Kirche
Kirchentag fordert klare Kante gegen Rechts

Dortmund - Der Evangelische Kirchentag positioniert sich gegen rechte Auswüchse und für eine Flüchtlingsrettung im Mittelmeer - es sind die Topthemen der fünftägigen Großveranstaltung. Die Zahl der Dauerteilnehmer ist im vergleich zu früheren Protestantentreffen aber gesunken.

Sonntag, 23.06.2019, 12:07 Uhr aktualisiert: 23.06.2019, 12:59 Uhr
Ein Kreuz steht im Signal Iduna Stadion in Dortmund.
Ein Kreuz steht im Signal Iduna Stadion in Dortmund. Foto: Bernd Thissen

Zehntausende Menschen haben sich beim Evangelischen Kirchentag in Dortmund für eine humanere Flüchtlingspolitik und gegen Rechtsextremismus stark gemacht. «Wir alle können etwas tun und uns mit unserem Vertrauen Spaltern und Hetzern entgegenstellen», sagte Kirchentagspräsident Hans Leyendecker beim Schlussgottesdienst am Sonntag in der Arena des Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte am Samstag im Zusammenhang mit dem mutmaßlich rechtsextrem motivierten Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke (CDU) vor einem Verlust der Glaubwürdigkeit in staatliche Institutionen gewarnt. Der Fall müsse ohne jedes Tabu aufgeklärt werden. «Sonst haben wir einen vollkommenen Verlust der Glaubwürdigkeit. Und der ist natürlich das Gegenteil von dem, was wir brauchen, nämlich Vertrauen.»

Impressionen vom Kirchentag in Dortmund

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  • Kirchentagsbesucher nehmen beim 37. Deutschen Evangelischen Kirchentag an dem Abschlussgottesdienst teil und halten ihre Schals in die Höhe. Ein Gottesdienst im Fußballstadion: So endete der Evangelische Kirchentag.

    Foto: Roland Weihrauch/dpa
  • Ein Kreuz steht beim Abschlussgottesdienst des 37. Deutschen Evangelischen Kirchentages im Signal Iduna Park auf einem Altar. Nach gut 2000 Veranstaltungen mit zahlreichen Politikern und Prominenten geht das Treffen evangelischer Christen zu Ende. Ein zentraler Gottesdienst bildet den Abschluss.

    Foto: Bernd Thissen/dpa
  • Pastorin Sandra Bils aus Hannover spricht beim Abschlussgottesdienst beim 37. Deutschen Evangelischen Kirchentag die Predigt.

    Foto: Roland Weihrauch/dpa
  • Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) winkt während einer Gesprächsrunde des 36. Evangelischen Kirchentages vor dem Brandenburger Tor. Am vorletzten Tag gastierte Angela Merkel beim Evangelischen Kirchentag - und sprach über internationale Politik.

    Foto: Ralf Hirschberger/dpa-Zentralbild/dpa
  • Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU, l) winkt neben Friedensnobelpreisträgerin Ellen Johnson Sirleaf auf dem 37. Deutschen Evangelischen Kirchentag. Das Treffen evangelischer Christen soll auch ein Zeichen gegen die Spaltung der Gesellschaft, Fremdenfeindlichkeit und eine Verrohung der Sprache setzen.

    Foto: Bernd Thissen/dpa
  • Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) spricht auf der Veranstaltung "Vertrauen als Grundlage internationaler Politik?" auf dem evangelischen Kirchentag.

    Foto: Oliver Berg/dpa
  • Außenminister Heiko Maas (SPD) nimmt auf dem 37. Deutschen Evangelischen Kirchentag an der Talkrunde ·Das rote Sofa· teil.

    Foto: Bernd Thissen/dpa
  • Merle Bösing, Fridays for Future Dortmund, spricht beim 37. Deutschen Evangelischen Kirchentag zum Thema Weichenstellung in der Energie- und Klimapolitik.

    Foto: Caroline Seidel/dpa
  • «Ohne Dich ist alles Doof» steht im Paviliion der Guten Nachricht beim Evangelischen Kirchentag auf einem der handgeschriebenen Zettel, die die Besucher dort aufhängen können.

    Foto: Bernd Thissen/dpa
  • Teilnehmer des Kirchentages sitzen während einer Veranstaltung in der Westfalenhalle.

    Foto: Bernd Thissen, Caroline Seidel/dpa
  • Die zwei Schwestern Kirsten (h) und Lena (v) schauen sich während des Kirchentages ein Tipi aus gehäkelten Stücken vor der Westfalenhalle an.

    Foto: Bernd Thissen, Caroline Seidel/dpa
  • Ein junger Mann hält während des Kirchentages vor der Westfalenhalle einen grünen Schal mit der Aufschrift «Was für ein Vertrauen» hoch. Gut 2000 Veranstaltungen sind bis zum Sonntag geplant, zahlreiche Politiker und Prominente nehmen teil.

    Foto: Caroline Seidel
  • Gläubige nehmen beim 37. Evangelischen Kirchentag an einem offenen Singen in der Reinoldikirche teil.

    Foto: Bernd Thissen
  • Die zwei Schwestern Kirsten (h) und Lena (v) schauen sich während des Kirchentages ein Tipi aus gehäkelten Stücken vor der Westfalenhalle an.

    Foto: Caroline Seidel
  • Motorradfahrer nehmen mit Ihren Motorrädern beim 37. Deutschen Evangelischen Kirchentag an dem Biker-Gottesdienst "Highway to Heaven" teil.

    Foto: Guido Kirchner
  • Impressionen vom Kirchentag in Dortmund Foto: Guido Kirchner
  • Ullrich Sierau (SPD, l-r), Oberbürgermeister von Dortmund, Frank Richter, Theologe und Bürgerrechtler, Franziska Giffey (SPD), Bundesfamilienministerin, Torsten Zugehör, Bürgermeister Lutherstadt Wittenberg, und Angela Elis, Buchautorin diskutieren beim 37. Deutschen Evangelischen Kirchentag zum Thema 30 Jahre Mauerfall.

    Foto: Caroline Seidel
  • Hans Leyendecker, Journalist und Kirchentagspräsident, spricht während einer Podiumsdiskussion zum Thema Seenotrettung an den Grenzen Europas.

    Foto: Guido Kirchner
  • «Ohne Dich ist alles Doof» steht im Paviliion der Guten Nachricht beim Evangelischen Kirchentag auf einem der handgeschriebenen Zettel, die die Besucher dort aufhängen können.

    Foto: Bernd Thissen
  • Joachim Gauck, Bundespräsident a.D., nimmt beim 37. Deutschen Evangelischen Kirchentag an einer Diskussionsrunde des «Roten Sofa» teil.

    Foto: Guido Kirchner
  • Impressionen vom Kirchentag in Dortmund Foto: Roland Weihrauch
  • Impressionen vom Kirchentag in Dortmund Foto: Roland Weihrauch
  • Armin Laschet (CDU) (l), Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen, nimmt beim 37. Deutschen Evangelischen Kirchentag an einer Diskussionsrunde des "Roten Sofa" teil.

    Foto: Guido Kirchner
  • Eine Gruppe christlicher Frauen aus Nigeria vom CCN (Christian Council of Nigeria) tanzt dem Evangelischen Kirchentag auf dem Gelände um gegen Gewalt gegen Frauen einzutreten.

    Foto: Bernd Thissen
  • Besucher strömen in beide Richtung durch eine der zentralen U-Bahn Haltestellen nach der Westfalenhalle.

    Foto: Bernd Thissen

Die CDU-Politikerin wurde als prominentester Gast des fünftägigen Protestantentreffens stürmisch gefeiert. Merkel erinnerte zudem an ihr Versprechen an die Angehörigen der NSU-Opfer, die Verbrechen der Neonazi-Terrorzelle vollständig aufzuklären.

Mit dem Gottesdienst im Stadion ging das Christen-Event am Sonntag zu Ende. Die für 72 000 Besucher geöffnete Arena war trotz Sonnenscheins allerdings nicht mal zur Hälfte besetzt.

Im Mittelpunkt des Kirchentags stand auch die Forderung nach einer entschlossenen Rettung von Flüchtlingen im Mittelmeer. «Kirchentag benennt Unrecht, er erhebt seine Stimme für Menschen, die täglich im Mittelmeer zu ertrinken drohen», sagte Generalsekretärin Julia Helmke. Zudem positionierte sich der Kirchentag für einen stärken Umwelt- und Klimaschutz sowie für den Schutz von Frauen, Kindern und Minderheiten.

Merkel betonte in ihrer Rede in fast schon pastoraler Form: «Wir können die Erderwärmung stoppen, wir können den Hunger besiegen, wir können Krankheiten ausrotten, wir können den Menschen, besonders den Mädchen, Zugang zu Bildung verschaffen, wir können die Ursachen von Flucht und Vertreibung bekämpfen. Das alles können wir schaffen.»

Prominente Gäste beim Kirchentag 2019

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  • Über 2000 Veranstaltungen bilden den Kern des Kirchentags, der von 19. bis 23. Juni 2019 in Dortmund stattfindet. Auf dem Podium: viele Prominente. Ein Blick auf die Gästeliste in Bildern . . .

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Svenja Schulze

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Prof. Dr. Mouhanad Khorchide und Joachim Gauck

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Christian Wulff

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Münsters Türmerin Martje Saljé

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Hans Leyendecker

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Claudia Roth

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  • Anna Loos kommt mit ihrer neuen Band.

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  • Horst Köhler

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  • Heiko Maas

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  • Gesine Schwan

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  • Frank Walter Steinmeier

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  • Angela Merkel

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  • Winfried Kretschmann

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  • Eckart von Hirschhausen

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  • Annette Kurschus

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Foto: Gunnar A. Pier
  • Dunja Hayali

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  • Ursula Heinen-Esser

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  • Kevin Kühnert

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  • Katrin Göring-Eckardt

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  • Verena Bentele

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  • Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar

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Leyendecker sprach von einer «großartigen» Veranstaltung. Kritiker bemängelten, die klar vorformulierte politische Agenda habe bei den gesellschaftspolitischen Podiumsdiskussionen oft für einen Mangel an Kontroverse und Konflikt gesorgt. Leyendecker räumte ein, manche Debatten hätten schärfer geführt werden können.

Seit Mittwoch hatten 121 000 Menschen am Kirchentag mit knapp 2400 Veranstaltungen teilgenommen. Die Zahl der Dauerteilnehmer ging allerdings zurück. Nur 80 000 Menschen hatten sich eine Dauerkarte für das Protestantentreffen in der Ruhrmetropole gesichert. Bei den jüngsten Evangelischen Kirchentagen in Berlin und Wittenberg 2017 (105 000), Stuttgart 2015 (97 000) und Hamburg 2013 (117 000) waren es deutlich mehr.

Leyendecker sagte dazu, eine Zahl entscheide nicht darüber, «ob ein Kirchentag gut oder schlecht» gewesen sei. Wenn ein paar Tausend Menschen weniger vor Ort gewesen seien, sei «das nicht ein Beweis dafür, dass der Sturzflug nicht mehr zu vermeiden ist».

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