Karl-Josef Laumann wird Bevollmächtigter der Bundesregierung
Meine Haustür bleibt weiter offen

Tecklenburger Land -

Karl-Josef Laumann war zu Hause im heimischen Birgte, als er am Tag nach Nikolaus von der Bundeskanzlerin einen Anruf erhielt. Sie machte dem CDU-Fraktionsvorsitzenden im NRW-Landtag ein Angebot, das dieser nicht ablehnen konnte: Als Bevollmächtigter der Bundesregierung soll sich der Sozialexperte um die Themen Patienten und Pflege kümmern. Seine Tür wird trotz der neuen Aufgaben geöffnet bleiben, verspricht Laumann im Gespräch.

Donnerstag, 19.12.2013, 18:08 Uhr

Herr Laumann , wussten Sie bereits vor Freitag von diesem Angebot der Bundeskanzlerin ?

Karl-Josef Laumann: Angela Merkel hat schon die Woche vorher am Samstagnachmittag lange mit mir geredet, da war ich zu Hause. Sie hat mir das angetragen. Dann haben wir vereinbart, dass wir uns am Freitag persönlich sehen. Dann haben wir Freitag über eine Stunde darüber geredet, ob das richtig ist. Am Ende habe ich dann gesagt, ich mach es.

Sie haben sich das offensichtlich gut überlegt.

Laumann: Das ist ja auch klar. Ich gebe in Düsseldorf eine Menge auf. Aus dem Amt muss man erst einmal etwas machen. Denn das Amt ist ja nicht stark, sondern neu. Aber wenn die Parteivorsitzende und Bundeskanzlerin sagt, ich will ganz bewusst so einen Typen wie dich da haben ...

Was denken Sie, warum hat Merkel Sie gefragt ?

Laumann: Karl-Josef Laumann ist in seiner Zeit als Bundestagsabgeordneter und als Minister in Nordrhein-Westfalen und als CDA-Vorsitzender immer als Sozialpolitiker wahrgenommen worden. Die Wahrheit ist ja, dass die Große Koalition auch bedeutet, dass der ganze soziale Bereich jetzt SPD-Minister hat. Da liegt es nahe, auch für die CDU ein Gesicht zu holen, das für das Soziale in Deutschland steht. Das ist das eine. Das andere ist: Ich habe bei ihr schon sehr gespürt, dass für sie klar ist, dass der demografische Wandel, das Älterwerden der Gesellschaft nach der Energiewende die größte gesellschaftliche Aufgabe ist, die wir zu stemmen haben.

Was bedeutet für Sie persönlich dieser Wechsel ?

Laumann: Ich habe nun 23 Jahre eine sehr intensive Wahlkreisarbeit gemacht. Die Leute kommen zu mir nach Hause mit ihren Sorgen, seit vielen Jahren, meistens sonntagmorgens, weil sie wissen, dass ich nach dem Hochamt zu Hause bin. 80 Prozent meiner Wahlkreisarbeit bestehen seit 23 Jahren aus Sozialthemen. Die Leute kommen, weil sie mit der Berufsgenossenschaft nicht klarkommen oder weil etwas im Krankenhaus passiert, womit sie nicht einverstanden sind, oder weil Oma keine Pflegestufe bekommt. Ich sage mal: Mir fällt das schon schwer, mein Landtagsmandat abzugeben. Aber ich bleibe in Riesenbeck wohnen, und ich werde mich weiterhin in der Region politisch engagieren, ich werde auf die Leute zugehen. Und meine Haustür wird weiter für die Leute offenstehen, als wenn ich noch Abgeordneter wäre.

Ist das jetzt eine neue Situation, ohne politisches Mandat zu wirken ? Was ändert sich für Sie ?

Laumann: Ich glaube, nicht zu viel. Das mag sich ja politischer Staatssekretär nennen, eben weil das nicht anders geht. Aber ich bin kein Beamter, ich bleibe Politiker. Es ist eine Stelle, wo man als Bevollmächtigter der Bundesregierung für Patientenangelegenheiten und Pflegebedürftige da ist. Ich kann die Interessen in diesem Bereich so vertreten, wie ich sie vertreten will, wie ein Anwalt, auch gegenüber der Regierung und auch gegenüber der Lobby. Das ist ganz klar ein politisches Amt. Da werde ich sehr viel unterwegs sein, um zu wissen, wie die Situation vor Ort ist.

Wann geht es los ?

Laumann: Ich denke, Anfang des Jahres nach den Heiligen Drei Königen. Dann werde ich meine Zelte in Düsseldorf abbrechen. Ich muss dann mal sehen, ob ich die Geschäftsstelle im Gesundheitsministerium in Bonn mache oder hier in Berlin, das weiß ich noch nicht. Wenn der Gesundheitsminister Gröhe im Amt ist, müssen wir reden, wie wir es machen. Das ist auch egal. Der Lebensmittelpunkt von Karl-Josef Laumann bleibt Riesenbeck-Birgte.

Wären Sie gern Gesundheitsminister geworden ?

Laumann: Darüber müssen wir nicht reden, das ist schon in Ordnung. Gesundheitsminister, das ist ein Höllenjob, wenn man es mit der ganzen Lobby zu tun hat: Pharmaindustrie, Ärzte. Ich glaube, dass das, was ich jetzt machen soll, eine schöne Aufgabe ist. Aber es ist auch eine Aufgabe, wie es sie vorher nicht gegeben hat. Ob das alles gut ist, darüber können wir in einem Jahr reden.

Sie gehen davon aus, dass Sie das Amt für vier Jahre besetzen werden?

Laumann: Damit plane ich, das ist klar. Man kann nicht so einen Job annehmen und dann nach zwei Jahren sagen, ich bin wieder weg.

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