EU-Austritt
Studie: Hohe Einkommensverluste durch Brexit - NRW besonders betroffen

Gütersloh -

Empfindliche Einkommensverluste drohen in einigen Teilen Deutschlands, wenn die Briten die EU verlassen. Einer Studie zufolge sinkt das Pro-Kopf-Einkommen durch den Austritt deutschlandweit im Schnitt um 115 Euro. Besonders hart würde es Nordrhein-Westfalen treffen.

Donnerstag, 21.03.2019, 05:42 Uhr aktualisiert: 21.03.2019, 07:27 Uhr
Euro-Banknoten.
Ein Brexit könnte sich auch im Portemonnaie der Menschen in NRW bemerkbar machen. Foto: Jens Wolf

Auch wenn keiner weiß, wie der Brexit aussehen und wann er vollzogen wird - das Bruttoeinkommen in Deutschland schmälert er einer Studie zufolge wohl in Milliardenhöhe. Komme es zu einem ungeregelten Austritt Großbritanniens ohne Vertrag, müssten sich die Deutschen auf einen Einkommensverlust von fast 10 Milliarden Euro jährlich - etwa 0,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts - einstellen. Pro Kopf bedeute das rein statistisch gesehen rund 115 Euro weniger, schätzt eine Berechnung der Bertelsmann Stiftung, die am Donnerstag in Gütersloh veröffentlicht wurde. 

Über eine Milliarde weniger Einkommen in NRW

NRW wäre voraussichtlich besonders betroffen. Ein wichtiger Grund dafür sei, dass Großbritannien für den Export eine große Rolle spiele.

Laut Simulation ist in Deutschland mit regionalen Unterschieden zu rechnen. Bei einem „No-Deal“-Austritt nimmt die Prognose für die bevölkerungsreichen Regierungsbezirke Düsseldorf einen Einkommensverlust von etwa 650 Millionen Euro jährlich und den Regierungsbezirk Köln von knapp 560 Millionen Euro an. Regionen mit einem hohen Anteil an mittelständischen Unternehmen müssten sich eher auf negative Auswirkungen gefasst machen, darunter neben dem Rheinland auch etwa Ostwestfalen.

Ein geordneter Brexit mit Austrittsabkommen würde die Negativfolgen deutlich abmildern, betonen die Autoren. Sie hatten auf Basis von amtlichen Handelsdaten in zwei Szenarien - Brexit mit oder ohne Vertrag - Einkommensentwicklungen geschätzt, auf Grundlage erwarteter Veränderungen beim Bruttoinlandsprodukt.

Gründe: Zölle und sinkender Wettbewerb

Als Treiber für die erwarteten Verluste nennen die Prognose Zölle, die Waren verteuerten, aber auch einen wohl sinkenden Wettbewerb in Europa mit negativen Folgen für Preis- und Lohnentwicklung. 

Über Chancen und Risiken des Brexit für NRW wollten am Donnerstag auch das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) und das NRW-Wirtschaftsministerium in Düsseldorf aus einer Studie berichten.

Die Brexit-Verlierer

Nach Großbritannien selbst wäre laut der Bertelsmann-Studie das exportorientierte Deutschland bei den Bruttoeinkommen am stärksten belastet, gefolgt von Frankreich und Italien. Auf das Vereinigte Königreich käme laut Simulation bei einem No-Deal-Austritt ein jährlicher Einkommensverlust von 57 Milliarden Euro zu - umgerechnet etwa 875 Euro pro Einwohner. Auf fast 8 Milliarden Euro weniger müssten sich die Franzosen und auf gut 4 Milliarden Euro weniger die Italiener gefasst machen, sagt die Studie voraus.

Die Brexit-Gewinner

Profitieren könnten wohl die USA und China mit jährlichen Milliarden-Einkommenszuwächsen, einen leichten Anstieg erwartet die Studie auch für Russland. Ponattu sagte, werde der Handel innerhalb Europas teuer, würden die „Wirtschaftsbeziehungen mit dem Rest der Welt“ attraktiver. Stiftungsvorstand Aart de Geus mahnte, London und Brüssel sollten den Ausstieg unbedingt vertraglich regeln. Das Fundament des weltweit größten gemeinsamen Wirtschaftsraums drohe schwer beschädigt zu werden.

May bittet um Aufschub

Zahlreiche Stimmen aus Politik, Wirtschaft und auch Verbraucherschützer hatten vor drastischen Folgen gewarnt, sollte es zu einem chaotischen Brexit kommen. Die britische Premierministerin Theresa May hatte die EU am Mittwoch um einen Aufschub bis 30. Juni gebeten - ohne Teilnahme an der Europawahl zuvor im Mai.

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