Auszeichnungen
Antisemitische Äußerungen: Kotsaba soll Preis nicht bekommen

Wirbel um den Aachener Friedenspreis: Der für dieses Jahr vorgesehene Preisträger aus der Ukraine hat sich vor einigen Jahren antisemitisch geäußert. Nun soll er den Preis doch nicht bekommen. Auch diese Entscheidung ist jedoch umstritten.

Freitag, 10.05.2019, 14:37 Uhr aktualisiert: 10.05.2019, 14:52 Uhr

Aachen (dpa/lnw) - Wegen antisemitischer Äußerungen soll der Ukrainer Ruslan Kotsaba den Aachener Friedenspreis nun doch nicht bekommen. Der Vorstand des Vereins Aachener Friedenspreis habe sich gegen eine Ehrung entschieden, teilte Vorstandsmitglied Lea Heuser am Freitag mit. Allerdings könne der Vorstand dies nicht allein beschließen. Deswegen werde jetzt für den 14. Juni eine Mitgliederversammlung einberufen, die den Vorstandsbeschluss bestätigen solle.

Am Mittwoch hatte der Verein angekündigt, dass Kotsaba in diesem Jahr mit dem Preis ausgezeichnet werden solle. Der Journalist und Blogger engagiert sich für eine friedliche Lösung des Ukraine-Konflikts. Mittlerweile ist jedoch ein Video aufgetaucht, auf dem Kotsaba den Juden eine Mitschuld am Holocaust geben soll, weil sie Nazismus und Kommunismus in die Welt gebracht hätten. Der Grünen-Politiker Volker Beck forderte deshalb die Aberkennung des Preises. «Kein Preis für #Antisemitismus Keinen Frieden mit Antisemiten», twitterte er.

Andrej Hunko, Bundestagsabgeordneter der Linken, der Kotsaba mit vorgeschlagen hatte, teilte auf seiner Website mit, er habe von den Äußerungen nichts gewusst. Er veröffentlichte auch eine Stellungnahme Kotsabas: «Die Übersetzung des Videos ist korrekt und ich habe diese Aussagen 2011 gemacht», räumt der Journalist dort ein. «Zwar sind die Aussagen dadurch aus dem Kontext gerissen, dass der Rest meines Beitrages entfernt wurde. Das macht sie aber nicht richtig. Ich habe deshalb bereits vor mehreren Jahren die Stelle aus dem Video entfernt. Auch wenn sie eine für die Westukraine typische Sicht darstellt, ist sie falsch.» Er bedaure heute, die Aussage getätigt zu haben, und bitte diejenigen, die sich dadurch verletzt fühlten, um Verzeihung.

Hunko und der Linken-Politiker Darius Dunker bezeichneten Kotsabas Äußerungen als «völlig inakzeptabel». Allerdings sind sie weiterhin der Meinung, dass er den Preis verdient hat. Man müsse auch sehen, dass er sich in den vergangenen Jahren gewandelt habe. Durch die Auseinandersetzung mit dem Krieg in der Ukraine hätten sich seine politischen Überzeugungen in vielen Bereichen verändert.

Der mit 4000 Euro dotierte Aachener Friedenspreis würdigt Verdienste um die Verständigung von Menschen und Völkern «von unten her». Er ist unterteilt in einen internationalen und einen nationalen Preis. Nationale Preisträger sind in diesem Jahr Atomwaffengegner in der Eifel.

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