Gemeindeversicherung
Baum stürzt aufs Grab: Witwe muss Schaden zahlen

Lüdinghausen -

Wann tritt der Gemeindeversicherungsverband ein und übernimmt die Schäden im kommunalen Bereich? Mit dieser Frage beschäftigte sich jetzt auch Irmgard Wiechert, nachdem ein Baum auf das Grab ihres verstorbenen Mannes gefallen war und den Grabstein umriss.

Donnerstag, 10.07.2014, 15:34 Uhr

„Was habe ich mit dem Baum der Stadt Lüdinghausen zu tun?“ Diese Frage stellt sich derzeit Irmgard Wiechert . Seit dem Sturm vom Pfingstmontag ist sie auf die Stadtverwaltung nicht gut zu sprechen, denn der Friedhofsbaum, den der Sturm entwurzelte, warf den Grabstein auf dem Grab ihres Mannes um – und Irmgard Wiechert bleibt jetzt auf den Reparaturkosten sitzen. „Wir haben versucht, den Schaden im Sinne von Frau Wiechert zu regeln. Aber das war nicht möglich“, erläuterte jetzt Stadt-Pressesprecher Armin Heitkamp die Situation der Stadt Lüdinghausen.

Was war geschehen? Der Pfingststurm hatte auf dem Grab von Irmgard Wiecherts Mann für einen Schaden in Höhe von rund 140 Euro gesorgt. Diesen Kostenvoranschlag ließ sich die Witwe von einem Steinmetz erstellen und reichte ihn bei der Stadtverwaltung nach vorheriger Absprache ein. Die Stadt leitete das Papier an den Gemeindeversicherungsverband (GVV) weiter. Der Verband kam jedoch zur Erkenntnis, dass die Witwe keinen Anspruch auf Schadensersatz hat. „Es handelt sich hier um einen klaren Fall höherer Gewalt“, erläutert auch Stadt-Pressesprecher Armin Heitkamp die juristische Sicht des Schadens. „Das tut uns auch für Frau Wiechert leid. Aber die Sachlage ist völlig klar.“

Das bestätigte am Mittwoch auch Thomas Morgener, stellvertretender Leiter der Schadensabteilung bei der GVV-Kommunalversicherung in Köln. „Hier liegt keinerlei Verschulden der Stadt vor“, erläuterte er auf Anfrage der WN die Situation. Falls der Stadt nachgewiesen werden könne, dass sie schuldhaft versäumt habe, regelmäßig den Baum und das Astwerk zu kontrollieren, dann sehe die Sachlage anders aus, so der Fachmann. „Wenn der Stadt ein Verschulden nachgewiesen wird, sind wir am Zuge“, so Morgener.

Mit ihrem Missmut ist Irmgard Wiechert allerdings nicht alleine. „Nach dem Sturm liegen uns Tausende von Anträgen aus ganz NRW vor. In den weitaus meisten Fällen müssen wir die Ansprüche ablehnen“, so der Versicherungsfachmann. „Dann ist die Enttäuschung natürlich groß.“ Voraussetzung für die Übernahme eines Schadens sei immer wieder, dass der Betroffene nachweist, dass die Kommune Fehler gemacht habe.

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