Stadtwerke: In Hopsten macht sich Skepsis breit
Die Bäder der anderen ausbaden ?

Westerkappeln/Hopsten/Tecklenburger Land -

„Dass wir auch über die Stadtwerke finanzielle Vorteile für unser Freibad erzielen wollen, ist kein Geheimnis“, erklärte Bürgermeister Ullrich Hockenbrink vergangene Woche, ohne ins Detail zu gehen. Bei einigen der potenziellen Stadtwerke-Partner, nämlich denen, die kein öffentliches Bad betreiben, wird er damit deren Sorgen vor einer Quersubventionierung für defizitäre Bäder anheizen. Solche Befürchtungen sind jetzt auch in Hospten laut geworden.

Mittwoch, 12.02.2014, 04:00 Uhr

Die Gemeinde Westerkappeln muss in den kommenden Jahren kräftig ins Freibad am Bullerteich investieren. Das sagte Bürgermeister Ullrich Hockenbrink anlässlich der Vorstellung des Haushaltsentwurfes für 2014. „Dass wir auch über die Stadtwerke finanzielle Vorteile für unser Freibad erzielen wollen, ist kein Geheimnis“, erklärte der Verwaltungschef, ohne ins Detail zu gehen. Bei einigen der potenziellen Stadtwerke-Partner, nämlich denen, die kein öffentliches Bad betreiben, wird er damit deren Sorgen vor einer Quersubventionierung für defizitäre Bäder anheizen. Solche Befürchtungen sind vergangene Woche auch im Hopstener Gemeinderat laut geworden.

Als kommunaler Energieversorger ist die Gemeinde Hopsten sowieso ein gebranntes Kind. Die Politiker dort haben die teure Pleite mit der Energieversorgungsgesellschaft (EVG) und dem eigenen Blockheizkraftwerk noch in schmerzlicher Erinnerung. Auch, wenn das eine mit dem anderen kaum vergleichbar ist, zeigten sich viele Ratsmitglieder dementsprechend kritisch gegenüber den Stadtwerken Tecklenburger Land, die die Kommunen Westerkappeln, Lotte, Ibbenbüren, Mettingen, Hopsten, Recke und Hörstel gemeinsam mit RWE und den Stadtwerken Osnabrück gründen wollen (WN berichteten).

Jens Berfelde von der beratenden WRG-Group stellte, wie in den anderen sechs Kommunen auch, die Gesellschaftsverträge vor. Größte Sorge der Hopstener ist, dass sie auf lange Sicht die defizitären Bäder der anderen Kommunen mittragen müssen. Allein die Gemeinde Westerkappeln muss für den Betrieb ihres Freibades jährlich weit über 200 000 Euro zuschießen. Und in Ibbenbüren entwickelt sich das Spaßbad am Aasee immer mehr zum Fass ohne Boden.

Wenn Sie sich gegenseitig nicht über den Weg trauen, wird‘s schwierig

Jens Berfelde, Berater bei der WRG-Group

Zwar steht in den aktuellen Entwürfen der Gesellschaftsverträge, dass die Defizite in den Kommunen bleiben, in denen die Bäder sind. In den Verträgen können jedoch später mit einer Dreiviertelmehrheit der Kommunen Passagen geändert werden, wobei die Stimmen entsprechend der Geschäftsanteile verteilt sind.

Ibbenbüren und Hörstel beispielsweise kämen zusammen schon auf 50 Prozent. Und in Mettingen, Recke und Westerkappeln gibt es ebenfalls Bäder. Zusammen wäre eine Dreiviertelmehrheit gegen Hopsten und Lotte folglich locker möglich. Die Verunsicherung bei den Ratsherren konnte auch Berfelde nicht nehmen. „Wenn Sie sich gegenseitig nicht über den Weg trauen, wird‘s schwierig“, erklärte er nur.

Was eigentlich die RWE und die Stadtwerke Osnabrück von ihrem Engagement hätten, fragte Thomas Gerken (CDU). „Die sind ja kein karitativer Verein.“ Die erhoffen sich natürlich auch Gewinne, antwortete Berfelde. Zudem wollen sie weiter an ihren Netzen beteiligt sein, beziehungsweise ihren Bereich vergrößern.

„Mir ist die Funktion des Geschäftsführers noch nicht klar“, merkte Albert Üffing (UWG) an. „Weil er das unentgeltlich machen soll.“ Das gelte nur für die ersten fünf Jahre, antwortete Jens Berfelde und machte eines klar: „Das ist kein Selbstläufer. Sie brauchen später einen professionellen Manager.“ Und selbstverständlich sei das Unternehmen Stadtwerke wie jede unternehmerische Tätigkeit auch nicht völlig risikolos. Wohl aber risikoarm für die Kommunen, da die Partner das Anfangsrisiko tragen.

„Machen wir uns nichts vor“, sagte Dieter Jasper (CDU). „Wenn wir nicht ebenso günstig sind, wie die Konkurrenz, werden wir nichts verkaufen.“ Der Preis werde konkurrenzfähig sein, versprach Berfelde. Das werde die Wirtschaftlichkeitsberechnung, die den Räten Ende Februar vorgelegt werden soll, zeigen.

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