Flüchtlingskinder lernen in der Edith-Stein-Schule:
Faire Startchancen in einem fremden Land

Senden -

24 Schülerinnen und Schüler, die aus verschiedenen Ländern stammen, werden in der Auffangklasse der Edith-Stein-Schule auf das Leben in Deutschland vorbereitet.

Dienstag, 08.07.2014, 20:00 Uhr

Die Stadt steht für das ganze Grauen des Krieges in Syrien. Rim stammt aus Aleppo. Die 17-Jährige ist mit ihrer Familie geflüchtet – um zu überleben. Heimat und Wohlstand ließen sie zurück. „Wir hatten ein gutes Leben“, blickt Rim zurück. Die Familie wohnte in einem großen Haus, besaß ein Auto. Der Vater als Programmierer und die Mutter als Friseurin brachten genug Geld nach Hause, dass Rim eine Privatschule besuchen konnte. Die gute Schulbildung ist auch in Senden zu spüren, wo Rim die Auffangklasse der Edith-Stein-Schule besucht.

Dort wird sie von Nicole Keienburg-Schroeder und Daniela Brune-Mörchen unterrichtet. Beide verfügen über die Zusatzqualifikation, „Deutsch als Zweitsprache“ zu vermitteln.

Die Zahl ihrer Schüler hat sich binnen weniger Monate vervielfacht. Zu Beginn waren es vier bis fünf Schützlinge, zum Ende des Schuljahres sind es 24 Schülerinnen und Schüler, die aus verschiedenen Ländern stammen. Für Rainer Leifken, Leiter der Edith-Stein-Schule, lautet der Auftrag: „Die Grundlagen zu legen, damit die Kinder und Jugendlichen hier gut klarkommen.“ Wichtiges Fundament ist die Sprache. Und vor allem die steht auf dem Stundenplan des täglich fünfstündigen Schultages.

Für Nicole Keienburg-Schroeder und Daniela Brune-Mörchen sind die Voraussetzungen längst nicht immer so optimal wie bei Rim, die mit Vorbildung und Eifer in die Schule kommt, weshalb sie zum kommenden Schuljahr in die Oberstufe der Havixbecker Gesamtschule wechseln kann.

Die Schulbank in Senden drücken auch Kinder, die zwar zehn Jahre alt sind, aber bis dato kein Klassenzimmer von innen gesehen haben, weil sie seit dem schulpflichtigen Alter auf der Flucht sind.

Sie landen in Auffangklassen, die an der Edith-Stein-Schule nichts Neues sind. Sie wurden ab 1990 eingerichtet, als viele Menschen vor allem aus Südosteuropa nach Deutschland strömten.

So hoch wie jetzt war die Zahl der Schüler, die an der Edith-Stein-Schule zunächst einmal Deutsch lernen, noch nie, resümiert Leifken.

Er stellt klar: „Wir müssen und wollen diese Aufgabe übernehmen.“ Die Rahmenbedingungen für die oftmals traumatisierten Kinder sollten aber verbessert werden. Es fehlten beispielsweise Dolmetscher, weshalb nun Schüler in diese Rolle gedrängt werden, die schon Deutsch können und dieselbe Herkunftssprache sprechen. Und: Die Auffangklasse reduziere die Zahl der Stunden, die für sonstigen Förderunterricht zur Verfügung stehen, bedauert der Schulleiter.

Während Land und Bund angesichts der Flüchtlingsfolgen in der Pflicht seien, habe die Gemeinde Senden sich bereit erklärt, zusätzliche Deutschkurse durch Anbieter wie die VHS zu finanzieren. Ehrenamtliches Engagement als Integrationshilfe gesellt sich noch hinzu.

Die Pflicht der deutschen Schulen, die Flüchtlingskinder aufzunehmen, endet, wenn sie über 16 Jahre alt sind. Doch: „Wir sehen auch hier unsere Verantwortung“, unterstreicht der Rektor.

Er ist froh, dass es gemeinsam mit der Leiterin des Berufswahlorientierungsbüros der Schule, Cornelia Korfmacher, im Fall der 18-jährigen Egitha gelungen ist, eine berufliche Perspektive zu eröffnet. Sie hatte schon fachliche Vorkenntnisse in ihrem vorigen Aufenthaltsort Italien gesammelt. Friseurmeisterin Ursula Saleh gab Egitha eine Chance: Ihr Praktikum wurde verlängert und mündet in einen regulären Ausbildungsplatz.

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