Strategie mit schrittweisen Öffnungen: Am 19. April soll es losgehen
„Ein Stück Normalität bringen“

Kreis Coesfeld. Der Kreis Coesfeld ist dabei: Er ist unter den sechs Modellkommunen in NRW, die Öffnungsstrategien erarbeiten dürfen. Das gab NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) am Freitag bekannt. Am 19. April geht es los. Unter dem Motto „Einer für alle“ sollen die ausgewählten Kommunen wissenschaftlich begleitet Projekte erarbeiten, die von anderen Kommunen in NRW aufgegriffen werden können. Voraussetzung ist, dass der Inzidenzwert an sieben aufeinanderfolgenden Tagen unter 100 liegt.

Samstag, 10.04.2021, 05:00 Uhr
Strategie mit schrittweisen Öffnungen: Am 19. April soll es losgehen: „Ein Stück Normalität bringen“
Schrittweise sollen Geschäfte, Außengastronomie, Sport- und Freizeitangebote im Kreis Coesfeld geöffnet werden. Nächste Woche sollen konkrete Ideen abgestimmt werden. Fest steht: Alles auf einmal soll nicht geöffnet werden. Foto: vth/Archiv

Unter dem Titel „Vernetzt Chancen eröffnen“ will der Kreis Coesfeld mit den Kommunen und weiteren Partnern in den Bereichen Kultur, Sport und Außengastronomie punktuelle Öffnungen den Bürgern anbieten und so ein Stück Normalität in den Alltag bringen.

Was das konkret bedeutet, welche Projekte als erstes anstehen, ob und welche Freizeiteinrichtungen, Außengastronomie und Geschäfte geöffnet werden, welche Sportangebote zuerst möglich sind, ist noch nicht klar.

„Wir warten derzeit noch auf die finale Rückmeldung aus Düsseldorf, welche der beantragten Bereiche für die Öffnung ausgesucht wurden“, sagt Kreisdirektor Dr. Linus Tepe.

Ein erstes Bürgermeistertreffen fand nach der Bekanntmachung statt. Jens Wortmann (Kreisportbund) und Dr. Jürgen Grüner (wfc) sowie Christoph Schlütermann (DRK) nahmen ebenfalls teil. Die weitere Absprache folgt Anfang nächster Woche. Auf keinen Fall soll alles auf einmal geöffnet werden. Ob die Freilichtbühne in Billerbeck, das Konzert Theater in Coesfeld oder die Burgen in Lüdinghausen, ob Außengastronomie oder Sportangebote, ob Öffnung eines Schwimmbads: Schrittweise mit wissenschaftlicher Begleitung lautet das Zauberwort.

„Die Menschen – egal welcher Altersgruppe – wünschen sich gerade in diesen Zeiten Abwechslung und Bewegung. Das spiegelt unsere Ideen im Antrag wider“, so Landrat Dr. Christian Schulze Pellengahr. Die gemeinsame Kraftanstrengung habe sich gelohnt, freut er sich über die Zusage.

Durch die Öffnungen sollen keine Publikumsmagnete geschaffen werden, sondern diese durch digitale Strategien, im Gegenteil, vermieden werden. Für Kunden und Besucher bedeutet die Modellregion, dass es ohne negative Tests in viele Bereiche keinen Einlass mehr geben wird. Das ist neu. Denn wegen der Inzidenzwerte unter 100 ist der Eintritt in die Geschäfte bislang ja noch im Kreis Coesfeld ohne diesen Nachweis möglich.

„Wir setzen gemeinsam weiterhin auf die konsequente Einhaltung der Kontakt- und Hygieneregeln im öffentlichen und privaten Raum. Gewährte Freiheiten werden wir nur aufrechterhalten können, wenn sich alle daranhalten“, appelliert Bürgermeistersprecher Wilhelm Sendermann (Olfen).

„Wir sind nicht mehr am Anfang der Pandemie“, sagt DRK-Vorstand Christoph Schlütermann. Selbst wenn der Lockdown verschärft würde: „Wir brauchen Perspektiven für die Zeit danach. Und als Modellregion haben wir die Chance, diese zu entwickeln.“

Begleitet wird die Modellregion wissenschaftlich durch das Land. Außerdem will der Kreis die Universität Münster und die Fachhochschule Münster mit ins Boot holen.

Dr. Jürgen Grüner, Geschäftsführer der wfc Wirtschaftsförderung, hebt hervor, dass die Entscheidung maßgeblich von den digitalen Fähigkeiten einer Region bestimmte worden sei. „Hier machen sich unsere erfolgreichen Vorarbeiten in der Digitalisierung der letzten Jahre jetzt bezahlt.“

Reaktionen aus der Politik: Von „Perspektive“ bis „Verwirrung“

Kreis Coesefld (vth). Positive Reaktionen auf die Bekanntgabe aus der Politik, dass der Kreis Coesfeld zu den Modellregionen gehört. Aber auch kritische Stimmen.

„Es ist ein Zeichen der Wertschätzung für die Arbeit der Kreisverwaltung, die in Abstimmung mit den Bürgermeistern unseres Kreises innerhalb kürzester Zeit eine überzeugende Öffnungsstrategie in den drei Kernbereichen Kultur, Sport und Außengastronomie auf die Beine gestellt hat“, sagt Landtagsabgeordneter Dietmar Panske (CDU) aus Ascheberg. „Gerne habe ich mich in Düsseldorf ebenfalls für die Anerkennung des Kreises Coesfeld als Modellkommune eingesetzt“, erklärt er. „Jetzt müssen die Ärmel aufgekrempelt werden, um alles vorzubereiten.“

Henning Höne (Coesfeld), Landtagsabgeordneter und Vorsitzender der FDP-Kreistagsfraktion: „Der Kreis Coesfeld hat eine überzeugende Bewerbung abgegeben, die ich in Düsseldorf gerne flankiert und unterstützt habe.“ Die Erkenntnisse aus den Modellregionen würden helfen, besser mit der Pandemie umzugehen. „Außerdem schaffen wir Perspektiven für die vom Lockdown betroffenen Branchen, Institutionen und Vereine.“

SPD-Landtagsabgeordneter André Stinka aus Dülmen freut sich, dass der Kreis Coesfeld dabei ist. „Vor Ort wird gute Arbeit geleistet“, lobt der Abgeordnete. Kritisch sieht er aber das Verfahren im Vorfeld, das undurchsichtig gewesen sei. Außerdem seien Finanzmittel für die Projekte unklar. „Auch sorgt es bei den Menschen für erhebliche Verwirrung, wenn auf der einen Seite die Schulen nach den Ferien geschlossen bleiben müssen und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet von einem neuen Lockdown spricht, andrerseits aber gleichzeitig mit den Modellkommunen mehr Öffnungen entstehen sollen“, so Stinka. Es sei kein Wunder, wenn Bürger da besorgt seien.

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