Mit dem Bezirksförster unterwegs
Mit Kettensäge und dem Rückeschlepper

Lüdinghausen -

Die innerstädtischen Bereiche sind stark vom Sturm betroffen. Viele Wege werden noch längere Zeit gesperrt bleiben. Aber auch in den Wäldern hat der Sturm Spuren hinterlassen. Bezirksförster Wolf Meyer hat derzeit alle Hände voll zu tun, um Gefahrenstellen zu beseitigen.

Samstag, 05.07.2014, 18:00 Uhr
Veröffentlicht: Samstag, 05.07.2014, 18:00 Uhr

„Wenn wir zu Weihnachten alles aufgeräumt haben, sind wir gut. Aber ich glaube, es wird noch ein Jahr dauern.“ Wolf Meyer , Bezirksbeamter des Landesbetriebs Wald und Holz (ehemals Forstamt Münster ), hat derzeit alle Hände voll zu tun. Der Sturm vom Pfingstwochenende hat nicht nur in den Städten und Wohngebieten für Gefahr und Verwüstung gesorgt. In den von Meyer betreuten kommunalen und privaten Wäldern sieht es nicht besser aus. Nur: Diese Bereiche liegen nicht so im Fokus der Öffentlichkeit. Aber: Auch hier muss „aufgeräumt“ werden.

„Der Sturm kam von Süden, an der Bahnstrecke entlang durch die Stadt und dann weiter in Richtung Elvert und Berenbrock “, erläutert Wolf Meyer die Geschehnisse vom Pfingstmontag. Zwar sind auch in den übrigen Regionen erhebliche Schäden in den Wäldern zu erkennen, aber die Schneise ist deutlich. Für Meyer ging es in den ersten Tagen darum, zunächst einmal die Windbrüche zu beseitigen. „Geht von einem Baum eine Gefahr aus?“, lautete die Frage, die er sich beim Gang durch die Bestände stellte. Bei der Gefahr handelt es sich weniger um die Bäume, die erkennbar in „Schieflage“ geraten sind. Gerade in den ersten Tagen nach dem Sturm waren die abgebrochenen Äste, die noch in den Baumkronen hingen, kaum zu erkennen. „Jetzt, da die Blätter trocken werden, sieht man die Äste erst richtig“, so Meyer. Wenn dann halbe Kronen in schwindelerregender Höhe hängen und drohen, auf Straßen oder Wege zu fallen, bleibt dem Förster keine andere Wahl: Dann muss der ganze Baum dran glauben. Er hätte angesichts der Schäden ohnehin häufig keine Überlebenschance.

Die größten Gefahrenstellen sind mittlerweile beseitigt. Jetzt sind die eigentlichen Wälder an der Reihe – beispielsweise das Kranichholz. Seit Beginn der Woche sind die Waldarbeiter dort tätig, mit Kettensäge und Rückeschlepper. Meyer ist froh, überhaupt Unternehmen gefunden zu haben, die sich dieser Arbeit annehmen. Solche Sturmschäden zu beseitigen, ist natürlich viel undankbarer, als ganze Waldflächen zu bearbeiten. Die heimischen Unternehmen sind alle im Einsatz. Jetzt bieten sich auch Unternehmen aus anderen Teilen der Republik an. Voraussetzung, dass man ins Münsterland kommt, ist mindestens ein 14-tägiger Einsatz. „Ich bin derzeit nur noch am Organisieren, Telefonieren und Beurteilen, was zu tun ist“, so Meyer. Er ist ständig unterwegs von einem Waldbesitzer zum nächsten oder von einem Sturmschaden zum anderen. Dabei kann es sich auch schon mal um zwei einzelne Bäume handeln. Und solche Bäume dann zu verkaufen, ist sicherlich schwieriger, als wenn man über ganze Lkw-Ladungen spricht.

Im Kranichholz sind in diesen Tagen Clemens Wilmer von der Firma Pro-Forst aus Nottuln und Bernhard Brinkmann mit seinem Rückeschlepper vom Lohnunternehmen Froning aus Schapdetten im Einsatz. Routiniert fällt und zerlegt Wilmer die Buchen mit der Kettensäge. Brinkmann schleppt sie dann an die Straße, damit sie dort demnächst abgeholt werden können. Zu tun gibt es reichlich. Allzu viele Überstunden macht der Mann an der Kettensäge trotzdem nicht. Die Arbeit an der Säge ist enorm anstrengend. Wenn der Kranichholz durchforstet ist, steht der Bereich am Stadts­tannenweg auf der Auftragsliste, von dort geht es dann nach Berenbrock. Und zwischendurch hat Heinz-Helmut Steenweg von der Umweltstelle der Stadt Lüdinghausen noch einzelne Bäume im Visier, die die Fachleute fällen müssen.

Wolf Meyer blickt unterdessen schon in die Zukunft. Er ist froh, dass sich im Kranichholz junge Buchentriebe angesiedelt haben. „Das ist wichtig für die Beschattung des Bodens, gerade jetzt, wo viele Baumkronen herausgebrochen sind“, so der Förster. Dort, wo viel Licht auf den Waldboden trifft, siedeln sich sofort Brombeeren an. „Aber die können wir hier nicht gebrauchen“, so der Förster. Er hält natürlich die Bewirtschaftung der Wälder im Auge. Das gestiegene Holzangebot nach dem Sturm hat keine Auswirkungen auf die Marktpreise. Das gelte auch fürs Kaminholz.

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