Läusebekämpfungsmittel Fipronil
Millionen belastete Eier zurückgerufen - Pestizid im Kreis Borken gefunden

Düsseldorf/Borken -

(Aktualisiert 2.8., 7 Uhr) Aus den Niederlanden und Belgien werden Tag für Tag Unmengen von Eiern exportiert, auch nach Deutschland. Nach dem Fund des Läusebekämpfungsmittels Fipronil in einer Packstelle im Kreis Borken schlagen Experten nun Alarm, weil Hunderttausende Eier mit dem Pestizid belastet sein könnten.

Mittwoch, 02.08.2017, 07:31 Uhr

Braune Hühnereier.
Hunderttausende mit dem Insektizid Fipronil belastete Eier wurden zurückgerufen Foto: Malte Christians

Aus Belgien und den Niederlanden könnten deutlich mehr mit dem Insektizid Fipronil belastete Eier nach Deutschland gelangt sein als zunächst angenommen. Die niederländischen Behörden riefen nach Angaben vom Dienstag mehrere Millionen verseuchte Eier aus Supermärkten zurück.

Der Verzehr der Eier könne gesundheitsschädlich sein, warnte die niederländische Lebensmittelaufsichtsbehörde NVWA am Dienstag. Die Eier enthalten eine zu hohe Dosis des Läusebekämpfungsmittels Fipronil und sind möglicherweise auch nach Deutschland exportiert worden.

Belastete Eier im Kreis Borken gefunden

In NRW waren bereits am Sonntag fast 900.000 Eier zurückgerufen worden. Zuvor waren in einer Packstelle im Kreis Borken in Nordrhein-Westfalen mit Fipronil belastete Eier gefunden worden. Allerdings betonte das Düsseldorfer Landwirtschaftsministerium, es bestehe kein Gesundheitsrisiko. 

Was sind Packstellen?

Eierpackstellen sind Betriebe, die Eier nach Güte- und Gewichtsklassen sortieren, kennzeichnen sowie abpacken und umpacken. Eier der Güteklasse A werden an den Handel oder den Endverbraucher weitergegeben, Eier der Güteklasse B (zum Beispiel sogenannte Knick- und Schmutzeier) werden an die Nahrungsmittelindustrie abgegeben.

Die Kennnummer der Packstelle wird auf der Verpackung angegeben. Es ist zulässig, dass in einem niederländischen Betrieb gelegte Eier in einer deutschen Packstelle sortiert und gekennzeichnet werden. Auf der Verpackung steht dann eine „DE“-Angabe, auf den Eiern ein „NL“-Stempel.

...

Etwa 1,3 Millionen dieser Eier seien über eine Packstelle in Nordrhein-Westfalen auch nach Niedersachsen gelangt, teilte das Agrarministerium in Hannover am Montagabend mit. Sie sind demnach schon im Handel gewesen und vermutlich verkauft worden.

Nordrhein-Westfalen lässt derzeit prüfen, ob auch andere Packstellen in dem Bundesland Eier mit Fipronil erhalten haben könnten. „Wir haben ein entsprechendes Monitoring-Programm aufgesetzt“, sagte ein Sprecher des NRW-Landwirtschaftsministeriums der Deutschen Presse-Agentur.

Schädlingsbekämpfer setzte Mittel ein

Nach dem Rückruf der belasteten Chargen aus Belgien und den Niederlanden rechnete der Ministeriums-Sprecher nicht damit, dass weitere Eier dieser Ladungen in den Regalen zu finden sind: „Es dürften eigentlich keine Eier mit dieser Stempelnummer mehr im Verkauf geben.“

Betroffene Eier

Die bisher bekannten Chargen der mit Fipronil belasteten Eier tragen in Nordrhein-Westfalen die Stempelaufdrucke 1-NL 4128604 oder 1-NL 4286001. Die Legedaten liegen zwischen dem 9. bis 21. Juli. In Niedersachsen sind die Chargen 1-NL 4128604 oder 1-NL 4286001 sowie die Mindesthaltbarkeitsdaten (MHD) 14.08.2017 und 16.08.2017 betroffen. In den Niederlanden sind Eier mit dem Stempelaufdruck X-NL-40155XX in den Verkauf gelangt.

Am Dienstagabend teilte das nordrhein-westfälische Umweltministerium mit, dass bei einer weiteren Eier-Packstation im Kreis Borken Eier von zwei niederländischen Betrieben ermittelt, die mit dem Insektizid belastet und in den Handel gelangt sind. Die Stempelaufdrucke der neu hinzugekommenen Betriebe lauten: 0-NL 4392501 und 0-NL 4385501.

Auch das niedersächsische Agrarministerium warnte am Abend auf dem Verbraucherschutz-Internetportal „Lebensmittelwarnung“ vor zwei weiteren Chargen: 0-NL-4310001 und 1-NL-4167902.

Zu den Stempelaufdrucken: Die erste Ziffer enthält den Code für das Haltungssystem (0 = Ökologische Erzeugung, 1 = Freilandhaltung, 2 = Bodenhaltung, 3 = Käfighaltung). Es folgen das Länderkennzeichen (NL für Niederlande) und eine Betriebsnummer.

...

„Fipronil hatten wir noch nie, das ist für unsere Fachleute etwas Neues“, sagte der Sprecher. Das Mittel werde vielfach als Pflanzenschutzmittel genutzt, in der Tiermedizin werde es als Mittel gegen Flöhe und Zecken bei Hunden und Katzen eingesetzt. Die Anwendung bei Tieren, die als Lebensmittel genutzt werden, sei dagegen nicht erlaubt. In Belgien und den Niederlanden müsse nun geprüft werden, warum es dennoch verwendet worden sei.

In der vergangenen Woche war das Insektizid in den Eiern von zunächst sieben Geflügelbetrieben gefunden worden. Ein Unternehmen hatte es benutzt, um Läuse auf den Höfen zu bekämpfen. Die Staatsanwaltschaft hat inzwischen Ermittlungen eingeleitet. Daraufhin waren alle 180 Kunden des Schädlingsbekämpfungsunternehmens kontrolliert worden. Bislang wurde in den Eiern von 30 Geflügelbetreiben das Insektizid entdeckt.

Was ist Fipronil?

Fipronil kommt als Pflanzenschutzmittel oder in der Veterinärmedizin zum Schutz von Hunden vor Flöhen und Zecken zum Einsatz. Der in den 1980er Jahren in Frankreich entwickelte Wirkstoff ist allerdings auch für Honigbienen in hohem Maße giftig. 2013 hat die Europäische Union daher beschlossen, den Einsatz des Mittels in der Landwirtschaft zu begrenzen. Um Bienenvölker besser zu schützen, darf es zum Beispiel nicht mehr zur Saatgutbehandlung von Mais verwendet werden. Beim Menschen kann Fipronil Haut und Augen reizen sowie Übelkeit, Erbrechen und Kopfschmerzen verursachen.

...

Bundesinstitut für Risikobewertung 

Nach NRW wurden laut Ministerium etwa 2,9 Millionen Eier aus den betroffenen Beständen geliefert, davon sollen etwa 875.000 in den Handel gelangt sein.

Fipronil kann in hoher Dosis Schäden an Leber, Schilddrüse oder Niere verursachen, sagte eine Sprecherin der NVWA. Der Stoff sei auch in anderen Eiern gefunden worden, allerdings in einer niedrigeren Konzentration.

Aufgrund von Analyseergebnissen in Belgien hatte das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) vor einem potenziell akuten Gesundheitsrisiko für Kinder beim Verzehr der Eier gewarnt. Für andere Menschen wurde dies ausgeschlossen.

Anzeige
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5048693?categorypath=%2F2%2F798623%2F798631%2F947951%2F
Nachrichten-Ticker