Wochenmarkt: Gute Geschäfte, aber es fehlt junges Publikum
Treue Kundschaft, alte Kundschaft

Lengerich -

Eigentlich haben die Händler auf dem Lengericher Wochenmarkt wenig Grund zu Klage. Die Geschäfte laufen gut. Aber: Es fehlt junge Kundschaft.

Mittwoch, 13.11.2013, 20:17 Uhr
Veröffentlicht: Mittwoch, 13.11.2013, 20:17 Uhr

Klaus Spellmeyer ist froh, dass der Übergang so reibungslos verlaufen ist. Nach vielen Jahren hat sich vor Kurzem die Fleischerei Läkamp vom Wochenmarkt in Lengerich zurückgezogen. „Aus Altersgründen“, sagt der Marktmeister. Einen Nachfolger hatte er schnell zur Hand. Die Landfleischerei Otto Reckermann aus Ostbevern kommt seit vergangener Woche nach Lengerich. Das sei wichtig gewesen, betont Spellmeyer beim Gang über den Markt. Denn nur wenn das Angebot stimme, kämen auch die Leute.

20 Beschicker gibt es aktuell, die praktisch immer dabei sind auf dem Platz an der Alwin-Klein-Straße. Ein paar weitere machen in unregelmäßigen Abständen Abstecher in die Stadt. Damit wird ungefähr das Niveau gehalten, das beim Start an dem Standort vor rund 26 Jahren erreicht worden war. Damals seien es 28 Händler bei der Premiere gewesen, erzählt Waltraut Schwegmann und verweist auf eine alte Liste, die sie dabei hat. „Neun sind heute immer noch da.“

Zusammen mit Rainer Wittmann bildet sie das Sprecherteam der Marktbeschicker. Beide definieren den Ist-Zustand als recht gut. Der Zusammenhalt untereinander sei vorbildlich, der Platz biete in Sachen Atmosphäre zwar sicher nicht das Optimale, sei aber von der Infrastruktur (Größe, Strom, Parkplätze, Erreichbarkeit) ideal, und ein hoher Anteil an Stammkundschaft – sie schätzen zwischen 70 und 80 Prozent – zeige, dass die Kundschaft zufrieden sei.

Eine kleine Umfrage belegt das. Viel Lob gibt es von den Leuten. „Immer super freundlich“ seien die Händler, ist da zu hören. Die Qualität der Produkte stimme. Und das Angebot im Großen und Ganzen ebenfalls, auch wenn sich der ein oder andere ein paar mehr Stände wünschen würde. Auffällig ist, dass es offenbar viele Marktgänger gibt, die jede Woche, wenn nicht sogar mittwochs und samstags kommen.

Sorgenfrei ist Marktmeister Klaus Spellmeyer gleichwohl nicht. Bereits seit Längerem fehlt ein Bio-Stand. Er habe sich bislang vergeblich bemüht, das zu ändern, schaut der Mann aus der Stadtverwaltung auf eine nun rund eineinhalbjährige Durststrecke. Noch mehr Gedanken machen sich er und der zuständige Fachbereichsleiter Ludger Dierkes aber über ein anderes Thema: Es fehle an junger Kundschaft auf dem Markt.

Eine Analyse, die sich am Mittwoch auf den ersten Blick bestätigt. Viel Publikum ist jenseits der 60, recht wenige unter 50. Sicher, meint Klaus Spellmeyer, es gebe heutzutage eine Menge Doppelverdiener. Da bleibe in der Woche keine Zeit für den Einkauf bei Blumen- Fleisch- und Käsehändlern. Aber auch am Samstag sehe es kaum anders aus.

Über die Gründe können die Beteiligten nur rätseln. Auf den großen Samstagsmärkten in Münster oder Osnabrück sei es anders, sagt Dierkes. „Aber das sind auch Vorzeigemärkte, mit Lengerich nicht zu vergleichen.“ Der Stellenwert von Lebensmitteln in Deutschland an sich, Lockangebote der Supermärkte, ausschlafen am Samstag – es kommen noch einige Erklärungsversuche. Waltraut Schwegmann vertraut darauf, dass sich das Einkaufsverhalten mit zunehmenden Alter ändert.

Anders Klaus Spellmeyer und Ludger Dierkes. Mehr Werbung und verstärkte Bemühungen um Händler, die ein Sortiment bieten, das gerade für ein jüngeres Publikum attraktiv ist. So wollen sie für mehr Attraktivität sorgen. Keine ganz einfach Aufgabe, wie die jüngere Vergangenheit zeigt. Den Versuch mit einem fahrbaren Café auf dem Markt in Lengerich habe eine Hasbergerin schnell beendet, berichten Spellmeyer und Dierkes.

Die Landfleischerei Reckermann scheint indes von einem solches Schicksal verschont zu bleiben. Die Kundschaft kommt an diesem Vormittag. Und nicht nur die, berichtet eine Verkäuferin. „Heute Morgen waren auch schon Kollegen von den anderen Ständen da.“

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