Behörde schickt fehlerhafte Bescheide
Knöllchen-Pannen setzten sich fort

Senden -

In der Straßenverkehrsbehörde des Kreises sind Messdaten aus Starenkästen durcheinander gebracht worden. Autofahrer erhielten Doppel-Knöllchen. Sie sollten an zwei Stellen gleichzeitig zu stark aufs Gas gedrückt haben. Die Zahl der Fälle ist höher als zunächst eingeräumt wurde.

Dienstag, 22.07.2014, 18:35 Uhr

Lutz Wagner sitzt seit einigen Jahrzehnten am Steuer, gelassen und routiniert. Der Sendener frisst aber längst nicht mehr so viele Kilometer wie früher. Umso erstaunlicher, dass er gerade jetzt in Konflikt mit den Ordnungshütern gerät. Er war als Autofahrer zu schnell unterwegs. Nicht mit rowdyhaftem Tempo, aber dafür gleich an zwei Stellen gleichzeitig. Was nicht sein kann, weshalb sich der 72-Jährige gegen den offensichtlichen Behördenfehler wehrte. Er legte Widerspruch gegen die widersprüchliche Post von der Straßenverkehrsbehörde des Kreises ein.

Dort waren Daten durcheinander gewirbelt worden. Der Fehler vom 23. Juni war den Kreisbeschäftigten aufgefallen und beseitigt worden, aber wiederum fehlerhaft, denn nicht alle Pannen seien beseitigt worden.

Bisher hatte ein Sprecher des Kreises – wie auf der Kreisseite unserer Zeitung vom 8. Juli berichtet – vier Fälle eingeräumt, in denen die Autohalter doppelte Post vom Amt mit Sitz in Dülmen bekommen hatten, obwohl sie nur einmal zu viel aufs Gaspedal gedrückt hatten. Am Folgetag, dem 24. Juni, geht die Serie jedoch weiter. Abermals 16 Bescheide seien von der Behörde verschickt worden, die offensichtlich nicht stimmen konnten: Zwei Messungen am selben Tag und zur selben Uhrzeit, aber an zwei weit entfernten Standorten. Die neue, vielfach höhere Zahl wurde gestern nach Recherchen unserer Zeitung bekannt.

Immerhin: Die Überprüfung des 24. Juni war vom Leiter der Straßenverkehrsbehörde, Bernd Tübing, selbst angeordnet worden.

Der Amtsleiter habe sich außerdem bei einigen Betroffenen, beispielsweise dem Autofahrer aus Senden, in persönlichen Gesprächen entschuldigt. Die Bitte, „das Versehen zu entschuldigen“, findet sich auch in den Schreiben, mit denen der Kreis die irrtümlich ergangenen Bescheide aufhebt.

Lutz Wagner, der tatsächlich in Rosendahl-Höven unterwegs war (und zeitgleich auf der L 550 in Bösensell gewesen sein soll), hat nicht nur zwei Knöllchen bekommen. Die Fehlerkette setzte sich noch fort: Das zweite Schreiben zum Blitzen aus dem Starenkasten in Rosendahl enthielt plötzlich eine leicht veränderte Angabe der gemessenen Geschwindigkeit, nachdem beim ersten Bescheid innerorts und außerorts verwechselt worden war. Die Konsequenz: Wagner, der wirklich knapp zehn km/h außerhalb der Ortschaft bei Tempo 70 zu schnell gefahren ist, musste beide Knöllchen nicht zahlen – wegen offensichtlicher Fehler.

Wagner hat nicht nur „den Glauben an die Unfehlbarkeit von Behörden verloren“, ihn ärgert auch, dass er Zeit und Nerven investieren musste, um zu seinem Recht zu kommen. „Bürgernähe sieht anders aus“, formuliert der 72-Jährige seinen Frust noch diplomatisch.

Den Glauben in die Unfehlbarkeit von Behörden hatte ich ohnehin schon verloren.

Lutz Wagner, der doppelte Knöllchen erhalten hatte
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