Kreis soll Finanzierungsmodalitäten überarbeiten
Beratungsstelle Frauen e.V. in Not

Kreis Coesfeld. Für die kreisweite Beratungsstelle Frauen e.V. soll die Finanzierungsgrundlage überarbeitet werden. Bis zu den Haushaltsberatungen soll der Kreis mit Frauen e.V. einen Vorschlag bereiten. Darauf einigte sich der Kreisausschuss einstimmig in seiner Sitzung nach einem Antrag der Grünen. Die weiteren Modalitäten soll die Kreisverwaltung mit Frauen e.V. klären. „Sie können hier aber schon mal mit einem Lächeln herausgehen“, sicherte CDU-Fraktionschef Klaus-Viktor Kleerbaum (Dülmen) Corinna Brandenburger von Frauen e.V. zu, die im Ausschuss die Situation darstellte. Eine dramatische Situation, „wir können das nicht mehr stemmen“, sagte Brandenburger. Sie schilderte, dass unterm Strich – auch schon vor der Coronakrise – nach Abzug der Fördermittel von Land, Kreis und Kommunen ein Geldbetrag offen bleibe, den der Verein selber aufbringen müsse. Das Land NRW trage 85 Prozent der Personalkosten und einen Sachkostenzuschuss, dazu kämen Mittel von Kreis und Kommunen. Das reiche aber nicht. „Den Fehlbetrag holen wir über Spenden, Veranstaltungen oder die Hilfe unseres Fördervereins herein“, berichtete Brandenburger. Im letzten Jahr habe der Förderverein schon einmalig in die Rücklagen gegriffen, um das Defizit zu decken. Durch die Corona-Krise seien nun gar keine Möglichkeiten mehr, um die Lücke mit Einnahmen aus Veranstaltungen zu schließen. Zwar sei ein Beitrag vom Land hilfreich gewesen, dieser führe aber nicht zu einer dauerhaften Sicherung. „Die weitere Existenz unserer Beratungsstelle ist bedroht“, redete Brandenburger Klartext.

Freitag, 04.09.2020, 08:00 Uhr

Die Politiker betonten durch die Bank, dass ihnen die Beratungsstelle wichtig sei. „Das steht völlig außer Frage“, so Josef Lütkecosmann (Nottuln) von der CDU, die allerdings kein Szenarium schaffen wollte, aus dem sich eine generelle Unterstützung durch den Kreis in der Coronakrise herleiten ließe. „Das könnte der Kreis bei der Vielzahl an Insitutionen und Vereinen nicht leisten“, so Kleerbaum.

Die Grünen verwiesen auf die staatliche Verantwortung bei der Frauenberatung, „wenn sie hier wegbricht, hätten wir keine mehr“, so Mareike Raack (Coesfeld). Es gehe um eine tragfähige Lösung. Das betonte auch die SPD: Es sei wichtig, „dass wir die Beratung sicherstellen“, sagte Margarete Schäpers (Havixbeck). Waltraud Bednarz (Dülmen): „Wir müssen für eine finanziell ordentliche Ausstattung sorgen.“

Brandenburger brachte einen Vergleich der Finanzsituation von Frauenberatungsstellen in anderen Regionen mit. Die Anteile fallen demnach zum Beispiel im Kreis Borken höher aus, zum Teil übernehmen die Kreise oder Städte auch komplett die Finanzierung der fehlenden Mittel.

Schon 1998 hat sich der Verein Frauen e.V. gegründet, um Mädchen und Frauen in Krisensituationen, die häusliche Gewalt, psychische oder sexualisierte Gewalt erfahren oder erfahren haben, zu unterstützen. Im Kreis Coesfeld ist es die einzige Beratungsstelle, die sich mit dem Thema in dieser Form auseinandersetzt.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7565896?categorypath=%2F2%2F798623%2F798631%2F947630%2F947662%2F
Nachrichten-Ticker