Europaweit gesucht
Häftling auf der Flucht: Polizei ergreift Schutzmaßnahmen

Werl -

Seit fünf Tagen wird ein gefährlicher Häftling aus der JVA Werl europaweit gesucht. Vorsorglich schützt die Polizei einige Personen - auch aus der Justiz.

Montag, 25.03.2019, 16:01 Uhr aktualisiert: 25.03.2019, 19:04 Uhr
Das Blaulicht eines Streifenwagens blinkt.
Die Polizei schützt vorsorglich einige Personen vor dem geflüchteten Häftling aus der JVA Werl. Foto: dpa

Nach der Flucht eines gefährlichen Häftlings aus der aus der Sicherungsverwahrung JVA Werl hat die Polizei Schutzmaßnahmen für bestimmte Personen ergriffen. Es gebe «vorsorgliche Schutzmaßnahmen» für einige Personen «unter anderem aus dem Justizbereich», die als möglicherweise gefährdet einzustufen seien, sagte ein Polizeisprecher am Montag in Bielefeld. Genauere Angaben zu den Personen oder den Maßnahmen machte er nicht.

Bei der Suche nach dem Mann würden «neuralgische Punkte» - etwa Bahnhöfe oder öffentliche Plätze - und frühere soziale Kontakte des 31-Jährigen besonders kontrolliert. Man habe mehrere Hinweise aus der Bevölkerung erhalten, die noch nicht alle ausgewertet seien. Es gebe bislang keine heiße Spur.

"Todesliste" nicht bestätigt

Berichte, dass der Sicherungsverwahrte eine «Todesliste» erstellt habe, bestätigten die Polizei in Bielefeld und auch das NRW-Justizministerium auf Anfrage ausdrücklich nicht. Man habe «keinerlei» Erkenntnisse über eine solche Adressliste, betonte auch der stellvertretende Leiter der JVA Werl, Jörg-Uwe Schäfer. Mehrere Medien hatten zuvor über eine «Todesliste» und Äußerungen des Serien-Gewalttäters berichtet, er wolle mehrere Menschen umbringen.

Der Mann war am vergangenen Mittwoch in Bad Salzuflen bei einem Familienbesuch zwei begleitenden Beamten entkommen und mit dem Auto der Eltern geflüchtet. Seit Donnerstag wird europaweit nach ihm gefahndet. Laut JVA hatte der heute 31-Jährige nach einer Reihe von Straftaten 2014 einem Mann ins Bein geschossen, war seit Januar 2015 in Haft und seit März 2018 in Sicherungsverwahrung untergebracht.

Beteiligte Richter informiert

Dem Bielefelder Landgericht zufolge wurden alle Berufsrichter von der Flucht informiert, die an zwei Urteilen gegen den 31-Jährigen beteiligt waren: An der Verteilung zur letzten Haftstrafe wegen Körperverletzung und an dem Urteil mit Anordnung der Sicherungsverwahrung.

Aus dem Justizministeriums hieß es, es gebe «überhaupt nichts», was auf eine «Todesliste» schließen lasse. Auf die Frage nach einem Fehlverhalten seitens der JVA sagte der Sprecher in Düsseldorf, die zwei Beamten hätten die «ständige und unmittelbare Beaufsichtigung» des Mannes bei seiner «Ausführung» womöglich nicht pflichtgemäß erledigt. Zunächst werde die JVA die Vorgänge unter die Lupe nehmen, dann prüfe das Ministerium den Fall.

Keine Auffälligkeiten

Der JVA-Leitung zufolge sind Therapeuten und Bedienstete bereits befragt, die Zelle des Flüchtigen und weitere Räume auf den Kopf gestellt, Akten durchforstet worden. Hinweise auf eine Fluchtabsicht habe es nicht gegeben. «Der Mann war hier in keinster Weise verhaltensauffällig, hat an vielen Angeboten teilgenommen und wollte den Realschulabschluss machen», sagte Schäfer.

Nach drei problemlosen Ausführungen mit Hand- und Fußfesseln habe man daher entschieden, ihn erstmals ohne Fesseln seine Eltern besuchen zu lassen.

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