Erntedank: Gemischte Bilanz der Landwirte
„Handel an die Kandare nehmen“

Kreis Coesfeld. Besser als die beiden trockenen Jahre 2018 und 2019. Doch zufrieden sind die Landwirte mit dem Erntejahr 2019/20 trotzdem nicht so ganz. „Je nach Boden und Niederschlag fielen die Erträge aus“, bilanziert Dirk Schulze Pellengahr, stellvertretender Kreislandwirt, gestern beim Presegespräch zum Erntedank, das auf dem Hof des Obstbaufachbetriebs und Direktvermarkters Rahmann in Coesfeld stattfand. Nicht ohne Grund, denn der Landwirtschaftliche Kreisverband möchte das Thema regionale Produkte als einen Schwerpunkt setzen. „Einkaufen lassen sich regionale Produkte überall im Kreis Coesfeld“, sagte Michael Uckelmann, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbands. In einem neuen Flyer listen die Landwirte Adressen im Kreis Coesfeld auf und welche Produkte es dort jeweils gibt.

Montag, 05.10.2020, 12:36 Uhr
Erntedank: Gemischte Bilanz der Landwirte: „Handel an die Kandare nehmen“
Zogen Bilanz: Vertreter des Landwirtschaftlichen Kreisverbands Coesfeld, Landrat Dr. Christian Schulze Pellengahr und Familie Rahmann vom Hof Rahmann. Foto: Viola ter Horst

Regional einkaufen – mit Beginn der Coronakrise war das eine große Sache. Doch inzwischen ebbt der Boom wieder ab. Die Bauern möchten die Möglichkeit des anderen Einkaufens dem Verbraucher erneut nahe legen.

Unter den Nägeln brennt den Landwirten eine ganze Palette weiterer Themen. Düngemittelverordnung und Qualitätsauflagen, zwei Dürrejahre in Folge und Coronabestimmungen dieses Jahr – „das alles führt dazu, dass viele weitere Familien ihre Höfe aufgeben“, prognostizierte Dirk Schulze Pellengahr. Die Landwirte sehen sich zerrieben zwischen den Auflagen und Anforderungen der Politik nach mehr Regionalität und Qualität und dem Druck durch den Lebensmittelhandel andrerseits, wo billige Preise bestimmend sind. „Unser Problem ist nicht, dass wir die höheren Standards nicht einhalten wollen, sondern sie sich nicht in den Erlösen widerspiegeln“, erklärte der Kreislandwirt. Der Handel zahle keine angemessenen Preise und kaufe statt dessen billigere Ware aus dem Ausland, die günstiger hergestellt worden sei und bei der nicht so hohe Auflagen wie in Deutschland berücksichtigt werden müssen. Andreas Rahmann, zu dessen Sortiment Erdbeeren und alle mögklichen weiteren Beeren gehören und der einen Teil auch über den Handel vertreibt, bestätigt die Erfahrungen aus den anderen landwirtschaftlichen Branchen. „Wir werden einfach ausgelistet vom Handel.“ Bei den Himbeerpreisen aus Marokko oder Portugal („besseres Wetter, niedrigere Löhne“) „können wir nicht mithalten“. Statt für Qualität, Frische und regionales Produkt entscheide sich der Handel für die billigere Ware, selbst wenn sie länger unterwegs ist bis sie im Supermarkt landet. Die Konsequenz sei, dass die Flächen für Himbeeren in Deutschland stark reduziert werden müssten, weil die Ware nicht mehr lohnend an den Verbraucher gebracht werden kann.

Die Politik müsse, so die Forderung der Landwirte, den Lebensmittellhandel „an die Kandare nehmen“, ansonsten könnten in Deutschland nicht mehr lange Lebensmittel produziert werden. „Die Politiker müssen sich endlich äußern, ob sie uns wollen. Ansonsten machen wir halt Studentenheime aus unseren Schweineställen“, redete Dirk Schulze Pellengahr Klartext.

Namensvetter Landrat Dr. Christian Schulze Pellengahr gab Rückendeckung: „Es muss ein gesellschaftlicher Konsens her, damit es am Ende dem Landwirt möglich ist, seine Leistung angemessen in Rechnung zu stellen.“ Inzwischen sei der Druck so enorm, dass ein regulierender Eingriff von staatlicher Seite gerechtfertigt sei, fand er.

Ein weiteres Thema, das die Landwirte beschäftigt, ist die Afrikanische Schweinegrippe. „Vorbereitet sind wir gut in NRW, betonte Uckelmann. Auch das Thema Hofnachfolge steht im Fokus. Denn die relativ hohen Zahlen von Auszubildenden, die nicht vom Hof stammen, beweisen, dass das Interesse an der Landwirtschaft trotz allem groß sei.

Artenvielfalt und Artenschutz zählen zu den Schwerpunkten, denen sich die Landfrauen widmeten. „Das Thema geht nicht nur Landwirte etwas an, sondern alle Bürger“, sagte Anneliese Langehaneberg vom Kreislandfrauenverband. Aber auch mit politischen Themen wie „Demokratie und Toleranz“ bringen sich die Landfrauen ein. Eine neue Gruppe gründete sich speziell für jüngere Landfrauen.

Über die Schwierigkeiten, in der Coronakrise gute Saisonarbeitskräfte zu bekommen, berichtete Andreas Rahmann. Viele der Stammmitarbeiter seien nämlich aus Angst vor einer Ansteckung erst gar nicht gekommen.

Ernteergebnisse:

Gerste: Eher enttäuschend, etwa zehn Prozent unterhalb des Ertragsniveaus von 2019.

Weizen: Auf besseren Böden höhere Erträge als im Vorjahr. Auf leichten Böden je nach Niederschlag weniger gut.

Roggen und Triticale: Etwa wie im Vorjahr oder leicht darunter.

Mais: Durch unterschiedliche Niederschlagsmengen innerhalb des Kreises Coesfeld keine einheitlichen Erträge. Die Ernte des Silomaises läuft noch-

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