Klaus und Christel Pantförder versuchten wochenlang Impfung fürs Impfzentrum in Dülmen bekommen
„Es hieß immer: Keine Termine mehr“

Kreis Coesfeld. Christel Pantförder schüttelt mit dem Kopf. „Das darf doch alles nicht wahr sein“, sagt sie. Seit Wochen versuchen sie und ihr Mann Klaus bei der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe einen Termin fürs Impfzentrum in Dülmen zu bekommen. Hunderte Male. Am 25. Januar startete das Coesfelder Senioren-Ehepaar – „dass es am Anfang schwierig sein würde, war uns klar“, sagt Klaus Pantförder. Kein Verständnis hat der 81-jährige Ex-Vorsitzende des Seniorenverbands BRH aber mehr dafür, dass es Wochen später immer noch nicht mit der Terminvergabe für die Corona-Impfung funktioniert und dass das Verfahren so kompliziert ist. Besonders im Internet „mit den vielen Pin-Nummern, die nach zehn Minuten ungültig waren. Ein Termin, den man vielleicht mal erwischte und buchen wollte, war bereits in Sekunden schon besetzt“.

Dienstag, 23.02.2021, 09:02 Uhr aktualisiert: 23.02.2021, 09:10 Uhr
Klaus und Christel Pantförder versuchten wochenlang Impfung fürs Impfzentrum in Dülmen bekommen: „Es hieß immer: Keine Termine mehr“
Noch immer haben längst nicht alle Senioren ab 80 einen Termin fürs Impfen bekommen. Der 81-jährige Klaus Pantförder (l.) aus Coesfeld versuchte es wochenlang. Foto: az

Am Telefon habe die Antwort immer wieder gelautet: „Leider haben wir für Dülmen keinen Termin, versuchen Sie es bitte heute noch einmal“, schildert Christel Pantförder. Es sollten noch Termine reinkommen, hieß es. „Aber wenn wir dann angerufen haben, sagte man uns wieder, dass es keine Termine mehr gebe.“

Die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL), die für die Terminvergabe zuständig ist, bestätigt, dass der Andrang nach wie vor hoch sei – immerhin gebe es insgesamt rund 600 000 Senioren über 80 Jahren in Westfalen-Lippe. „Wir können immer nur so viele Termine vergeben wie Impfdosen zur Verfügung stehen“, erklärt Sprecher Andreas Daniel. Zurzeit seien das 4600 jeden Tag. „Eine Vorausbuchung ist leider nicht möglich, weil nicht in die Zukunft geplant werden kann.“ Bei einem Lieferengpass müssten die Termine wieder abgesagt werden, „das wäre logistisch nicht möglich“. Daniel hat für die Ü-80-Senioren, die noch keinen Termin erhalten haben, von daher nur den Tipp, geduldig zu bleiben. „Es bleibt nichts anderes übrig, als es täglich neu zu versuchen.“

Bei Karl Pantförder klappte es gestern – tatsächlich. Der 81-Jährige hat nach wochenlangen vergeblichen Versuchen einen Termin ergattert. Seine Frau Christel wird im Mai 80 – und soll es dann noch mal versuchen, habe die Auskunft gelautet. „Ich habe die Befürchtung, dass alles wieder von vorne losgeht“, sagt sie.

Das Kopfschütteln nach so vielen Wochen Telefonieren, Absagen und Vertröstungen bleibt. „Viele Senioren sind nicht mehr so rüstig wie wir“, sagt Klaus Pantförder, der aus seiner BRH-Zeit nach wie vor viele Kontakte zu älteren Menschen im Kreis Coesfeld hat. „Längst noch nicht alle aus der Gruppe ab 80 haben einen Termin bekommen“, schildert er die Erfahrungen. „Ich kenne Senioren, die es inzwischen aufgegeben haben. Die haben es immer wieder versucht und sagen sich jetzt, dass es wohl nicht mehr klappt mit einer Impfung.“ Das könne doch wohl nicht das Ziel sein. Organisatorisch sei die ganze Aktion ein Disaster. Das komlizierte Prozedere sei für Senioren, die nicht mehr so fit sind, kaum zu bewerkstelligen.

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