Historisch interessierte Canisianer besuchten KZ-Gedenkstätte Bergen-Belsen
Wenige zur Rechenschaft gezogen

Lüdinghausen -

Im Rahmen eines Pilotprojekts der Fachschaft Geschichte besuchten 40 geschichtsinteressierte Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Canisianum jetzt die KZ-Gedenkstätte Bergen-Belsen. Es soll nicht bei dieser ersten Besichtigung bleiben.

Dienstag, 08.07.2014, 19:00 Uhr

„Ich dachte, wir fahren zu einem ehemaligen Konzentrationslager. Aber Bergen-Belsen ist eine Gedenkstätte “, sagte eine Schülerin nachdenklich am Ende der Exkursion in die KZ-Gedenkstätte in der Nähe von Celle. Knapp 40 geschichtsinteressierte Schülerinnen und Schüler der Oberstufe des Gymnasiums Canisianum hatten sich in der vergangenen Woche auf den Weg gemacht.

Es sollte ein Pilotprojekt der Fachschaft Geschichte sein, Erinnerungskultur am Canisianum praktisch werden zu lassen und regelmäßig Gedenkstättenfahrten anzubieten, heißt es in einer Pressemitteilung. Die durchgängig positiven Rückmeldungen der Schüler ermutigen die Lehrerinnen Barbara Imholz und Annika Pohl , dass der Versuch geglückt ist.

Das Eigentümliche an der Gedenkstätte ist die besondere Geschichte des Lagers Bergen-Belsen. Es hatte eine doppelte Funktion als Kriegsgefangenenlager der Wehrmacht und als Konzentrationslager für jüdische, politische, homosexuelle Gefangene sowie inhaftierte Sinti und Roma aus ganz Europa. Durch einen hohen Stacheldrahtzaun und Wachtürme waren beide Lager voneinander getrennt, berichtete ein studentischer Mitarbeiter der Gedenkstätte den Jugendlichen während einer Einführung in die Geschichte des Lagers. Bergen-Belsen war kein Vernichtungslager, wie die Schüler erfuhren, sondern ein Kriegsgefangenen-, Zwangsarbeiter-, Austausch- und Sterbelager, in der Selbstbezeichnung der SS auch zynisch „Erholungslager“ genannt.

Zeitweise waren dort 95 000 Soldaten verschiedenster Nationalitäten, überwiegend sowjetische Kriegsgefangene, unter unmenschlichen Bedingungen inhaftiert. Man stellte ihnen keine Baracken zur Verfügung, so dass sie sich mit ihren eigenen Händen Erdhöhlen graben mussten. Ab 1943 wurde das Lager dann von der SS übernommen. Es starben dort bis zur Befreiung am 15. April 1945 durch die Briten durch Seuchen, Hunger und Kälte von insgesamt etwa 120 000 Häftlingen mindestens 52 000. Allein zwischen 1944 und 1945 starben geschätzt 30 000 Menschen, die überwiegend aus den Rücktransporten der geräumten Vernichtungslager in Osteuropa kamen.

Auch Anne und Margot Frank fanden hier auf diese Weise ihren Tod. „Wurden die Verantwortlichen der Wehrmacht und der SS nie bestraft?“ fragte eine Schülerin. „Nein, nicht wirklich“, lautete die Antwort des junge Historikers der Gedenkstätte lakonisch. „Zur Rechenschaft gezogen wurde nur wenige Angehörige der SS. So wurde der Leiter des KZ, Josef Kramer, im übrigen vorher Leiter des KZ Auschwitz, von den Briten zum Tode verurteilt.“

Noch Monate nach der Befreiung starben an die 15 000 Menschen an Entkräftung und Krankheit. Den Schülerinnen und Schülern wurde die Systematik der Vernichtungslogik, die in diesem Lager zum Tragen kam, durch mangelnde Versorgung und Hygiene sowie Überarbeitung, eindrücklich vor Augen geführt. In dem vierstündigen Besuch der Gedenkstätte mischten sich Vortrag, Geländebesichtigung und Ausstellung.

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