Bösenseller Bürgerbewegung hat 2010 Unterschriften gesammelt
Kostenflut schwappt ins Freibad

Bösensell -

Den von der Bürgerbewegung „Rettungsring“ gesammelten 2010 Unterschriften für den Erhalt des Bösenseller Bades stehen Sanierungskosten in Höhe von mindestens 610 000 Euro gegenüber.

Sonntag, 13.07.2014, 10:31 Uhr

Ob der „Rettungsring“ der Bürgerbewegung dem Bösenseller Bad genug Auftrieb verleiht, ist fraglich. Denn den 2010 Unterschriften für den Erhalt des Lehrschwimmbeckens, die Stephan Baumeister an Bürgermeister Alfred Holz übergab, strömen hohe Kosten entgegen: Eine Sanierung am Standort würde mit 610 000 bis 745 000 Euro zu Buche schlagen. Für einen Neubau an anderer Stelle müsste die Gemeinde sogar 1,6 bis 2,1 Millionen Euro berappen. Diese Zahlen stellte Jochen Batz vom Architekturbüro Dr. Krieger dem Gemeindeentwicklungsausschuss am Donnerstag vor.

Ferner äußerte der Fachmann baurechtliche Bedenken bezüglich des Standortes: „Da muss der Kreis Coesfeld schon beide Augen zu halten, um die gegenwärtige Situation zu genehmigen“, betonte Batz mit Blick auf die Lärmschutz- und Abstandsbestimmungen.

Das Becken sei nicht mehr betriebsfähig, der Schallschutz im Wohngebiet kritisch. Duschen, Umkleiden und WC entsprächen nicht den heutigen Standards. Und es fehle ein Sanitätsraum, listet der Architekt die Schäden und Defizite auf. Selbst eine Minimallösung mit Verkleinerung des Beckens von 200 auf 150 Quadratmeter Wasserfläche würde rund 610 000 Euro kosten. Ein Naturbadeteich als Alternative sei vor Ort nicht umzusetzen, sagte Batz. Denn inklusive einer natürlichen Filterfläche würden rund 450 Quadratmeter benötigt. Auch für einen Neubau nach aktuellen Standards sei dort viel zu wenig Platz.

Dr. Wilhelm Kraneburg (Grüne) und Georg Jacobs ( CDU ) fragten nach mögliche Einsparungsmöglichkeiten, zum Beispiel durch Eigenleistungen. Hier sah Batz aufgrund baulicher Besonderheiten keine wesentlichen Möglichkeiten. Im Bad seien in den vergangenen Jahren etwa 1600 bis 2000 Gäste pro Saison gezählt worden, antwortete Batz auf Anfrage von Prof. Dr. Martin Lühder (CDU).

„Wir waren ob der Zahlen sehr überrascht. Aber die Standards sind heute ganz andere als vor 50 Jahren“, räumte Alfred Holz ein. Der Bürgermeister versprach „die nächsten Wochen zu nutzen, um Aussagen vom Kreis Coesfeld und den Nachbarn“ des Bades einzuholen. Die Chance auf eine Sanierung hänge letztlich am „Okay der Behörde“, unterstrich Holz. Entsprechende Informationen sollen möglichst in der nächsten Ausschusssitzung am 7. August vorgelegt werden.

Der „Rettungsring“ will trotz der ungünstigen Prognose des Gutachters den Kampf für das Bösenseller Freibad/Lehrschwimmbecken fortsetzen. „Das Bad ist nichts Besonderes, für unsere Kinder aber das Größte“, sagt Stephan Baumeister. Die Unterschriftensammlung werde weitergeführt.

„Von der Höhe der Kosten waren wir überrascht. Damit hat keiner gerechnet – nun müssen wir die Zahlen erst einmal sacken lassen“, so der Sprecher der Bürgerbewegung auf WN-Anfrage.

Eine Chance zur Kostensenkung könnte es sein, so Baumeister weiter, die Infrastruktur der benachbarten Turnhalle mit zu nutzen. Dort seien Umkleiden, ein Sanitätsraum und Duschen vorhanden. „Der Lärmschutz dürfte dann nicht das Problem sein.“

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