Kriminalität im Kreis Coesfeld: Steigende Zahlen bei Enkeltrick und Sexualstraftaten
Kinderpornographiefälle schnellen hoch

Krfeis Coesfeld. Gefühlt gab es für die Kripo weniger Straftaten im Coronajahr 2020. Die Statistik spricht allerdings andere Zahlen. „Überraschend ist die Gesamtzahl gegenüber 2019 ziemlich gleich“, sagt Behördenchef und Landrat Dr. Christian Schulze Pellengahr im Jahrespressegespräch zur Entwicklung der Kriminalitätszahlen im Kreis Coesfeld. 10 612 Straftaten zählte die Kriminalpolizei, 48 mehr als 2019. Die Kriminalität liegt im Vergleich zu anderen Kreisen eher niedriger; „der Kreis Coesfeld bleibt einer der sichersten Kreis im Land“, so Schulze Pellengahr.

Dienstag, 09.03.2021, 06:00 Uhr
Kriminalität im Kreis Coesfeld: Steigende Zahlen bei Enkeltrick und Sexualstraftaten: Kinderpornographiefälle schnellen hoch
Überrascht war die Polizei selber – aber 2020 gab es aufgrund von Corona keine Verschiebungen, so Landrat Dr. Christian Schulze Pellengahr (l.) und Guido Meinert, Leiter der Direktion Kriminalität. Foto: Viola ter Horst

„Wir haben zumindest mit Verschiebungen gerechnet“, sagt Abteilungsleiter Thomas Eder. Weniger Wohnungseinbrüche zum Beispiel, weil ja viel mehr Menschen zu Hause sind. „Das konnten wir aber nicht feststellen.“ Die Zahlen fielen zwar bei den Einbrüchen leicht (2019: 206, 2020: 193), dies lasse sich aber nicht unbedingt auf die Coronapandemie zurückführen, so Eder. Auch Ladendiebstähle gab es im Kreis Coesfeld nur fünf weniger in 2020. Der Kripo bekannt gewordene häusliche Gewalt ging sogar leicht zurück (344 Fälle in 2019, 325 in 2020).

Zwei Sorgenkinder kristallisierten sich 2020 heraus: Bei den Sexualstraftaten und bei den Straftaten gegen Senioren mit Enkeltrick, Schockanrufen und Co. gab es starke Anstiege. Bei den Sexualstraftaten kletterten die Zahlen von 173 in 2019 auf 236 in 2020 – so viele waren es in den letzten fünf Jahren nicht. Davon 26 Vergewaltigungen (2019: 34) und 93 Fälle wegen Besitzes /Verbreitung von Kinderpornografie (2019: 30) – im letzteren Bereich also ein starker Anstieg. Die Aufklärungsquote lag mit 90,58 Prozent hoch. Die Fälle seien nicht mehr, aber sichtbarer geworden, erläutert Guido Meinert, Leiter der Direktion Kriminalität, den Anstieg im Bereich Kinderpornografie. Die Anstrengungen in der Behörde, die häufig im Netz stattfindenden Fälle aufzudecken, sind groß. Allein zehn Mitarbeiter beschäftigen sich inzwischen in der Direktion Kriminalität mit dem Bereich Kinder- und Jugendpornographie, davon mehrere Informatiker.

Bei den Trickbetrügern, die gezielt Senioren anrufen, um an ihre Geld zu kommen, handelt es sich laut Meinert um überregional handelnde Täter, die von einem anderen Land aus agieren und vor Ort ihr Netzwerk in Gang setzen. Die Aufklärungsquote: Magere 1,52 Prozent. Trotz Informationen, trotz Warnungen und Zusammenarbeit auch mit den Banken gelang es den Tätern in 2020 in 24 Fällen, dass ihnen Senioren ihr Gespartes aushändigten. Insgesamt eine Summe von 389 485 Euro. Die Täter gehen dabei professionell vor und „machen glaubhaft, dass die Enkelin in Not ist, der unbedingt geholfen werden muss“, schildert Meinert.

Relativ selten setzten Täter eine Waffe bei ihren Straftaten ein. Von 683 Straftaten mit Verletzungen („Rohheitsdelikte“) zückten die Täter in 14 Fällen ein Messer. Außerdem einmal eine Pistole, dreimal Gaswaffen und einmal eine Luftdruckwaffe.

„Wir wollen die Zahlen weiter senken“, sagte Meinert zu den Zielen in diesem Jahr. In der Direktion Kriminalität sind 81 Beamte und 27 Nicht-Beamte beschäftigt. Drei zusätzliche Stellen sind aktuell geschaffen worden, unter anderem für Beratungen und Vorbeugeaktionen.

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