Festnahme
Mutmaßliche Automatensprenger in den Niederlanden gefasst

Utrecht/Spenge -

Zwar haben Geldautomatensprenger im vergangenen Jahre eine Rekordzahl von Automaten angegangen. Um wie nun in den Niederlanden Täter dingfest zu machen, nutzt die Polizei raffinierte technische Mittel. Wozu haben die Fahnder eine Datenbank mit Glassplittern aufgebaut?

Dienstag, 05.03.2019, 13:21 Uhr aktualisiert: 05.03.2019, 14:42 Uhr
Blaulicht auf Polzei-Fahrzeug.
Splitter und ein Schild mit der Aufschrift «Geldautomat» liegen vor einem gesprengten Geldautomaten Foto: Patrick Pleul

Während die Zahl der Geldautomatensprengungen weiter steigt, hat die Polizei zwei hinter Taten in den stark betroffenen Ländern Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen vermutete Täter in den Niederlanden gefasst. Die 25 und 28 Jahre alten Männer wurden bei Utrecht und in 's-Hertogenbosch festgenommen und sollen in Deutschland vor Gericht gestellt werden, teilte das Landeskriminalamt am Dienstag in Hannover mit. Die Fahnder halten sie verantwortlich für Sprengungen von Geldautomaten in Weener, Wolfenbüttel und dem westfälischen Spenge. Bei dieser Tat explodierte eine Gasflasche und das angrenzende Wohnhaus wurde in weiten Teilen zerstört.

Bande mit schnellen Autos

Die Verdächtigen werden einer Gruppe von rund 350 Tätern aus den Niederlanden zugerechnet, die seit Jahren serienweise Automaten in Deutschland in die Luft jagen. Die Gruppe firmiert wegen ihrer Vorliebe für entsprechende PS-starke Wagen auch als Audi-Bande. Sie türmen mit hochmotorisierten Autos und extrem rücksichtslosem Fahrverhalten. Nach der Sprengung in Spenge wurde das Fluchtfahrzeug, ein hochmotorisierter Audi, in Melle bei Osnabrück gefunden.

NRW besonders betroffen

Bundesweit ist die Zahl der Angriffe von Automatensprengern auf Geldautomaten im vergangenen Jahr auf 365 gestiegen nach 268 Taten im Jahr 2017, teilte das Bundeskriminalamt mit. In 138 Fällen kamen die Täter an Geld, in 220 Fällen blieb es beim Versuch, sieben Fälle sind unklar. Besonders betroffen sind Nordrhein-Westfalen (108 Fälle), Niedersachsen (54 Fälle), Hessen (31 Fälle) und Rheinland-Pfalz (27 Fälle). Seit Jahresbeginn wurden in Niedersachsen bereits wieder sieben Geldautomaten angegangen.

Grenzüberschreitenden Zusammenarbeit

Niedersachsens LKA-Präsident Friedo de Vries lobte nach den Festnahmen, wobei in 's-Hertogenbosch auch deutsche Beamte dabei war, die deutsch-niederländische Zusammenarbeit im Kampf gegen die Automatensprenger. «Der Fall zeigt erneut, wie wichtig und wirksam das Instrument der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit, der direkte und unmittelbare Informationsaustausch bei der Strafverfolgung von reisenden Tätern ist.»

Glas - wie ein Fingerabdruck

Mit raffinierter Recherche versuchen Fahnder beider Länder gemeinsam, die Automatensprenger zu überführen. Wie die niederländische Polizei mitteilte, wurde dazu auch eine Glassplitter-Datenbank aufgebaut. Glas sei wie ein Fingerabdruck, die Zusammensetzung sei einzigartig. Wenn bei einem Festgenommenen Glassplitter entdeckt würden, könnten diese möglicherweise mit einem Tatort in Verbindung gebracht werden.

Automaten besser gesichert

Dass eine steigende Zahl von Sprengversuchen erfolglos bleibt, liegt nach Vermutung der Polizei an den immer besser gesicherten Geldautomaten. Dies führt zu dem neuen gefährlichen Trend, dass nicht mehr Gas in die Automaten eingeleitet und gezündet wird, sondern bei besser gesicherten Geldautomaten zu Sprengstoff gegriffen wird, um an das Geld zu kommen.

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