Ermittlungen auch gegen Polizei
Campingplatz: Zahl der Missbrauchsopfer steigt von 23 auf 29

Lügde/Bielefeld -

Im Fall des tausendfachen Missbrauchs auf einem Campingplatz in Lügde im Kreis Lippe melden sich immer mehr Betroffene bei der Polizei. Die Zahl der Opfer ist mittlerweile auf 29 gestiegen.

Freitag, 01.02.2019, 14:55 Uhr aktualisiert: 01.02.2019, 16:39 Uhr
Ein Absperrband der Polizei ist vor einem Gebäude auf dem Campingplatz Eichwald zu sehen.
Ein Absperrband der Polizei ist vor einem Gebäude auf dem Campingplatz Eichwald zu sehen. Foto: Guido Kirchner

Die Zahl der bislang bekannten Opfer von schwerem sexuellem Missbrauch auf einem Campingplatz in Lügde ist von 23 auf 29 gestiegen. Das teilte die Bielefelder Polizei am Freitag mit. Nach der Pressekonferenz zu dem Fall am Mittwoch gab es nach Angaben der Ermittler Informationen auf mögliche neue Opfer. Die Auswertung führte dann zu weiteren Betroffenen. Weitere Details wie Altersangaben wollte die Polizei nicht nennen.

Die Ermittlungen hat am Donnerstag das Polizeipräsidium Bielefeld als übergeordnete Behörde übernommen. "Insbesondere die große Menge sichergestellter digitaler Daten macht es erforderlich, weitere Fachleute anderer Polizeibehörden aus NRW in die Bearbeitung einzubinden", teilte die Bielefelder Polizei mit. Die im Raum stehenden Vorwürfe auch gegen Behörden werden im Rahmen der neuen Ermittlungskommission, unter anderem aus Neutralitätsgründen, gesondert bearbeitet, hieß es weiter.

Missbrauch auf Campingplatz

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  • Drei Männer sollen auf einem Campingplatz in Lügde im nordrhein-westfälischen Kreis Lippe 23 Kinder sexuell missbraucht und kinderpornografisches Material hergestellt haben.  

    Foto: Christian Müller
  • Der Campingplatz »Eichwald« in Lügde-Elbrinxen war bis Dienstag vor allem Dauercampern aus den Niederlanden und dem Ruhrgebiet bekannt.

    Foto: Christian Müller
  • Einer der Dauercamper, den hier alle kannten und beim Spitznamen riefen, soll zusammen mit zwei weiteren Männern Kinder missbraucht haben – insgesamt etwa 20, sagt die Staatsanwaltschaft Detmold.

    Foto: Christian Müller
  • Frank Schäfsmeier führt den Campingplatz »Eichwald« in Lügde. »Wir können nicht fassen, was hier passiert sein soll.« 

    Foto: Christian Müller
  • Polizisten haben rot-weißes Absperrband um die Parzelle gezogen, auf der der Hauptbeschuldigte seit Jahrzehnten gelebt hat. 

    Foto: Christian Müller
  • Dass der Junggeselle vor etwa zwei Jahren mit einem kleinen Mädchen auf dem Campingplatz »Eichwald« auftauchte, hat angeblich niemanden stutzig gemacht.

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  • Zwei alte Wohnwagen, rundherum ein paar marode, hölzerne Anbauten...

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  • ... die Unterkunft wirkt heruntergekommenen.

    Foto: Christian Müller
  • Ein arbeitsloser Junggeselle, der in einem Wohnwagen lebt und trotzdem nach eigenen Angaben vom Jugendamt ein Pflegekind anvertraut bekommt – der Fall wirft Fragen auf, zumal der Mann jetzt unter Missbrauchsverdacht in Untersuchungshaft sitzt. 

    Foto: Christian Müller
  • Ganz geheuer war die Sache dem Jugendamt aber wohl doch nicht. Nach  WESTFALEN-BLATT  -Informationen soll die Behörde den Mann aufgefordert haben, sich eine richtige Wohnung zu suchen.

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  • Die fand er 2018 nicht weit vom Campingplatz entfernt über der früheren Sparkassenfiliale von Elbrinxen. 

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  • Ein älterer Mann aus der Nachbarschaft: »Ich habe mitbekommen, dass er die Wohnung tapeziert hat. Aber eingezogen ist er bis heute nicht.« 

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  • Die Pflegetochter soll aus dem benachbarten Niedersachsen stammen und ins zweite Schuljahr gehen. 

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  • Sie soll ebenfalls zu den Opfern gehören und von ihrem Pflegevater missbraucht worden sein.

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  • Die drei Verdächtigen - 56, 48 und 33 Jahre alte Männer - befinden sich in Untersuchungshaft.

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Drei Tatverdächtige in Haft

Auf dem Campingplatz in Lügde im Kreis Lippe waren über mehr als zehn Jahre 23 Kinder für Pornodrehs missbraucht worden. Drei Tatverdächtige sitzen in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen schweren sexuellen Missbrauch von Kindern vor. Aufgeflogen war der Fall erst durch einen Hinweis im November 2018.

Zwei der Verdächtigen aus Nordrhein-Westfalen im Alter von 56 und 33 Jahren sollen auf dem Campingplatz nahe der Landesgrenze zu Niedersachsen die Kinder im Wechsel gefilmt und missbraucht haben. Dabei wurde das ebenfalls missbrauchte Pflegekind des Hauptbeschuldigten als Lockvogel für andere Kinder eingesetzt. Ein dritter Mann aus Stade in Niedersachsen soll als Auftraggeber aufgetreten sein. Der 46-Jährige war nach dem bisherigen Ermittlungsstand wohl selbst nie vor Ort in Lügde.

2016 bereits Hinweise an Polizei

Mittlerweile ermittelt die Staatsanwaltschaft auch gegen die Polizei des Kreises Lippe. Nach Angaben des Oberstaatsanwaltes Ralf Vetter hatte es bereits 2016 Hinweise von zwei Zeugen zum möglichen sexuellen Missbrauch eines Pflegekindes durch den Hauptbeschuldigten gegeben. Die Polizei habe den Hinweis an das Jugendamt Lippe weitergeleitet. Polizeiliche Ermittlungen habe es aber nicht gegeben.

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