Firmeninsolvenzen in 2019 rückläufig – Zahl der verlorenen Arbeitsplätze höher
Weniger Pleiten – mehr Jobverluste

Kreis Coesfeld. Diese Statistik ist ein zweischneidiges Schwert. Wie das Landesamt IT.NRW berichtet, gab es im Jahr 2019 im Kreis Coesfeld 45 Unternehmensinsolvenzen. Das sind zwölf weniger als im Vorjahr. Allerdings ist sowohl die Summe der offenen Forderungen von rund 7,82 Mio. auf 29,52 Mio. Euro deutlich gestiegen als auch die Zahl der verlorenen Arbeitsplätze. Lag diese 2018 noch bei 67, sind 2019 durch Insolvenzen bereits 276 Menschen arbeitslos geworden. So standen durch die Zahlungsunfähigkeit des großen Möbelherstellers Halco in Coesfeld, der im November 2019 einen entsprechenden Antrag gestellt hatte, allein rund 200 Mitarbeiter plötzlich auf der Straße.

Dienstag, 08.12.2020, 07:28 Uhr
Firmeninsolvenzen in 2019 rückläufig – Zahl der verlorenen Arbeitsplätze höher: Weniger Pleiten – mehr Jobverluste
Foto: az

Auf der anderen Seite ist die Gesamtzahl der eingetragenen Firmen im Kreis Coesfeld im Jahr 2019 laut Statistischem Landesamt von 8993 auf 9373 gestiegen – ein Plus von 4,23 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Zur „geordneten Insolvenz“ kam es 2019 nach einem Bericht des Zeitungsdienstes Südwest bei 38 Unternehmen im Kreis Coesfeld. Im Verfahren wird im Wesentlichen überprüft, ob „Zahlungsunfähigkeit“ und/oder „Überschuldung“ vorliegt. Gemäß der Insolvenzordnung ist der Schuldner zahlungsunfähig, wenn er nicht in der Lage ist, seine fälligen Zahlungspflichten zu erfüllen. Eine Überschuldung liegt vor, wenn das Vermögen des Schuldners die bestehenden Verbindlichkeiten nicht mehr deckt. Die Lohnforderungen der 276 entlassenen Mitarbeiter sind dabei auch in den Insolvenzforderungen enthalten.

Zwar steht den insolvenzbetroffenen Beschäftigten nur der gleiche Anteil wie den anderen Gläubigern aus der Insolvenzmasse zu. Doch gibt es für Arbeitnehmer noch das Insolvenzgeld, das von der Agentur für Arbeit auf Antrag gezahlt wird. Die Zahl solcher Anträge ist laut Pöpping in diesem Jahr sogar leicht rückläufig – mit durchschnittlich 82 pro Monat, bezogen auf den Bezirk der Agentur für Arbeit Coesfeld, der die Kreise Coesfeld und Borken umfasst. „Im Jahr vor Beginn der pandemiebedingten Einschränkungen, also von März 2019 bis Februar 2020, wurden durchschnittlich 91 Anträge auf Insolvenzgeld gestellt“, informiert Pöpping. Allerdings: „Dass sich die Corona-Krise noch nicht stärker bei den Insolvenzen bemerkbar macht, liegt unter anderem daran, dass die Insolvenzantragspflicht bis Jahresende ausgesetzt ist“, sagt der Pressesprecher.

Gegen 14 im Handelsregister eingetragene Unternehmen aus dem Kreis Coesfeld ist 2020 laut den Insolvenzbekanntmachungen im Justizportal bislang dennoch auf Antrag das Insolvenzverfahren eröffnet worden. Über wie vielen Unternehmen in diesem Jahr tatsächlich der Pleitegeier kreist(e), könnte sich im kommenden Jahr noch als böse Überraschung herausstellen.

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