Missbrauchsfall Lügde
Landkreis Hameln räumt Fehler ein

Hameln - Nach dem massenhaften sexuellen Kindesmissbrauch auf einem Campingplatz im nordrhein-westfälischen Lügde (Kreis Lippe) hat der Landkreis Hameln-Pyrmont Fehler eingeräumt. «Es ist falsch, nachträglich einen Vermerk in die Akte einzufügen», sagte Landrat Tjark Bartels (SPD) am Dienstag in Hameln. Der betreffende Jugendamts-Mitarbeiter sei freigestellt worden. Er habe nach Bekanntwerden der Missbrauchsvorwürfe im Dezember die Akte «besser lesbar machen wollen» und daher seine Darstellung auf den 20. Juni rückdatiert.

Dienstag, 19.02.2019, 17:36 Uhr aktualisiert: 19.02.2019, 19:57 Uhr
Landrat Tjark Bartels äußert sich zu Missbrauchsfall Lügde.
Landrat Tjark Bartels äußert sich zu Missbrauchsfall Lügde. Foto: Julian Stratenschulte

Das Jugendamt hatte den 56 Jahre alten Hauptverdächtigen in dem Missbrauchsfall Anfang 2017 auf Wunsch der im Kreis Hameln lebenden Mutter als Pflegevater für ein kleines Mädchen eingesetzt. Weil es pädagogische Defizite gab, sei der Mann wöchentlich von einem Träger der Familienhilfe besucht worden. Allerdings habe es im Frühjahr 2018 eine achtwöchige Lücke gegeben. «Ich glaube, dass wir es besser hätten begleiten sollen. Ich glaube aber nicht, dass wir diesen sexuellen Missbrauch erkannt hätten», sagte Bartels.

Hinweise an die Polizei aus dem Jahr 2016, dass der 56-Jährige sich übergriffig dem Mädchen gegenüber geäußert habe, sind dem Landrat zufolge nach jetzigem Erkenntnisstand nicht an das Jugendamt Hameln weitergeleitet worden.

 

 

Missbrauch auf Campingplatz

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  • Drei Männer sollen auf einem Campingplatz in Lügde im nordrhein-westfälischen Kreis Lippe 23 Kinder sexuell missbraucht und kinderpornografisches Material hergestellt haben.  

    Foto: Christian Müller
  • Der Campingplatz »Eichwald« in Lügde-Elbrinxen war bis Dienstag vor allem Dauercampern aus den Niederlanden und dem Ruhrgebiet bekannt.

    Foto: Christian Müller
  • Einer der Dauercamper, den hier alle kannten und beim Spitznamen riefen, soll zusammen mit zwei weiteren Männern Kinder missbraucht haben – insgesamt etwa 20, sagt die Staatsanwaltschaft Detmold.

    Foto: Christian Müller
  • Frank Schäfsmeier führt den Campingplatz »Eichwald« in Lügde. »Wir können nicht fassen, was hier passiert sein soll.« 

    Foto: Christian Müller
  • Polizisten haben rot-weißes Absperrband um die Parzelle gezogen, auf der der Hauptbeschuldigte seit Jahrzehnten gelebt hat. 

    Foto: Christian Müller
  • Dass der Junggeselle vor etwa zwei Jahren mit einem kleinen Mädchen auf dem Campingplatz »Eichwald« auftauchte, hat angeblich niemanden stutzig gemacht.

    Foto: Christian Müller
  • Zwei alte Wohnwagen, rundherum ein paar marode, hölzerne Anbauten...

    Foto: Christian Müller
  • ... die Unterkunft wirkt heruntergekommenen.

    Foto: Christian Müller
  • Ein arbeitsloser Junggeselle, der in einem Wohnwagen lebt und trotzdem nach eigenen Angaben vom Jugendamt ein Pflegekind anvertraut bekommt – der Fall wirft Fragen auf, zumal der Mann jetzt unter Missbrauchsverdacht in Untersuchungshaft sitzt. 

    Foto: Christian Müller
  • Ganz geheuer war die Sache dem Jugendamt aber wohl doch nicht. Nach  WESTFALEN-BLATT  -Informationen soll die Behörde den Mann aufgefordert haben, sich eine richtige Wohnung zu suchen.

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  • Die fand er 2018 nicht weit vom Campingplatz entfernt über der früheren Sparkassenfiliale von Elbrinxen. 

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  • Ein älterer Mann aus der Nachbarschaft: »Ich habe mitbekommen, dass er die Wohnung tapeziert hat. Aber eingezogen ist er bis heute nicht.« 

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  • Die Pflegetochter soll aus dem benachbarten Niedersachsen stammen und ins zweite Schuljahr gehen. 

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  • Sie soll ebenfalls zu den Opfern gehören und von ihrem Pflegevater missbraucht worden sein.

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  • Die drei Verdächtigen - 56, 48 und 33 Jahre alte Männer - befinden sich in Untersuchungshaft.

    Foto: Christian Müller

 

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