Filme zur münsterländer Mundart ergänzen Heimat-Ausstellung
Videoclips „up Platt“ in der Kolvenburg

Billerbeck (ul). Diene Düppens, de düfftige Diärn drinkt dreimaol an’n Dag düfftig ut denn Düppendeckel! Haben Sie alles verstanden? Dann dürfen Sie sich zum münsterländischen – indigenen – Volk zählen. Hat sich der Sinn des Satzes für Sie nicht ergeben, versuchen Sie es noch einmal und genießen Sie diese Kurzlektion in plattdeutscher Mundart – der Sprache, die in der EU-Charta für die aussterbenden Regionalsprachen gelistet ist. Die hochdeutsche Übersetzung dazu klingt so: Diene (Abkürzung für Bernardine) Düppens (Familienname), das tüchtige Mädchen, trinkt dreimal am Tag tüchtig aus dem Düppendeckel!

Dienstag, 20.04.2021, 08:12 Uhr
Filme zur münsterländer Mundart ergänzen Heimat-Ausstellung: Videoclips „up Platt“ in der Kolvenburg
Die Ausstellung „Heimat – jetzt?! Das Münsterland neu gedacht“ in der Kolvenburg wird nun ergänzt durch Videoclips, in denen „Native Speaker“ den Zuschauern die plattdeutsche Mundart näherbringen. Dafür haben Regisseurin Ulla Wolanewitz und Kameramann Lukas Bertels einige bekannte Personen aus dem Kreis gewonnen. Foto: Tanja Brandt

13 urige Mundartsprüche und Reime gibt es in der neuen Ausstellung „Heimat-Jetzt?! – Das Münsterland neu gedacht“ in der Kolvenburg zu sehen und zu hören. In der Planungsphase dazu kam Swenja Janning, Kulturreferentin des Kreises Coesfeld, mit der Plattdeutsch-Autorin Ulla Wolanewitz zwecks Besprechung verschiedener anderer Projekte zusammen. Da die Antennen der Plattdeutsch-Autorin, die 2019 den ersten Heimatpreis des Kreises Coesfeld erhielt, für das Thema Heimat sehr geschärft sind, hatte diese auch gleich eine Idee parat.

Warum nicht neben Exponaten und Skulpturen auch einen Videoclip produzieren, der die Regionalsprache in witzig-spritziger, humorvoller Art und Weise präsentiert? Das Konzept stieß bei Swenja Janning sofort auf Resonanz und mit Lukas Bertels aus der eigenen Abteilung ward dann auch gleich ein versierter Kameramann und Film-Cutter gefunden. „Wir waren ein Superteam“, lobt die Regisseurin Ulla Wolanewitz den jungen Kollegen und die entspannte, konstruktive Zusammenarbeit.

Woher kommen nun die Sprüche und Reime? Und wer spricht sie? Das Sprachgut sind gesammelte Werke aus dem Archiv der Autorin oder Sammelgut der beteiligten Protagonisten wie etwa bei Annette Jenning aus Nottuln. Sie gibt dem Zuhörer folgendes Rätsel auf: „Ne Koh un een Kalw un een halw Kalw halw – wu vull Been sint dat?“ Wer sich den Satz auf der Zunge zergehen lässt und dann bildlich vorstellt wird feststellen, dass die Lösung „neun“ ist.

Gabi Bayer-Eynck gibt den Zuschauern folgenden Rat mit auf den Weg: „Wenn du nich wees, wao du henn wuss, moss di auk nich wünnern, wenn du annerweggen drut kümps!“. Hochdeutsch: „Wenn du nicht weiß, wo du hinwillst, muss du dich auch nicht wundern, wenn du woanders heraus kommst!“.

Die Protagonisten sind allesamt „Native Speaker“, Muttersprachler sozusagen. Oder solche, die daran arbeiten. Aktivieren konnte die Regisseurin mit Lena Heuring, Josua Hommel und Hannah Strätker auch drei ihrer ehemaligen Schüler aus ihrer Plattdeutsch-AG, die sie viele Jahre in der Sebastianschule in Darup durchführte. „Die kann ich immer wieder schnell für solche Projekte begeistern“, lässt Ulla Wolanewitz durchblicken und bemerkt nebenbei augenzwinkernd: „Da kann mein Unterricht nicht so schlecht gewesen sein.“

Ferner sind dort die Brüder Hubert und Karl Schulze Welberg aus Darup mit einem originellen Beitrag vertreten, ebenso wie Elisabeth Bredeck aus Nottuln, Petra Vonthein aus Billerbeck, Änne Gehrmann aus Darup, Michael Scheipers aus Dülmen und die Regisseurin selber. Die Ausstellung ist bis zum 27. Juni in der Kolvenburg zu sehen. Den Videoclip von 6:12 Minuten, für den das Produktionsteam schon viele Lorbeeren in den sozialen Medien erntete, gibt es bei YouTube unter: „de Kolvenburg in platt“.

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