Holländer werden nach Leversum evakuiert
Bullemänner begeisterten 600 Zuhörer zum letzten Mal mit ihrem Programm „iKuh“

Lüdinghausen -

Dröge Westfalen und Intelligenz. Kann das gutgehen, oder gibt es überhaupt Intelligenz in Westfalen, das doch keine großen Philosophen hervorgebracht hat? Das wollten die Schützen aus Ondrup und Leversum näher wissen und luden dazu Heinz Weißenberg und Augustin Upmann, besser bekannt als „Bullemänner“, am Mittwochabend ins Festzelt ein. Hatten die beiden Intelligenzbolzen doch in ihrem Heimatort Suchtdrup, oder dessen spanischer Partnerstadt Muerte viel erlebt, das auch in so manchem anderen Ort hätte passieren können. Eben voll aus dem prallen Leben auf dem Lande. Von Melancholie oder Abschiedsschmerz war aber nicht viel zu spüren, standen die „Bullemänner“ doch zum letzten Mal mit dem ihrem Erfolgsprogramm „iKuh“ auf der Bühne.

Freitag, 04.07.2014, 15:28 Uhr
Veröffentlicht: Freitag, 04.07.2014, 15:28 Uhr

Lokalkolorit gleich zu Beginn des mehr als unterhaltsamen Abends im mit rund 600 Besuchern gefüllten Festzelt am Hof Hohmann, in dem am kommenden Wochenende das Schützenfest der zweiten Kompanie der St. Johanni-Schützenbruderschaft gefeiert wird. So verglichen die beiden Seppenrade mit ihrem Suchtdrup . „Seppenrade ist eine Großstadt gegenüber unserem Kaff. Ihr habt den größten Ammoniten, aber dafür den kleinsten Wochenmarkt. Besser als umgekehrt“, wusste das Duo auf der Bühne, wo Svetlana Svoroba aus der Ukraine auf dem Piano für die musikalische Begleitung sorgte, über das Neueste aus dem Dorf bestens Bescheid. „Euer Flughafen ist fertig, der in Berlin noch nicht. Ihr habt hier eine Grundschule, wir in Suchtdrup nur eine für Schweine. Wenn die Pole weiter schmelzen und der Meeresspiegel steigt, wird euer Leversum zum Evakuierungsgebiet für Holländer , weil hier alles so schön platt ist“, warnten sie. In Suchtdrup versuche man, nach Außen hin durch neue Straßennamen wie „Einsteinstraße“, bilingualem Babyschwimmen oder balinesischem Glasnudeltheater intelligent zu wirken, ansonsten aber sei der Ort ebenso von der Welt abgehängt „wie Ondrup nach der Schließung des Bahnhofs“.

Dass Liebe nicht nur blind, sondern auch blöd macht, wusste Augustin Upmann als Getränkeverkäufer Panhas über das Verhältnis zu seiner angebeteten Renate zu erzählen. Ein Klassiker im Programm ist die Beerdigung von Clemens, einem Kameraden aus dem Spielmannszug „Hau drupp“. Sie gaben ihrem Pfarrer auch Tipps, wie die Kirche besser gefüllt werden kann. „Machen sie mal mehr Dampf in der Kirche. Wie wäre es neben flotter Musik mit einer VIP-Lounge für gute Kirchensteuerzahler, oder Paybackpunkte für die Spende in den Klingelbeutel“.

Heinz Weißenberg als Gott, der in einer Woche die Welt erschuf, oder Kuschelheini, der über Landflirt.de im Internet eine Frau sucht und in der Nachbarin findet, Augustin Upmann als pubertierendes, blondes Pferdemädchen Nadine O., oder mit Svetlana Svoroboa als Gesangsduo „Hermann und Hannelore“, die Aufführung der Oper „Carmen“ eigens für die Kunstavangarde in Leversum, das Trio auf der Bühne sorgte mit Musik, Tanz, sehr viel Witz und Situationskomik für tosenden Applaus beim Publikum.

Nach der letzten Zugabe hielten die „Bullemänner“ noch ein Geschenk für die Besucher bereit: Am Ausgang warteten sie mit den zuvor mehrmals besungenen Muffins von Marion, die jeder mit auf den Heimweg nehmen durfte.

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