Szenische Lesung auf Burg Hülshoff
Sehnsucht nach Heimat

Havixbeck -

Die Zeit zurückschrauben, Empfindungen von heute mit denen der Dichterin von damals abgleichen, das war die Idee der Annette-von-Droste-zu-Hülshoff-Stiftung, als sie eine szenische Lesung im Rahmen der ersten Droste-Tage auf Burg Hülshoff initiierte.

Montag, 21.07.2014, 17:32 Uhr

Das hätte Annette von Droste-Hülshoff sicher zum Dichten angeregt: die alte Vorburg von Hülshoff im warmen Licht eines Sommerabends. Dazu die Stille. Keine lärmenden Touristen, keine schnatternden Wasservögel. Denn die Menschen, die sich am Wochenende an zwei Abenden in den ehemaligen Wirtschaftsräumen der Burg Hülshoff einfanden, wollten genau dies: die Zeit zurückschrauben, ihre Empfindungen von heute mit denen der Dichterin von damals abgleichen.

Das war die Idee der Annette-von-Droste-zu-Hülshoff-Stiftung zu dieser ungewöhnlichen Abendveranstaltung im Rahmen der zum ersten Mal veranstalteten Droste-Tage. Dazu bedurfte es der beinahe klösterlichen Kargheit. Nichts sollte und konnte ablenken. So hatte der Kölner Bühnenbildner Martin Rottenkolber die seit Jahrzehnten ungenutzten Ställe der historischen Wasserburg in eine Art Refektorium verwandelt. Eine einzige lange weiße Tafel, kalte Beleuchtung und ansonsten nur pure Dunkelheit.

Nur drei Personen sprachen: die Schriftstellerin Judith Kuckart , etwa in der Mitte platziert, und an den beiden Kopfenden die Schauspielerinnen Kirsten Hartung und Helene Grass. Eine wunderbare Idee. So kamen alle an der langen Tafel in den Genuss, mittendrin zu sein.

Genuss? Ja, darin waren sich alle einig, es war ein Genuss, diesem literarischen Gespräch anderthalb Stunden folgen zu können. Denn in dieser so gewollt szenischen Lesung hatte die Theaterregisseurin und Schriftstellerin Judith Kuckart Original-Briefe, Gedichte und Prosa-Texte der Annette von Droste-Hülshoff mit eigenen literarischen Finessen montiert. So ergaben sich Gespräche aus gemeinsamen Gedanken, die alle nur eins zum Ziel hatten: beider Sehnsüchte nach Heimat und Geborgenheit in der westfälischen Heimat zu verdeutlichen.

So formulierte Judith Kuckart: „Annette und mich trennt vieles. Unter anderem 162 Lebensjahre. Sie kam als adliges Fräulein an einem magischen Ort, einer Wasserburg nahe Münster, zur Welt. Ich bin als Tochter eines Vertreters neben einer Fabrik für Metallverarbeitung in Schwelm bei Hagen geboren. Was verbindet uns? Wir sind beide in Westfalen geboren. Und jahrelang war mein Spielplatz ein verwahrlostes Wasserschloss am Rande der Stadt. Als 16-Jährige habe ich in der Schule einen Aufsatz über die ‚Judenbuche‘ geschrieben. Nach Meinung meines damaligen Deutschlehrers hat mein eigenes Schreiben an dem Morgen angefangen.“

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