Stahl
Bundesländer mit Stahlproduktion wollen Kräfte bündeln

Beim ersten Nationalen Stahlgipfel wollen sich Vertreter von Politik, Unternehmen und Beschäftigten für die Zukunft der Branche stark machen. Es geht um den Erhalt von Standorten und Zehntausenden von Arbeitsplätzen.

Montag, 22.10.2018, 06:42 Uhr
Veröffentlicht: Montag, 22.10.2018, 06:33 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Montag, 22.10.2018, 06:42 Uhr
Stahl: Bundesländer mit Stahlproduktion wollen Kräfte bündeln
Foto: Julian Stratenschulte

Saarbrücken (dpa) - Beim ersten Nationalen Stahlgipfel wollen die Bundesländer mit Stahlproduktion ihre Kräfte bündeln. Zu dem Treffen in Saarbrücken werden an diesem Montag Vertreter der Branche sowie der Landesregierungen aus Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und dem Saarland erwartet. Gerechnet wird auch mit IG-Metall-Chef Jörg Hofmann, Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) und dem Präsidenten des deutschen Stahlverbands, Hans Jürgen Kerkhoff. Ziel des Treffens sei es, für die Stahlindustrie zu kämpfen, hieß es.

IG-Metall-Chef Hofmann erwartet von dem Bündnis industriepolitische Impulse für die Branche. «Die Stahlallianz soll deutlich machen, dass es gemeinsame Anstrengungen von Unternehmen und Politik braucht, damit die Branche im Wettbewerb dauerhaft bestehen kann», sagte er. Der Gewerkschafter sieht die Stahlindustrie vor Herausforderungen: durch ein Überangebot auf den Weltmärkten, durch Klimaschutz und Emissionshandel sowie durch die Digitalisierung.

Auch Professor Roland Döhrn vom Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) sieht zunehmende Risiken für die Branche in Deutschland. «Vielleicht hat das massive Problem schon angefangen und wir haben es noch nicht mitbekommen?», sagte er. Angesichts des Wandels der Automobilindustrie zu E-Mobilität müsse auch die Stahlbranche im laufenden Jahr mit einem Produktionsrückgang rechnen, meinte er. 2017 hatten die deutschen Hersteller noch rund 42,7 Millionen Tonnen Stahl produziert.

Ob der Strukturwandel in der Automobilindustrie auch Standorte und Jobs hierzulande bedrohen werde, sei schwer zu sagen, so Döhrn. «Wenn ich Autos für den chinesischen oder indischen Massenmarkt verkaufen will, kann ich das nicht zu deutschen Kosten», so der Experte.

Stahlverbandspräsident Kerkhoff wies vor dem Treffen auf die unter US-Präsident Donald Trump eingeführten Zölle auf Stahl aus Europa sowie auf klima- und energiepolitische Herausforderungen hin. Dabei müsse es Ziel sein, die Wettbewerbsfähigkeit der Branche in Deutschland zu sichern, forderte Kerkhoff. Dabei betonte er auch deren gesamtwirtschaftliche Bedeutung. «Die Stahlindustrie in Deutschland ist Basis erfolgreicher industrieller Cluster in den Regionen und darüber hinaus», sagte Kerkhoff.

Der Staatssekretär im nordrhein-westfälischen Wirtschaftsministerium, Christoph Dammermann, unterstrich ebenfalls den Stellenwert der Branche für die Sicherung von Zehntausenden von Arbeitsplätzen. «Wir brauchen die Stahlindustrie mehr denn je», sagte er.

Weltweit rechnet die Branche für das laufende Jahr noch mit einem kräftigen Anstieg der Stahlnachfrage um 3,9 Prozent auf knapp 1,7 Milliarden Tonnen. Vor dem Hintergrund der steigenden Risiken etwa durch Handelskonflikte geht die Branche jedoch für 2019 nur von einem leichten Plus von 1,4 Prozent aus. Gleichzeitig leiden die Hersteller unter massiven Überkapazitäten, die sich nach Schätzungen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) auf mehr als 500 Millionen Tonnen belaufen. Vor allem chinesischen Hersteller werfen viel billiges Stahl auf den Weltmarkt.

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