Theater
«Wonderland Ave.» eröffnet Theatertage in Mülheim

Schon zum 44. Mal wetteifern in diesem Jahr Theaterautoren um den begehrten Mülheimer Dramatikerpreis. Sieben Stücke kommen auf die Bühne. Am Ende wird öffentlich entschieden, welcher Text der beste war. Elfriede Jelinek feiert in Mülheim Jubiläum.

Donnerstag, 09.05.2019, 08:08 Uhr aktualisiert: 09.05.2019, 08:22 Uhr
Ein Szene aus dem Theaterstück «Wonderland Ave.».
Ein Szene aus dem Theaterstück «Wonderland Ave.». Foto: Birgit Hupfeld

Mülheim/Ruhr (dpa/lnw) - Mit dem beklemmenden Science-Fiction-Stück «Wonderland Ave.» von Sybille Berg starten an diesem Samstag (11. Mai) die 44. Mülheimer Theatertage. Bis zum 1. Juni kommen beim Festival «Stücke 2019» in Mülheim insgesamt sieben deutschsprachige, erst vor kurzem (seit Mitte Februar 2018) uraufgeführte Werke auf die Bühne. Am Ende entscheidet eine Jury in öffentlicher Sitzung, welcher Autor den mit 15 000 Euro dotierten Mülheimer Dramatikerpreis erhält. Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek feiert beim Festival Jubiläum: Bereits zum 20. Mal wurde ein Stück von ihr nominiert.

In Mülheim stehen die Texte, nicht die Inszenierungen im Mittelpunkt. Veranstalter des Festivals sind die Stadt Mülheim und das Kulturministerium des Landes Nordrhein-Westfalen.

In Bergs Zukunftsstück - inszeniert vom Schauspiel Köln - kümmern sich fünf Roboterwesen um zwei übrig gebliebene Menschen. Berg habe eine Welt entworfen, in der der Mensch sich selbst abgeschafft hat, berichten die Veranstalter. «Roboter haben nicht nur die mechanischen, sondern auch die intellektuellen Aufgaben übernommen.» Inszeniert wurde das Stück von Ersan Mondtag.

Am 14. und 15. Mai geht es weiter mit «Disko» von Wolfram Höll in der Uraufführungs-Inszenierung des Schauspiels Leipzig. Am 17. Mai folgt das Jelinek-Stück, wie «Wonderland» inszeniert vom Schauspiel Köln. Unter dem Titel «Schnee Weiss (Die Erfindung der alten Leier)» setzt sich Jelinek darin mit der #MeToo-Debatte auseinander. Es gehe um systematische sexuelle Übergriffe im österreichischen Skisport, die bis in die 1970er Jahre zurückreichten und Ende 2017 öffentlich gemacht wurden, schreiben die Veranstalter.

Bis zum 1. Juni sind außerdem «Der Westen» von Konstantin Küspert (ETA Hoffmann Theater Bamberg) sowie «Die Abweichungen» von Clemens J. Setz (Schauspiel Stuttgart) zu sehen. Auch Vorjahrespreisträger Thomas Köck ist wieder vertreten, diesmal mit «atlas» (Schauspiel Leipzig). Thema ist diesmal das Schicksal einer Vertragsarbeiterin aus Vietnam in der DDR.

Zuletzt am 31. Mai und am 1. Juni kommt «Mitwisser» (Schauspielhaus Wien) der jungen Dramatikerin Enis Maci (Jahrgang 1993) auf die Bühne. «Eine griechische Trilogie» von Simon Stone war auch eingeladen. Die Truppe des Berliner Ensembles kann jedoch aus terminlichen Gründen nicht kommen - das Stück nimmt daher nicht am Wettbewerb teil.

Zum zehnten Mal gibt es auch für Kinderstücke einen Wettbewerb. Fünf Inszenierungen sind eingeladen (12.-17. Mai), darunter etwa «Haydi! Heimat!» von Katja Hensel für Kinder ab acht Jahren. Anhand der Geschichte eines türkischstämmigen Jungen geht es darin um die Bedeutung von Heimat. Auch ein Stück des Vorjahrespreisträgers Oliver Schmaering ist dabei: Das Musiktheaterstück «Ich, Ikarus» (ab 10 Jahren). Das beste Werk bekommt den «KinderStückePreis», der mit 10 000 Euro dotiert ist.

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