Pferdesport
Nach Aussetzer: Werth reitet zum 15. Dressur-Titel

Isabell Werth holt sich am Sonntag ihren 15. nationalen Titel. Einen Tag nach einem teuren Patzer kommt die beste Dressurreiterin der Welt schnell zurück.

Sonntag, 16.06.2019, 13:58 Uhr aktualisiert: 16.06.2019, 14:12 Uhr
Die Dressurreiterin Isabell Werth winkt.
Die Dressurreiterin Isabell Werth winkt. Foto: Friso Gentsch

Balve (dpa) - Auch eine Seriensiegerin macht mal Fehler. Einen Tag nach ihrem unerklärlichen Aussetzer hat sich Dressurkönigin Isabell Werth bei den deutschen Meisterschaften in Balve doch noch ihren 15. nationalen Titel geholt. Die 49-Jährige aus Rheinberg siegte am Sonntag in der Kür souverän. Für den Auftritt mit ihrem Pferd Emilio erhielt die Rekordreiterin 88,150 Prozent, nachdem sie sich am Samstag einen peinlichen Patzer erlaubt hatte.

«Heute war ich im Kopf klar», sagte Werth grinsend. «Gestern haben mich noch alle aufgezogen», berichtete sie vergnügt: «Aber jetzt bin ich total happy.» Hinter der Kür-Siegerin kam Jessica Werndl aus Tuntenhausen mit Dalera (85,600) auf Platz zwei. Dritte wurde Helen Langehanenberg aus Billerbeck mit Damsey (84,275).

Am Vortag hatte sich Werth im Grand Prix Special beim Sieg von Dorothee Schneider (Framersheim) auf Showtime mit Platz zwei begnügen müssen, weil sie sich verritten hatte. Die erfolgreichste Reiterin der Welt war auf dem Weg zu einer weiteren Goldmedaille, lag in Führung - und ritt dann mit Bella Rose Zweierwechsel statt einer Galopp-Traversalen. Der Chefrichter schien genauso geschockt darüber zu sein wie die Reiterin: Er reagierte erst mit Verspätung und klingelte als Zeichen für den Fehler deutlich verzögert. Danach musste Werth die Aufgabe neu anreiten.

«Ich war einfach nicht gut genug», kommentierte Werth und sagte: «Das Pferd war heute eindeutig besser als ich.» Mit Blick auf den CHIO sagte sie grinsend: «Ich hoffe, dass ich bis Aachen meine Gehirnzellen wieder rekultiviert habe.» Das gelang ihr aber schon am Sonntag, als sie sich in der Kür wieder in Topform präsentierte und mit ihrem Zweitpferd Emilio sicher gewann.

Während Werth immer wieder den Kopf schüttelte, konnte Schneider ihren Sieg im Special kaum fassen. «Ich hab’s geschafft», rief die 50 Jahre alte Dressurreiterin. «Das ist sehr emotional», sagte die Siegerin, die mit 80,745 Prozent gewann. Werth kam mit Emilio (79,647) auf Rang zwei. Dritte wurde von Bredow-Werndl mit Dalera (79,588).

Bei den Springreiterinnen gewann Julie Mynou Diederichsmeier ihren ersten Titel. Die 36-Jährige aus Scheeßel blieb am Samstag mit Carlucci als einzige Starterin in insgesamt drei Runden ohne Strafpunkt. Auf Platz zwei kam die in den Niederlanden lebende Sophie Hinners mit Vittorio vor Kathrin Müller aus Arnsberg mit Felitia.

«Das ist wahnsinnig toll, es fühlt sich an wie ein Traum», sagte die Siegerin: «Hier eine Medaille zu holen, das war mein großes Ziel. Ich war in Balve schon mehrfach am Start, ich hatte aber nie das Quäntchen Glück.»

Weltmeisterin Simone Blum hatte nach einer schwachen zweiten Runde keine Chance auf eine vordere Platzierung und kam auf Rang zehn. Die 30 Jahre alte Reiterin aus Zolling setzte in Balve auf ihr Nachwuchspferd Cool Hill. Sie schonte ihr Toppferd Alice, weil die Stute am kommenden Wochenende in der Nationalmannschaft bei einem Turnier in den Niederlanden eingesetzt wird.

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