EUTB berät wieder vor Ort in Coesfeld
Durchblick im Hilfen-Geflecht

Kreis Coesfeld. Es sind Fälle wie dieser, in denen Dirk Nattefort von der Ergänzenden unabhängigen Teilhabeberatung (EUTB) konkret helfen konnte: Eine Patientin mit Multipler Sklerose benötigt eine Assistenz, kommt aber bei ihrer Krankenversicherung und Pflegekasse nicht weiter. Nattefort lotet aus, welche Hilfen möglich sind und unterstützt die Frau, die nötigen Anträge zu stellen. „Wir haben keine fertigen Lösungen parat, sondern geben einen Überblick und lassen die Menschen selbstbestimmt entscheiden“, erklärt Nattefort, der mit seiner Kollegin Evrim Tuna vor rund einem Jahr die Beratungsstelle am Jakobiring in Coesfeld offiziell eröffnet hat. Seitdem entwickelt sich die EUTB mehr und mehr von einem Projekt zu einer Institution.

Freitag, 18.09.2020, 07:42 Uhr
EUTB berät wieder vor Ort in Coesfeld: Durchblick im Hilfen-Geflecht
Dirk Nattefort von der Ergänzenden unabhängigen Teilhabeberatung (EUTB) freut sich, in Coesfeld wieder Beratungen von Angesicht zu Angesicht durchführen zu können, zwar auf Abstand mit einer Plexiglasscheibe dazwischen, aber immerhin ganz persönlich. Foto: Florian Schütte

Träger der EUTB, die kostenlos und auch mehrfach berät, ist die LAG Selbsthilfe NRW. Gefördert wird sie vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Die EUTB berät daher in Arbeits- und Sozialfragen ergänzend zu den Leistungs- und Kostenträgern wie Krankenkasse oder LWL und gibt unabhängig einen Überblick, welche Hilfen im konkreten Fall in Frage kommen. Dabei gehe es – das betont Nattefort – „nicht nur um berufliche, sondern auch um soziale und kulturelle Teilhabe“, erklärt der Sozialarbeiter. Somit stehe die volle gesellschaftliche Teilhabe im Fokus der EUTB, die nicht nur Menschen mit Behinderungen oder von Behinderungen bedrohte Menschen, sondern auch deren Angehörige berät.

Letzteres beobachtet Dirk Nattefort immer häufiger. „Vor allem, wenn die Angehörigen mit den Leistungen der Kostenträger nicht zufrieden sind.“ Dann treten er und seine Kollegin auch als Vermittler auf.

Große thematische Schwerpunkte in den Beratungen nehmen die Bereiche Rehabilitations-Maßnahmen und chronische Erkrankungen ein – physischer wie psychischer Natur. „Was früher Rückenleiden waren, sind heute psychische Erkrankungen als Grund für eine Erwerbsminderungsrente“, beobachtet Nattefort.

Ein weiteres Merkmal der EUTB ist das Peer Counseling – eine Beratung von Betroffenen zu Betroffenen. „Wir sind immer dankbar, Menschen zu finden, die bereit sind, sich schulen zu lassen, um dann selbst ehrenamtlich auf Augenhöhe zu beraten“, sagt Nattefort.

Natürlich merkt der Sozialarbeiter, dass es mit der Coronakrise deutlich ruhiger geworden ist. Nattefort ist jedoch froh, zumindest wieder in Coesfeld nicht mehr nur telefonisch oder online, sondern wieder ganz persönlich von Angesicht zu Angesicht beraten zu können. Termine dafür können nun auch über die neue EUTB-App vereinbart werden. „Wir hoffen, dass wir bald auch wieder in Dülmen und Lüdinghausen vor Ort beraten können“, schaut Nattefort voraus. Ein Lichtblick für die kontinuierliche Arbeit: Bis 2022 hat das Bundesministerium für Arbeit und Soziales bereits die finanziellen Mittel zur Verfügung gestellt. Danach, so hofft Nattefort, werde die EUTB sich dauerhaft etablieren. „Wir sind eben nicht nur ein Projekt“, sagt Nattefort selbstbewusst.

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