Krankenhäuser im Kreis Coesfeld fordern weitere Ausgleichszahlungen
Krankenhäuser schlagen Alarm

Kreis Coesfeld. Isolierstationen wurden erweitert, Intensivstationen aufgerüstet und die Kapazitäten in den Kliniken im Kreis Coesfeld mussten aufgrund von Corona-Auflagen deutlich reduziert werden. Logische Folge: Die Erlöse sinken und die Liquidität der Krankenhäuser schwindet. Der Versorgungsauftrag für die Bevölkerung muss jedoch in vollem Umfang bestehen bleiben.

Dienstag, 23.02.2021, 07:00 Uhr
Krankenhäuser im Kreis Coesfeld fordern weitere Ausgleichszahlungen: Krankenhäuser schlagen Alarm
Foto: az

Deswegen machen das St. Marien-Hospital Lüdinghausen, die Christophorus Kliniken (Coesfeld, Dülmen, Nottuln) sowie die Christophorus Klinik am Schlossgarten (Dülmen) jetzt gemeinsam mit der Krankenhausgesellschaft NRW auf die bedrohliche Schieflage aufmerksam, die schon in wenigen Wochen drohen kann. Denn: Entscheidet sich das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) am 24. Februar nicht für eine Liquiditäts- und Budgetsicherung der Krankenhäuser für das Jahr 2021, droht vielen Krankenhäusern der wirtschaftliche Kollaps, klagen die Krankenhäuser in der gemeinsamen Mitteilung. Die Belegungsrückgänge durch die Corona-Pandemie betragen seit knapp einem Jahr bis zu 20 Prozent, in Einzelfällen auch bis zu 40 Prozent. Das bedeutet aber nicht, dass auch der Arbeitsaufwand ebenfalls zurückgegangen ist. „Die Behandlung von Covid-19-Patienten erfordert deutlich mehr Personal. Um Infektionen zu vermeiden, müssen wir in einzelnen Bereichen den vierfachen Personalaufwand betreiben“, erklärt Burkhard Nolte, der als Regionalgeschäftsführer der St. Franziskus-Stiftung Münster für einige Kliniken im Münsterland verantwortlich ist. Mark Lönnies, Geschäftsführer der Christophorus-Gruppe: „Unsere Patienten können in Mehrbettzimmern aus hygienischen Gründen nur stark eingeschränkt untergebracht werden. Stattdessen müssen wir einen hohen Aufwand betreiben, erlösen aber im Vergleich zum bisherigen Normalbetrieb deutlich weniger Geld“. Gemeinsam mit Direktoriumsmitgliedern haben die beiden ihre Sorge bereits Anfang Februar den für den Kreis Coesfeld verantwortlichen Politikern CDU-Bundestagsabgeordneten Marc Henrichmann und CDU-Landtagsabgeordneten Dietmar Panske vorgetragen. Die Verantwortlichen für den Kreis Coesfeld in Bund und Land hätten das Thema mit großem Interesse aufgenommen und zugesagt, sich für einen angemessenen Rettungsschirm einzusetzen. Auch im gemeinsamen Gespräch haben es die beiden Krankenhausmanager auf den Punkt gebracht: „Wir müssen ökonomisch in der Lage sein, unsere Kapazitäten im Rahmen der Daseinsvorsorge im Jahr 2021 aufrecht zu erhalten.“ Bislang konnten die Kliniken im Kreis Coesfeld die Unterbelegung durch die vom Staat gewährten Ausgleichszahlungen gut kompensieren. Bekommen sie und die anderen Kliniken ab Ende Februar solche jedoch nicht mehr und können dann gleichzeitig die eigentlich vorhandenen Kapazitäten nicht hochfahren, entstehe eine nicht kompensierbare Finanzierungslücke in den Krankenhäusern. Michael Mertens, Vorsitzender der Vertretung für Mitarbeiter im St. Marien-Hospital Lüdinghausen, unterstützt das Engagement der beiden Geschäftsführer, sorgt sich jedoch gleichzeitig um die Arbeitsplätze in den Kliniken: „Die Corona-Pandemie verlangt von uns seit nunmehr über einem Jahr alles. Wenn uns jetzt im Ergebnis keine ausreichende finanzielle Unterstützung zukommt und dadurch Arbeitsplätze wegfallen müssen, ist das für uns wie eine Ohrfeige mitten ins Gesicht.“

Grund für die finanziellen Einbrüche sei auch die Tatsache, dass bereits seit Monaten geplante Operationen verschoben werden, da entweder die Anforderungen an die Intensivstationen zu hoch gewesen seien oder die Patienten sich aus Angst vor Corona einfach nicht mehr im Krankenhaus behandeln ließen, erläutern die Kliniken. Für die betroffenen Kliniken und Krankenhäuser sinken die Erlöse und Umsätze massiv durch die verringerten Belegungen. Die Krankenhäuser garantieren als Teil der Daseinsvorsorge die Versorgung der Bevölkerung in der Pandemie und erwarten im Gegenzug finanzielle Sicherheit.

Eine Refinanzierung durch zusätzliche Steuermittel sei nicht notwendig. „Die Corona-Pandemie ist für alle eine besondere Herausforderung. Einer solchen muss man mit kreativen finanziellen und bürokratiefreien Lösungsansätzen begegnen“, sind sich Lönnies und Nolte einig.

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