Stadtwerke Tecklenburger Land: jetzt beginnt der Aufbau
Schulterklopfen auf halber Strecke

Tecklenburger Land -

Schulterklopfen auf halber Strecke war Freitagmorgen im Ibbenbürener Rathaus angesagt. Denn nachdem nun alle sieben Stadt- und Gemeinderäte den Gesellschaftsverträgen zugestimmt haben, ist die Gründung der Stadtwerke Tecklenburger Land so gut wie amtlich. Die eigentliche Arbeit beginne erst jetzt, waren sich die Bürgermeister aus den beteiligten Kommunen einig.

Freitag, 11.04.2014, 17:06 Uhr

Schulterklopfen auf halber Strecke war Freitagmorgen im Ibbenbürener Rathaus angesagt. Denn nachdem nun alle beteiligten Stadt- und Gemeinderäte den Gesellschaftsverträgen zugestimmt haben, ist die Gründung der Stadtwerke Tecklenburger Land so gut wie amtlich.

Die eigentliche Arbeit beginne erst jetzt, waren sich die Bürgermeister aus Westerkappeln, Lotte, Mettingen, Ibbenbüren, Recke, Hopsten und Hörstel sowie Vertreter der strategischen Partner ( RWE und Stadtwerke Osnabrück) bei einer Nachbesprechung des Erreichten einig. Größter Kraftakt bislang sei gewesen, sieben Räte vom gemeinsamen Ziel zu überzeugen, wie der Ibbenbürener Verwaltungschef Heinz Steingröver erklärt. „In allen Kommunen gab es klare Voten dafür.“ Wenn es so etwas überhaupt mal gegeben habe, sei das Kirchturmdenken spätestens jetzt überwunden.

Und wie geht es weiter ? Zunächst müssen Ende Mai oder Anfang Juni die beschlossenen Verträge notariell beurkundet werden. Dann müsse das Konzessionsvergabeverfahren eingeleitet werden, erläutert Dirk Riekenberg, Geschäftsführer des Beratungsbüros WRG Solutions GmbH, das den Prozess begleitet. Denn um die Konzessionen für den Netzbetrieb müssen sich die neuen Stadtwerke erst noch bewerben. Die Leitungen sollen ab 2016 zunächst von RWE gepachtet werden, bevor die Kommunen sie dann kaufen wollen.

Mit einem „lauten Silvesterknall“ wollen die Stadtwerke Tecklenburger Land zum Jahreswechsel 2014/15 mit dem Strom- und Gasverkauf an den Start gehen, kündigt Manfred Hülsmann , Vorstandsvorsitzender der Stadtwerke Osnabrück, an. Diese werden – wie vertraglich vereinbart – den Vertrieb aufbauen. „Die Strategie müssen wir noch schreiben“, meint der Manager und windet sich wie die übrigen Beteiligten bei der Frage, was der Verbraucher im Tecklenburger Land in Euro und Cent von den Stadtwerken hat.

Zu Preisen und Tarifen kann Hülsmann naturgemäß noch nicht viel sagen. Es sei ja noch nicht einmal klar, mit welchen Produkten die Stadtwerke an den Markt gehen. In einer gemeinsamen Sitzung aller sieben Haupt- und Finanzausschüsse im März hatte Hülsmann lediglich vage davon gesprochen, dass die Preise womöglich etwas über denen der Stadtwerke Osnabrück liegen werden. Im Vergleich mit anderen Anbietern sind die allerdings lange nicht die günstigsten.

„Wir wollen auch gar nicht der Billigste sein“, erklärt Hülsmann und findet Zustimmung bei Steingröver und Kollegen: „Wir werden einen fairen Preis anbieten.“

Es gehe bei den Vorteilen der Stadtwerke für die Bürger ja auch nicht nur um den Preis, sind sich die Bürgermeister einig. „Wir wollen Wertschöpfung für die Region erzielen“, sagt der Westerkappelner Bürgermeister Ullrich Hockenbrink. Erhoffte Gewinne sollen in die kommunalen Haushalte fließen und damit ebenfalls den Bürgern zugute kommen.

Und um Arbeitsplätze geht es ebenfalls. Schon demnächst würden fürs Marketing und den Vertrieb Mitarbeiter eingestellt. Hülsmann geht davon aus, dass die Stadtwerke in fünf bis sieben Jahren bis zu 80 Beschäftigte zählen.

Und die Stadtwerke könnten die Tür zu neuen Handlungsfeldern aufstoßen, meint Steingröver. Beim Breitbandausbau beispielsweise habe Ibbenbüren mit RWE zusammengearbeitet. „Mit eigenen Stadtwerken hätten wir das auch selbst gekonnt.“

Hockenbrink hat in den vergangenen Monaten wiederholt betont, dass Stadtwerke auch steuerliche Vorteile für die Modernisierung des Freibades böten. Und selbst Synergieeffekte für die Bauhöfe wollen die Politiker nicht ausschließen. „Es ist aber sicher verfrüht, jetzt schon darüber zu sprechen“, sagt Hockenbrink. „Es gibt aber keine Denkverbote“, ergänzt sein Hopstener Kollege Winfried Pohlmann. 

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