Frauen e.V. und Soroptimist International planen Aktion zum Orange Day
Gegen Morde an Frauen

Kreis Coesfeld. Am 10. Oktober wird ein 14-jähriges Mädchen vom Freund erschlagen in einer Ruine in Duisburg gefunden. Am selben Tag in Eggenfelden in Bayern eine 53-jährige Frau von ihrem Ehemann umgebracht.

Samstag, 17.10.2020, 10:00 Uhr
Frauen e.V. und Soroptimist International planen Aktion zum Orange Day: Gegen Morde an Frauen
Wollen am Orange Day mit roten Frauenschuhen und Glas-Skulpturen auf Frauenmorde hinweisen: v.l. Ulrike Hemker (SI), Miriam Harosh-Pätsch (Frauen e.V.) und Gisela Walter (SI). Foto: az

Erstochen. Erwürgt. Erschossen. Erschlagen. Es sind grausame Sachen, die Professor Dr. Kristina Wolff sammelt. Berichte über Frauen, die von ihren Partnern oder Ex-Männern getötet wurde. Allein in den ersten neun Monaten von 2020 trug die 52-jährige Professorin aus Ingelheim 144 Fälle zusammen. Auf der Plattform change.org startete sie 2019 ihre Online-Petition „Stoppt das Töten von Frauen #saveXX“.

Frauen e.V., die Beratungsstelle für Mädchen und Frauen im Kreis Coesfeld, möchte zusammen mit Soroptimist International (SI) – dem Service-Club berufstätiger Frauen mit gesellschaftspolitischem Engagement – auf das Thema aufmerksam machen. Am 25. November, zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen – auch Orange Day –, planen die beiden Frauen-Organisationen eine beeindruckende Installation im Schlosspark in Coesfeld. „Wir wollen für jede bis dahin getötete Frau in Deutschland eine Skulptur aus Glas aufstellen“, sagt Miriam Harosh-Pätsch, Diplom-Pädagogin und Leiterin der Frauenberatungsstelle. Grundlage dafür bilden die gesammelten Fälle von Kristina Wolff. Dazu rote Schuhe – symbolisch für Blut und Weiblichkeit. Symbolisch für die getöteten Frauen, die durch ihre Partner oder Ex-Partner getötet wurden. „Wir wollen das Thema visuell darstellen“, so Corinna Brandenburger, Geschäftsführerin von Frauen e.V.

Rote Schuhe suchen die Frauen noch und freuen sich über Spenden von ausgedienten Exemplaren.

Zum Aktionstag hat sich sogar die Präsidentin von SI Deutschland angesagt, Dr. Renate Tewaag, die mit Ulrike Hemker von den SI-Frauen Coesfeld und Miriam Harosh-Pätsch von Frauen e.V. die Eröffnung (17 Uhr) vornimmt.

„Frauenmorde sind in Deutschland keine Einzelfälle“, sagt Harosh-Pätsch. Die oft äußerst brutalen Taten verstecken sich hinter Begriffen wie Ehrenmord, Familiendrama und Beziehungstat – „das klingt viel zu harmlos und beschreibt nicht das, was die Taten sind“, meint Harosh-Pätsch. Richtiger sei es, von Femiziden zu sprechen, ein Begriff, der umschreibt, dass eine Frau vorsätzlich getötet wurde, weil sie eine Frau ist.

„Es ist beschönigend, von einer Beziehungstat oder einem Drama zu sprechen“, so Brandenburger. Denn dem Täter werde es eher verziehen, wenn er aus Eifersucht handelte. Und er kommt mit einem vergleichsweise milderem Urteil davon.

Das Bundeskriminalamt erfasste 140 755 Opfer von Partnerschaftsgewalt in 2018 in Deutschland. Zu 80 Prozent Frauen. 117 473 Taten von Körperverletzung bis hin zu Stalking, Zwangsprostituion, Totschlag und Mord. 122 Frauen wurden getötet. Alle drei Tage eine. „Femizide passieren nicht einfach so“, sagt

Harosh-Pätsch. Nicht selten handele es sich um Frauen, die ihren ganzen Mut zusammen genommen haben, um sich von ihrem gewalttätigen Partner zu trennen. „Am Ende heißt es dann, der Mann hatte seine Gefühle nicht im Griff.“ Die Trennung führt zu mildernden Umständen. „Aus dieser Ecke müssen solche Taten heraus“, fordert sie.

0 Wer ausgediente rote Schuhe hat, kann sie bei Frauen e.V. (Gartenstraße 12 in Coesfeld) abgeben, Tel. 02541/ 970620 (Coesfeld) oder 02594 /991111 (Dülmen).

Tag gegen Gewalt an Frauen

Der Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen, auch Orange Day, ist ein jährlicher Gedenk- und Aktionstag am 25. November. Seit 1981 organisieren Menschenrechtsorganisationen Aktionen, um auf das Thema aufmerksam zu machen. Zurück geht der Orange Day auf die Ermordung der Schwestern Mirabal, die 1960 in der Dominikanischen Republik als Regimegegnerinnen vom militärischen Geheimdienst hingerichtet wurden. Die Schwestern gelten in der Dominikanischen Republik als Symbol für den Widerstand gegen die Diktatur.

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