Fußball
Fans feiern Dynamo trotz Pleite gegen Köln

Trotz der höchsten Niederlage der Vereinsgeschichte feiern die mitgereisten Fans ihr niedergeschlagenes Team. Spieler und Trainer sehen in diesem Zusammenhalt eine Chance.

Sonntag, 11.11.2018, 10:42 Uhr
Veröffentlicht: Sonntag, 11.11.2018, 10:30 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Sonntag, 11.11.2018, 10:42 Uhr
Köln: Keine Krawalle nach 8:1 Sieg gegen Dresden.
Köln: Keine Krawalle nach 8:1 Sieg gegen Dresden. Foto: Roland Weihrauch

Köln (dpa) - Sie konnten einem leidtun. Nach dem Schlusspfiff heulten nicht wenige Spieler von Dynamo Dresden Rotz und Wasser. So eben hatten sie gegen den 1. FC Köln beim unglaublichen 1:8 (0:2) die 100. Niederlage im 251 Spiel in der 2. Fußball-Bundesliga kassiert und das war gleichzeitig die höchste der Geschichte des achtmaligen DDR-Meisters. Es war historisches, was sich da in Köln abspielte und auch gestandene Profis wie Sören Gonther und Kapitän Marco Hartmann fassungslos zurückließ.

Auch den rund 5000 mitgereisten Fans war sicherlich nicht nach Feiern zumute. Doch der Dynamo-Anhang bewies in dieser Situation genau das richtige Gespür. Während die Kölner Fans das Stadion bereits verlassen hatten, feierten die Dresdner das Team auch 20 Minuten nach Schlusspfiff noch lautstark. «Das Einzige, was ich noch mitnehmen will, ist das, was wir nach dem Spiel erlebt haben. Das war sehr beschämend, dahin zu gehen», sagte Hartmann mit zitternder Stimme und Tränen in den Augen. «Ich bin stolz auf die Reaktion, auch wenn Stolz in der Situation gerade sehr schwierig ist. Danke schön, ich hoffe, dass uns das den Weg zeigt, wie wir mit der Niederlage umgehen müssen.»

Sie hat sich für immer im Gedächtnis des Traditions-Clubs eingebrannt. Umso wichtiger ist es, so schnell wie möglich wieder aufzustehen, den Blick nach vorn zu richten. Doch ausgerechnet jetzt werden die Sachsen ausgebremst, denn es steht die nächste Länderspielpause an. Zwei Wochen hat das Trainerteam um Maik Walpurgis Zeit, um seine Schützlinge bis zum Heimspiel gegen den FC Ingolstadt wieder aufzubauen. Abwehrspieler Gonther gibt die Marschrichtung für die kommenden 14 Tage bereits vor: «Da müssen wir jetzt Eier haben, unseren Mann stehen und Gas geben. Gegen Ingolstadt bin ich hundertprozentig überzeugt, dass wir unser anderes Gesicht zeigen.»

Dabei wird wohl auch Teampsychologe Sascha Lense eine besondere Rolle zukommen. Walpurgis sieht ohnehin jeden aufgefordert «da konstruktiv und positiv zu denken, seine Kraft und seine Bereitschaft für diesen Verein und diese Mannschaft einzubringen.» Die Nationalspieler Aias Aosman, Linus Wahlqvist, Markus Schubert, Sascha Horvath sowie Haris Duljevic werden dem 45-Jährigen wohl fehlen und sind auch ein Grund, weswegen bisher auch noch kein Testspiel festgesetzt wurde. Man sei in Gesprächen, sagte Walpurgis.

Vor allem in der «sensationellen» Reaktion der Dynamo-Fans sieht er eine Chance. «Das kann - wenn wir die richtigen Schlüsse daraus ziehen - für uns einen großen Schritt nach vorn bedeuten, auch wenn sich das gerade verrückt anhört. Denn die Mannschaft ist heute ganz nah an die Fans herangerückt, vielleicht auch die Fans an die Mannschaft», sagte der 45-Jährige. «Das zeigt ganz viel Fanqualität, die wir ja eh in Dresden haben.»

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