NRW-Innenminister Reul präsentiert 25. „Wegweiser“-Beratungsstelle
Hilfe bei Radikalisierung von Salafisten

Kreis Coesfeld. Gewaltbereite Salafisten sind auch im ländlich geprägten Westmünsterland unterwegs, da ist sich NRW-Innenminister Herbert Reul sicher: „Auch hier treiben Salafisten ihr Unwesen und versuchen Jugendliche zu radikalisieren.“

Donnerstag, 09.07.2020, 07:00 Uhr aktualisiert: 10.07.2020, 16:15 Uhr
NRW-Innenminister Reul präsentiert 25. „Wegweiser“-Beratungsstelle: Hilfe bei Radikalisierung von Salafisten
Tauschten sich über das Programm „Wegweiser“ aus, das in den Kreis Coesfeld und Borken installiert wird: v.r. NRW-Innenminister Herbert Reul, Dr. Linus Tepe (Kreisdirektor Kreis Coesfeld) und Ansgar Hörster (Kreisdirektor Kreis Borken). Foto: Viola ter Horst

Unter dem Motto „Ausstieg vor dem Einstieg“ legte deshalb das Land NRW das Präventionsprogramm „Wegweiser“ auf. Die 25. Beratungsstelle in NRW gibt es nun für die Kreise Coesfeld und Borken an den Standorten Coesfeld und demnächst in Bocholt. Prävention sei zwar aufwändig, aber nah dran an den Jugendlichen, so Reul gestern bei der Vorstellung zusammen mit den Trägern IBP e.V. (Interkulturelle Begegnungsprojekte) und Der Paritätische in Nottuln-Darup.

Das Programm richtet sich an Personen, die mit der salafistischen Szene sympathisieren oder abgerutscht sind und bietet zudem auch Familienangehörigen, Schulen und Freunden Unterstützung. Die Erfahrungen mit dem Programm, das es seit sechs Jahren gibt, sind laut Reul ausgesprochen positiv: Fast 1000 direkt betroffene Jugendliche und Kinder wurden beraten. „In 80 bis 90 Prozent gelang es den Beratern, die Betroffenen zu erreichen und den Hass aus dem Kopf zu bekommen.“ Dem Verfassungsschutz seien in NRW etwa 3200 gewaltbereite Salafisten bekannt, sagte Uwe Reichel-Offermann, stellvertretender Leiter des Verfassungsschutzes NRW. Davon entfallen auf die Kreise Coesfeld und Borken weniger als 100 Personen. „Das ist hier zwar kein Hotspot, aber das Phänomen ist auch bei Ihnen“, betonte Reichel-Offermann.

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Die Akteure, die radikalisieren und menschenverachtende Ideologien verbreiten, seien nicht verschwunden, nur weil sie zurzeit nicht mehr so in der öffentlichen Wahrnehmung stünden.  "Wir dürfen junge Menschen nicht aufgeben“, sagte Reul. Vielmehr müsse ihnen vermittelt werden, dass sie in der Gesellschaft einen Platz haben und benötigt werden. „Wegweiser“-Beratungsstellen hat das Land seit 2014 in verschiedenen Orten in NRW eingerichtet, mit der 25. Beratungsstelle ist der flächendeckende Ausbau nun abgeschlossen.

Kreisdirektor Dr. Linus Tepe dankte IBP und dem Paritätischen für das Engagement. Mit der Beratungsstelle sei es Jugendlichen möglich, sich an Experten zu wenden, um sich aus den Fängen von Extremisten zu befreien. IBP-Geschäftsführer Martin Althoff sagte, dass sich in einer schnell ändernden Wirklichkeit auch Bedarfe schnell ändern. „Wir sehen unsere Aufgabe darin, auf diese frühzeitig zu reagieren, um das Ziel einer gewaltfreien Gesellschaft zu erreichen.“ Timo Plaß vom Paritätischen betonte, dass es in dem Programm auch darum gehe, Betroffenen zu vermitteln: „Ihr seid uns nicht egal, wir gehen euch nach.“

 Rund 250 000 Euro pro Jahr zahlt das Land für das Programm in beiden Kreisen. Drei Stellen werden eingerichtet - zwei sind laut Althoff und Plaß bereits besetzt. Eine Beraterin ist muslimischen Glaubens. Neben vertraulichen Gesprächen soll es auch Online-Angebote geben. Die drei Berater sollen zudem im Netzwerk mitwirken, das aus Vertretern der Jugendämter, dem Kommunalen Integrationszentrum (Kreis Borken) und weiteren Einrichtungen beider Kreise besteht. Sie waren gestern ebenso vor Ort wie die beiden hiesigen Landtagsabgeordneten Willi Korth (CDU) aus Coesfeld und André Stinka (SPD) aus Dülmen.

Informationen und Hilfe zum Thema unter Tel. 02541/8880111 (IBP e.V. in Coesfeld).

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