechte für Kontrollen bekommen, sagte CDU-Fraktionschef Klaus-Viktor Kleerbaum. „Das müssen wir gemeinsam hinbekommen“, stimmte Hermann-Josef Vogt von der SPD zu. Es gehe auch darum, den Beschäftigten in der Fleischindustrie mehr Wertschätzung entgegen zu bringen für den Knochenjob, den sie leisten.

Norbert Vogelpohl (Grüne) erinnerte daran, dass die Grünen schon mehrfach eine Aufstockung im Bereich des Gesundheitsamts gefordert hätten. „Für die Versäumnisse müssen wir jetzt zahlen“, sagte er. Das wollte Schulze Pellengahr so nicht stehen lassen. „Daraus zu schließen, das Gesundheitsamt hätte weggeschaut, muss ich deutlich zurückweisen“, sagte er.

In der Kontrollsituation sei anfangs alles korrekt gewesen. Auch das Hygienekonzept sei zu Beginn schlüssig gewesen. „Es nutzt aber nichts, wenn es nicht richtig umgesetzt wird.“ Laut Schulze Pellengahr sind verschiedene Aspekte zusammengekommen, bei der Unterbringung, beim Transport der Mitarbeiter zur Arbeit und dann im Betrieb. Das hochansteckende Virus an sich.

Für den Einsatz von Landrat und seinem Team in der Kreisverwaltung, oft bis spät abends tätig, gab es viel Lob. „Landrat und Kreisverwaltung haben alles gegeben zum Schutz der Mitarbeiter und der Bevölkerung“, so Kleerbaum.

Die Kritik ging an das Unternehmen, dem Verantwortungslosigkeit vorgeworfen wurde. Henning Höne von der FDP forderte eine Entschuldigung.

Die UWG schlug vor, eine Arbeitsgruppe zu gründen, die sich mit dem Thema beschäftigt; dieser Vorschlag fand aber keine Zustimmung.

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