Landwirte starten mit der Getreideernte
Stark schwankende Erträge erwartet

Kreis Coesfeld. Nach dem sommerlichen Wetter des vergangenen Monats rollten bereits die ersten Drescher durch den Kreis Coesfeld und läuteten damit den Beginn der Getreideernte ein. „Vor allem auf den sandigen Böden haben Sonne und hohe Temperaturen zuletzt für eine schnelle Abreife bei der Gerste gesorgt, so dass die ersten Bestände, vorwiegend im Südkreis, schon gedroschen wurden“, berichtet Michael Uckelmann, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Coesfeld. Diesen Eindruck bestätigt auch Bernhard Wiesmann, Pflanzenbauberater der Landwirtschaftskammer NRW, Kreisstelle Coesfeld: „Zum jetzigen Zeitpunkt wurde, vorwiegend rund um Lüdinghausen, bereits etwa acht Prozent der Gerste geerntet.“

Mittwoch, 08.07.2020, 06:00 Uhr
Landwirte starten mit der Getreideernte: Stark schwankende Erträge erwartet
Auf den leichteren Böden im südlichen Kreis Coesfeld haben die Landwirte bereits einen Teil der Ernte eingefahren. Foto: az

Nun geht es in den nächsten Wochen mit der Ernte weiter. „Wir rechnen wiederholt mit stark schwankenden Erträgen in Abhängigkeit von der Bodengüte, denn der langersehnte Regen kam für einige Getreidebestände wohl nicht mehr rechtzeitig“, so Wiesmann.

Anders sieht es inzwischen bei den Mais- und Grünlandbeständen aus. Nach anfänglich schwierigen Wachstumsverhältnissen und vermindertem Aufwuchs im Frühjahr, hat der Regen ab Anfang Juni die erhoffte Wende gebracht. Die Tendenz zu sehr trockenen Frühjahren hat sich auch in diesem Jahr fortgesetzt und zwingt viele Landwirte zum Umdenken. „Wir sehen hier einen deutlichen Trend bei der Bodenbearbeitung. Es wird vermehrt auf die pfluglose und wassersparendere Mulchsaat gesetzt“, erklärt Wiesmann. „Gleichzeitig zeigt sich eine Verschiebung innerhalb der angebauten Früchte zugunsten von Roggen, vorwiegend zulasten von Gerste, aber auch von Mais“, so der Pflanzenbauberater weiter. Positiv hervorzuheben sei, dass der Krankheitsdruck in diesem Jahr geringer sei und die Landwirte zudem auf krankheitsresistentere Sorten setzten, so dass der Verbrauch von Fungiziden noch einmal reduziert werden konnte.

Abhängig vom Wetter kann sich die Getreideernte noch bis in den August hineinziehen. Es folgen Stoppelbearbeitung, Aussaat der Zwischenfrüchte und ab Ende September die Maisernte. „Wir bitten die Mitbürger um ihr Verständnis, wenn der Verkehr durch unsere Maschinen einmal ins Stocken geraten sollte. Ein gutes Miteinander bei der Nutzung der Wirtschaftswege hilft Konflikte zu vermeiden“, so Uckelmann.

Getreideanbau im Kreis Coesfeld

Von der landwirtschaftlich genutzten Fläche von insgesamt knapp 70 000 ha entfallen gut 45 Prozent auf Wintergetreide. Dabei ist Gerste im Kreis Coesfeld, hinter Weizen und vor Triticale, die zweithäufigste Getreideart. Die Pflanzen die jetzt geerntet werden, wurden bereits im letzten Spätherbst auf den Feldern ausgesät. Die Körner werden in der Regel als Futtermittel für Schweine und Rinder benötigt und werden dazu entweder direkt auf dem Hof eingelagert oder zur Mischfutterproduktion an den Handel weiter verkauft. Das Stroh wird entweder zu Ballen gepresst und dann für die Nutztiere als Futter oder Einstreu genutzt oder verbleibt zur Humusbildung auf dem Acker. Aufgrund der Futterknappheit der letzten Jahre sind einige Betriebe dazu übergegangen, Gerste oder Triticale als Ganzpflanzensilage einzufahren, um so ein zusätzliches, wertvolles Grundfutter für ihre Rinder einlagern zu können.

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