Kindeswohl in Gefahr: Jugendamt prüft 22 Hinweise
Wenn das Glück bedroht ist

Lengerich -

2012 hat das Jugendamt des Kreises 22 Mal geprüft, ob das Wohl eines Kindes in Lengerich gefährdet ist. Die Fälle gingen mit in ein Zahlenwerk ein, das jetzt vom Statistischen Bundesamt vorgestellt worden ist. Erstmals wurde eine Bilanz für ganz Deutschland gezogen. In der Mehrzahl der Lengericher Fälle bestätigte sich der Verdacht nicht.

Samstag, 03.08.2013, 08:07 Uhr

2012 hat das Jugendamt des Kreises 22 Mal geprüft, ob das Wohl eines Kindes in Lengerich gefährdet ist. Die Fälle gingen mit in ein Zahlenwerk ein, das jetzt vom Statistischen Bundesamt vorgestellt worden ist. Erstmals wurde eine Bilanz für ganz Deutschland gezogen.

In der Mehrzahl der Lengericher Fälle bestätigte sich der Verdacht nicht. 13 Mal, so Tilman Fuchs , habe es keinen Anlass gegeben, einzugreifen oder Hilfen anzubieten. Der Leiter des Kreisjugendamtes sagt aber auch, dass in einem Fall ein Kind akut gefährdet gewesen sei – also kurzfristig aus der Familie genommen wurde. Ein weiteres sei latent gefährdet gewesen. Die Folge: Es gibt zumindest regelmäßige pädagogische Hilfen von Amtsseite. Und in sieben Fällen sah sich die Behörde veranlasst, den Familien sogenannte begleitende Hilfen anzubieten.

Kenntnis über mögliche Probleme erhält das Jugendamt meist durch Kindergärten und Schulen, aber auch durch Nachbarn und Ärzte. Seit dem Fall des kleinen Kevin, der 2006 in Bremen zu Tode kam und dessen Schicksal Gesetzesänderungen nach sich zog, sei die Sensibilität in der Gesellschaft für das Thema enorm gewachsen, berichtet Fuchs. „Und damit auch die Zahl der Meldungen.“

Auf die ist das Jugendamt angewiesen, um überhaupt tätig zu werden. In einem nächsten Schritt werde die Stichhaltigkeit des geäußerten Verdachts überprüft. Komme das Amt zu dem Ergebnis, dass die Meldung ernst zu nehmen ist, gelte es zu klären, ob sofort eingegriffen werden müsse oder nicht. Zwei Sozialarbeiter der Erziehungshilfe besuchen dann früher oder später die jeweilige Familie.

„In der Regel werden die Kollegen nicht mit offenen Armen empfangen“, schildert der Leiter des Jugendamtes die durchaus sensible Situation. Doch zu wirklichen Schwierigkeiten komme es eher selten. Wichtig sei, dass der Besuch vom Jugendamt nicht als „Schikane“ empfunden werde. Kommunikationsfähigkeit, Krisenmanagement und eine Dienstleistermentalität seien gefragt.

Wie ist die Wohnsituation? Wie die Versorgung des Kindes? Wie sieht es mit der Hygiene aus? Gibt es einen festen Tagesrhythmus? Und wie ist das Erziehungsverhalten der Eltern? Fragen wie diese, gilt es vor Ort zu beantworten. Sind die Experten wie in dem einen Fall in Lengerich sicher, dass das Wohl eines Kind akut gefährdet ist, braucht es entweder die Zustimmung der Eltern oder das Einverständnis eines Familiengerichts, um es aus der Familie zu nehmen. Fuchs: „Es wird dann in einer Pflegefamilie oder einer Wohngruppe untergebracht.“ Befristet oder auf Dauer.

Solch weitreichende Entscheidungen bedürfen eines sicheren Urteilsvermögens, da lässt Fuchs keinen Zweifel aufkommen. Und er schildert deutlich den Zwiespalt, den das bei den Verantwortlichen hervorrufen kann: „Übersehe ich was? Oder bin ich zu vorschnell? Diese Fragen stellt man sich immer wieder.“

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