24. und 25. Mai in Stevern: Mühlenbesichtigung
Spätmittelalterliches Schmuckstück

Nottuln -

400 Jahre Mühlengeschichte können am Wochenende im Stevertal neu entdeckt werden. Nachdem ein Großteil der Restaurierungsarbeiten abgeschlossen ist, öffnet die Wassermühle Schulze Westerath am Samstag und am Sonntag (24. und 25. Mai) ihre Pforten. Während des gesamten Wochenendes werden durch den Förderkreis Wassermühle Schulze Westerath e.V. kontinuierlich Führungen durch das Gebäude angeboten.

Mittwoch, 21.05.2014, 08:42 Uhr

Im Jahr 2006 hatte sich der Förderkreis zusammengefunden, um die Wassermühle denkmalgerecht zu sanieren. Die statischen Probleme des Gebäudes hatten sich sichtbar verstärkt und vor allem die Verformung der südwestlichen Außenwand hatte ein Ausmaß angenommen, das eine unmittelbare Sicherung des Hauses notwendig machte.

Ab 2007 konnten dann Schritt für Schritt nicht nur die baulichen Defizite des denkmalgeschützten Gebäudes beseitigt werden. Auch die Technik der Kornmühle wurde funktionstüchtig wiederhergestellt: Eine Francis-Schachtturbine aus dem Jahr 1928 setzt zwei Mahlgänge in Bewegung, um Korn zu Mehl oder Schrot zu mahlen. Zudem nutzt der Antrieb die Wasserkraft der Stever zur Stromgewinnung. Transmissionen treiben einen Becherelevator, einen Sichter sowie einen Sackaufzug an. Alles kann besichtigt werden, denn sowohl der Getriebekeller als auch der Steinboden der Kornmühle wurden baulich zur öffentlichen Nutzung hergerichtet. Das traditionelle Handwerk des Müllers wird hautnah lebendig.

Als einzigartig darf die Vorgeschichte der Mühle als ländliches Steinwerk angesehen werden. Um 1490 durch Johannes Schulte to Steveren erbaut, diente es in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts ausschließlich als vornehmes Wohnhaus, bevor es vor 1599 zur Mühle umgenutzt wurde. Das Repräsentationsgeschoss mit rekonstruiertem Kamin, großzügiger Belichtung und Ausgussstein hat sich nahezu unversehrt erhalten und kann ebenfalls besichtigt werden. Es vermittelt einen Eindruck vom Wohnen eines reichen Schulzenbauern in spätmittelalterlicher Zeit.

Die Beseitigung der statischen Probleme und der denkmalgerechte Ausbau zu einer Besuchermühle haben in den vergangenen sieben Jahren von allen Beteiligten viel persönliches Engagement gefordert. „Zu 85 Prozent ging es um Instandsetzungsarbeiten und nur zu 15 Prozent um Modernisierungsmaßnahmen“, fasst Dipl.-Ing. Peter Petersen (Büro für Baugeschichte und Denkmalpflege, Berlin ) zusammen, der das Projekt von Anfang an begleitet hat. Bei Familie Schulze Westerath ist die Erleichterung groß, dass nach diesen Jahren dieses Kapitel der Mühlenrestaurierung erfolgreich abgeschlossen werden konnte.

Allerdings: Ganz beendet ist das Projekt noch nicht. Es sind noch weitere Arbeiten notwendig. So zum Beispiel die Installation einer Beleuchtung, die Schaffung von sanitären Einrichtungen für Besucher, die Herrichtung des Außengeländes und einer Einfriedung. Da hat die Eigentümerfamilie noch einiges zu tun.

Die Kosten der Sanierung belaufen sich auf deutlich über eine halbe Million Euro. Ohne die Hilfe von öffentlichen Förderern wäre das Projekt nicht möglich gewesen, betonen die Familie und Peter Petersen und danken den Geldgebern, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, der NRW-Stiftung, der Bezirksregierung Münster, dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe, der Sparkassenstiftung für den Kreis Coesfeld sowie vielen privaten Spendern. Ein großer Dank geht aber auch an die beteiligen Mitarbeiter von Gemeinde Nottuln und Kreis Coesfeld, die das Projekt unkompliziert und unterstützend begleitet haben.

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