Ascheberg im Wandel, 7
Die letzten Patienten gingen im Juni 1982

Ascheberg -

Das veränderte Ascheberger Gesicht lässt die Menschen nicht los. Die Westfälischen Nachrichten knüpfen darum mit einem Blick auf das St. Lambertus-Hospital an die Serie „Ascheberg im Wandel“ an.

Samstag, 19.07.2014, 10:00 Uhr
Ascheberg im Wandel, 7: Die letzten Patienten gingen im Juni 1982
Das St. Lambertus Hospital an der Biete (Archivbild). Foto: Becker

Krankenhaus? Jüngere Ascheberger schauen in ihren Ausweis und sehen dort, dass sie in Lüdinghausen, Hiltrup, Ahlen oder Münster geboren wurden. Sebastian Rother, Jahrgang 1978, gehört noch zu jener Generation, die im St. Lambertus-Hospital Ascheberg das Licht der Welt erblickt haben. Ja, es gab ein Krankenhaus in Ascheberg. Der Anblick des Gebäudes an der Biete ist der älteren Generation sehr vertraut.

Wer dabei war, erinnert sich an die „größte Demonstration, die Ascheberg jemals erlebt hat“. 2500 Ascheberger protestierten Palmsonntag 1979, es war ein 8. April, gegen die Pläne, das St. Lambertus-Hospital zu schließen. „Schluß mit dem Krankenhäuser-Mord – laßt unser Krankenhaus am Ort“ war auf Transparten zu lesen. Ihren Unmut drückten die Ascheberger teilweise noch drastischer aus. Aller Protest fruchtete nicht. Die letzten Patienten verließen am 30. Juni 1982 das Ascheberger Hospital, im Volksmund „Usse Krankenhus“.

Der Gedanke ein Krankenhaus in Ascheberg zu errichten, wurde 1854 auf die Reise geschickt. Als an der Biete ein Haus zwangsvollstreckt wurde, griffen Pastor Ueing und der Kirchenvorstand zu. Für 2112 Thaler erwarben sie das Gebäude. Für Um- und Neubau wurde anschließend fleißig gespart. Bürger verzichteten beispielsweise für zehn Jahre auf ihr Jagdpachtgeld. Es dauert rund 30 Jahre bis am 18. November 1887 das Krankenhausstatut unterschrieben wurde, am 31. Januar 1888 wurde es genehmigt, am 20. Februar 1888 schloss Pfarrer Sommer einen Vertrag, der Schwestern des Heiligen Franziskus zum 1. März 1888 für die Pflege nach Ascheberg brachten, im November des Jahres wurde dann eine Kapelle eingeweiht. Im umgebauten und im neuen Haus waren sechs Krankenzimmer entstanden.

Schnell war das Gebäude zu klein, in einem Anbau von 1896 befanden sich unten Kuh- und Schweineställe und in der ersten Etage Krankenzimmer. Das wurde mit dem Umbau 1905 geändert. Mit diversen Umbauten wurden im Umfeld auch Grundstücke erworben. So war es 1935 möglich einen Neubau zu planen, der 1936 eingeweiht wurde und 73 555 Mark kostete. Ende der 50er Jahre wurde noch einmal kräftig umgebaut. 1965 wird so um- und angebaut, dass die Bettenzahl auf 48 wächst. 1972 entsteht ein Schwesternwohnheim. 1974 glauben die Ascheberger, das Lambertus-Hospital könne auf 100 Betten wachsen. 1975 wird dann ein Krankenhausbedarfsplan ohne das Ascheberger Haus öffentlich. Durch die massiven Proteste wird das für Ende 1979 vorgesehene Ende bis zum 30. Juni 1982 hinausgezögert, aber nicht verhindert. 1979 gelingt es, die Umwandlung zu einem Altenheim auf den Weg zu bringen.

Die Ordensschwestern verlassen Ascheberg am 26. September 1982, im März 1992 wird das alte Krankenhaus abgerissen – der Dachstuhl erhält im Innenhof vom Alten- und Caritaswohnheim einen neuen Platz, ist eine bleibende Erinnerung.

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