Gesellschaft
Kritik an Aufruf zur Abschaffung von gendergerechter Sprache

Düsseldorf (dpa) - Ein von zahlreichen Prominenten unterzeichneter Aufruf zur Abschaffung der Geschlechtergerechtigkeit in der deutschen Sprache stößt bei Experten auf scharfe Kritik. «Ich finde, dass sie in ihrer Kritik über das Ziel hinausschießen», sagte die Freiburger Linguistik-Professorin Helga Kotthoff am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. «Der Aufruf fördert nur hyperradikales Pro und Contra. Es fehlt jegliche Differenzierung.»

Freitag, 08.03.2019, 15:41 Uhr aktualisiert: 08.03.2019, 15:52 Uhr

Punktuelle Kritik an bestimmten Versuchen, die Sprache geschlechtergerecht zu machen, sei richtig, sagte Kotthoff. Denn Texte müssten immer noch lesbar sein. Mit dem Aufruf aber werde «das Kind mit dem Bade ausgeschüttet». Der Linguistik-Professor Anatol Stefanowitsch von der Freien Universität Berlin sagte, der Aufruf gehe «mit Vollgas zurück in die Vergangenheit». Unterzeichnet hätten ihn «vorwiegend ältere Herrschaften, die ihre Sprachgewohnheiten verletzt sehen».

Der Verein Deutsche Sprache (Dortmund) hatte zusammen mit prominenten männlichen und weiblichen Mitstreitern eine Unterschriftenaktion «Schluss mit dem Gender-Unfug» gestartet. In dem vom Sprachkritiker Wolf Schneider entworfenen Text werden unter anderem «lächerliche Sprachgebilde» wie «die Radfahrenden» oder sogar «Luftpiratinnen» kritisiert und «als weitere Verrenkung noch der seltsame Gender-Stern» aufs Korn genommen. Unterzeichner sind unter anderem der Journalist Kai Diekmann, die Autorinnen Angelika Klüssendorf und Cora Stephan sowie Ex-Verfassungschef Hans-Georg Maaßen.

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