Marita Brackmann hat Verwandte in der brasilianischen Metropole Curitiba aufgespürt
„Wir suchen seit 30 Jahren“

Lüdinghausen -

„Nicht traurig sein, Du bist ja deutscher Abstammung“ – das hat Marita Brackmann ihrem Verwandten Sergio Luis Brackmann im fernen Brasilien nach der 1:7-Niederlage der Brasilianer gegen die deutsche Mannschaft auf Facebook gepostet. Persönlich kennt sie diesen Verwandten nicht, und erfahren, dass es ihn überhaupt gibt, hat sie das auch erst vor ein paar Wochen. „Wir suchen seit 30 Jahren“, beschreibt die Reisebürokauffrau ihre Recherchen und die ihrer Cousine in Lüdinghausen.

Samstag, 12.07.2014, 14:00 Uhr
Veröffentlicht: Samstag, 12.07.2014, 14:00 Uhr

Im Jahr 1907 sind gleich drei Mitglieder der aus der Bauerschaft Tetekum stammenden Familie Brackmann nach Südamerika ausgewandert: der Lehrer Bernard sowie Josef, der später unter dem Namen Solano Priester im Orden der Steyler Missionare wurde, und eine Schwester, die als Nonne den Namen Willibalda trug. Sie alle lebten in der südbrasilianischen Stadt Curitiba, wo es eine große deutschstämmige Kolonie gab.

Den Kontakt mit den Nachkommen von Bernard Brackmann, der drei Söhne und eine Tochter hatte, sei im Zuge des Zweiten Weltkrieges abgebrochen, weiß Marita Brackmann. Nur ihr Großonkel Solano habe per Brief über das Leben der Brackmanns in der Ferne berichtet. Doch der sei am 15. Juni 1959 gestorben. Anlässlich seines goldenen Priesterjubiläums 1956 stand in der Lüdinghauser Zeitung ein Bericht über den hoch geschätzten Geistlichen. Die Originalzeitungsseite gehört samt diverser Fotografien ebenfalls zur Sammlung der Erinnerungen an die Verwandten in Südamerika.

Die Fußball-Weltmeisterschaft sei jetzt Anlass gewesen, sich nicht nur an diese Verbindung zu erinnern, sondern die Bande nach Brasilien erneut zu knüpfen. Dank Google und Facebook ist das geglückt. „Als ich das Bild von Sergio Luis in Facebook gesehen habe, wusste ich sofort: Das ist ein Brackmann“, erzählt die 59-Jährige, die auf dem Tetekumer Hof lebt. Es zeigte den 42-jährigen Urenkel von Lehrer Bernard bei einem der vier WM-Spiele, die in Curitiba ausgetragen wurden, im Stadion der Millionenstadt.

Seither wird regelmäßig zwischen Curitiba und Lüdinghausen gepostet und gemailt. Ins virtuelle Gespräch ist Marita Brackmann auch mit Sergio Luis‘ Mutter Anna Maria, einer gebürtigen Österreicherin, gekommen. Und so erfahren die Lüdinghauser „Brackmänner“ viel über die Familiengeschichte der brasilianischen Brackmanns und umgekehrt.

„Ich bin noch nie in Brasilien gewesen“, sagt Marita Brackmann. Aber ein Besuch sei nicht ausgeschlossen, denkt die Reiseexpertin in die Zukunft.

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