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Dienstag wird wärmster Tag der Woche in NRW

Essen -

Gibt es am Dienstag einen neuen Juni-Hitzerekord für NRW? Wohl eher nicht, vermutet der Deutsche Wetterdienst. Ziemlich heiß wird es mit bis zu 37 Grad am Rhein aber in jedem Fall.

Dienstag, 25.06.2019, 03:24 Uhr aktualisiert: 25.06.2019, 15:20 Uhr
Die Sonne scheint von einem blauen Himmel zwischen zwei Sonnenblumen hindurch.
Eine französische Bulldogge hechelt in der Hitze. Foto: Michel Spingler/AP/dpa

(dpa/lnw) - Nordrhein-Westfalen steht am Dienstag der wärmste Tag der Woche und des ganzen bisherigen Jahres bevor. Der Deutsche Wetterdienst rechnet mit Temperaturen von bis zu 37 Grad entlang der Rheinschiene. Die Spitzenwerte rücken damit in die Nähe der höchsten jemals in einem Juni in NRW gemessenen Werte: In Herten im Kreis Recklinghausen hatte das Thermometer im Juni 2002 genau 38,3 Grad gezeigt. 1947 war es an Messstationen in Köln und Bonn jeweils 37,9 Grad warm. „Es sieht aber nicht danach aus, dass wir diese Werte knacken“, sagt DWD-Meteorologe Markus Winkler in Essen.

Wo genau es am Dienstag am wärmsten wird, ist nicht vorherzusagen. Allerdings: „Duisburg ist immer sehr bekannt dafür, dass es warm wird. Oder Köln“, sagt Winkler. Dabei wird es voraussichtlich nicht überall gleich heiß: „In Ostwestfalen wird es ein bisschen angenehmer bei 30 bis 34 Grad.“

Wie man Hitzetage gut übersteht

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  • Die kommenden Tage werden heiß. Wie übersteht man die große Hitzewelle? Tipps für einen Tag mit Temperaturen von weit über 30 Grad im Schatten:

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  • 4.00 Uhr: Wer Pflanzen etwas Gutes tun will, sollte an heißen Tagen besonders früh aufstehen. Vor Sonnenaufgang ist der Boden am kältesten. Aber natürlich ist das Gießen ein paar Stunden später auch noch sinnvoll. Was ist mit dem Abend? Dann ist der Boden vom Sonnenschein den ganzen Tagen über noch aufgeheizt, es verdunstet ebenfalls viel Nässe. Allerdings betont Isabelle Van Groeningen von der Königlichen Gartenakademie in Berlin: im Zweifel lieber direkt gießen, wenn Pflanzen die Köpfe hängen lassen.

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  • 6.00 Uhr: Frühmorgens sollte man lüften, und zwar nicht zu kurz. Denn Wände, Möbel und andere Gegenstände speichern laut der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen Wärme. Können sie am Morgen nicht auskühlen, geben sie im Verlauf des Tages ihre Wärme an den Raum ab. Tagsüber sollten die Fenster geschlossen bleiben. Daneben hilft es, die Scheiben zu verdunkeln. Wer die Wahl hat, sollte außenliegende Schattenspender wie Rollläden und Markisen wählen.

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  • 7.00 Uhr: An heißen Tagen sollten Halter ihren Hund nicht zu stark fordern. „Es reicht in der Regel, am Morgen und am Abend spazieren zu gehen“, sagt Ariane Ullrich vom Berufsverband der Hundeerzieher und Verhaltensberater aus Hofheim. Sinnvoll sei es, die Mittagshitze zu vermeiden. Auch einen Besuch in der Hundeschule dürfe man mal ausfallen lassen, falls der Platz in der prallen Sonne liegt.

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  • 8.00 Uhr: Wer morgens mit dem Pedelec zur Arbeit fährt, sollte das Elektrofahrrad an einem möglichst schattigen Ort abstellen. Denn große Hitze wirkt sich mit der Zeit schlecht auf die Lebensdauer von Pedelec-Akkus aus, erklärt die Sachverständigenorganisation Dekra. Und bevor Radler den aufgeheizten Akku erneut laden, lassen sie ihn besser zunächst abkühlen.

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  • 10.00 Uhr: Wer sich als Freiberufler oder Selbstständiger ein mobiles Klimagerät für sein Büro kauft, kann die Ausgaben steuerlich geltend machen. Kostet das Gerät nicht mehr als 800 Euro, senken die Ausgaben die Steuerlast sofort, erklärt der Steuerberaterverband Berlin-Brandenburg. Bei Anschaffungskosten bis 1000 Euro netto kann es über einen Zeitraum von fünf Jahren abgeschrieben werden. Ansonsten wird der Steuervorteil grundsätzlich über elf Jahre anhand der Nutzungsdauer verteilt. Auch für das häusliche Arbeitszimmer kann sich eine Klimaanlage steuerlich lohnen. Wird beispielsweise nur das Arbeitszimmer gekühlt, können die Kosten den Werbungskosten zugerechnet werden.

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  • 11.00 Uhr:  Trinken ist bei hochsommerlichen Temperaturen das A und O. „2,5 bis 3 Liter Wasser am Tag und ich betone Wasser. Das geht nicht mit süßen Limonaden, die durstig machen, und erst recht nicht mit Alkohol“, sagt der Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie und Pneumologie an der Uniklinik Bonn, Dirk Skowasch. Kranke mit Herz- oder Bluthochdruckproblemen sollten mit ihrem Arzt ein passendes Konzept fürs Trinken besprechen. 

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  • 12.00 Uhr: „Kein Sport in der Mittagshitze und bei so hohen Temperaturen am besten gar nicht“, rät der Bonner Mediziner Skowasch. Bei Hitze kann man also von der „Siesta“ der Spanier lernen. Aktivitäten draußen sollten in die Morgen- oder Abendstunden verschoben werden. Und auch beim Essen empfiehlt Skowasch, langsam zu machen: „Lieber mehrere kleine Mahlzeiten, Obst und Gemüse.“ 

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  • 13.00 Uhr: Zeigt das Thermometer am Arbeitsplatz Temperaturen von 26 Grad und mehr an, sollte der Arbeitgeber etwas tun. Und ab 30 Grad muss er das sogar, erklärt die Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) mit Verweis auf die Technischen Regeln für Arbeitsstätten. Gegen Hitze im Büro kann der Chef zum Beispiel Getränke zur Verfügung stellen, vorübergehend Gleitzeit einführen oder die Kleiderordnung lockern. Eine Chance auf Hitzefrei haben Arbeitnehmer allerdings erst, wenn in einem Raum mehr als 35 Grad herrschen.

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  • 14.00 Uhr: Das Smartphone in der Hitze auf der Terrasse liegen lassen? Keine gute Idee! Viele Elektronikgeräte vertragen keine hohen Temperaturen. Darauf weist das Telekommunikationsportal „Teltarif.de“ hin. Neben dem Akku können auch weitere Bauteile Schaden nehmen. Bei zu hohen Temperaturen können auch Sicherheitseinrichtungen der Akkus greifen und etwa Batterieflüssigkeiten auslaufen. Das führt unter Umständen zu Beschädigungen am Gerät und macht die Akkus unbrauchbar. Deswegen lagert man Powerbanks und Elektronikgeräte besser vor Sonnenlicht geschützt und lässt sie nicht im sommerlich warmen Auto.

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  • 15.00 Uhr: Für Babys und Kleinkinder ist Hitze besonders gefährlich. Sie können ihren Wärmehaushalt noch nicht so gut regulieren, warnt die BZgA. Deshalb sollten Kinder mit Sonnencreme, Hut und Sonnenbrille gegen die Strahlen geschützt werden und am besten im Schatten spielen. Hochroter Kopf, Bewusstseinsstörungen und erhöhte Körpertemperatur sind laut BZgA Symptome eines Hitzschlags, bei dem Kinder sofort aus der Sonne und zu einem Arzt oder ins Krankenhaus müssen. 

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  • 16.00 Uhr: So schön der langersehnte Sommer auch ist, ein Baum oder Sonnenschirm spendet Schatten und kühlt ab. „Aus der Hitze raus, in den Schatten, luftige Kleidung - das klingt banal, ist aber wichtig“, so der Bonner Mediziner Skowasch.

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  • 17.00 Uhr: Puh, der Tag im Büro oder die Schicht am Band sind geschafft. Gut, wer jetzt ein Auto mit Klimaanlage hat. Aber bitte nicht einsteigen und dann den Innenraum „tieffrosten“. Zunächst lüftet man den Innenraum einmal gut durch - das lässt die aufgestaute Hitze raus. Und auf Kurzstrecken bei niedrigem Tempo wie in der Stadt öffnen Autofahrer im Sommer besser die Fenster, rät der Tüv Süd. Denn die Klimaanlage bringe auf Distanzen von wenigen Kilometern nichts. Ansonsten gilt: Zwischen der Außentemperatur und dem Innenraum des Autos stellen Autofahrer besser bei Hitze nicht mehr als acht Grad Differenz ein. Denn ansonsten drohen Erkältungen oder Schwierigkeiten mit dem Herz-Kreislaufsystem, erklärt der Tüv Thüringen.

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  • 18.00 Uhr: Wenn die Sonne brennt und der Schweiß läuft, erscheint oft nichts besser als eine kalte Dusche. Die ist für den Körper aber leider mehr Belastung als Erfrischung. „Das ist wie mit eiskalten Getränken. Der Körper muss sich danach wieder aufwärmen auf Außentemperatur. Das kostet Energie“, sagt Skowasch. Also lieber lauwarm duschen.

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  • 19.00 Uhr: Ist es zu heiß, sollte man auf das Rasenmähen verzichten - nicht grundsätzlich, aber zu bestimmten Tageszeiten. Denn bei Temperaturen über 30 Grad trocknet der Boden viel zu schnell aus, erläutern die Gartenexperten der DIY Academy in Köln. Daher wird diese Arbeit besser erst in den kühleren Abendstunden erledigt. Beachten muss man dabei allerdings: Zwischen 20.00 und 7.00 Uhr dürfen in Wohngebieten Rasenmäher nicht mehr eingesetzt werden.

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  • 20.00 Uhr: Auf der Gartenparty oder beim netten Zusammensein auf dem Balkon: Jetzt ein Gläschen Wein oder Bier! Doch Vorsicht: Bei Hitze wirkt Alkohol schneller und intensiver, warnt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Wer es übertreibt, riskiert Kreislaufprobleme bis zur Bewusstlosigkeit. Die hohen Temperaturen entziehen dem Körper darüber hinaus Flüssigkeit - man schwitzt. Durch Alkohol gehen dem Körper noch mehr Mineralstoffe verloren. So kann es leichter zu Hitzschlägen kommen.

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  • 23.00 Uhr: In ungewöhnlich warmen Nächten sollte man zum Schlafen in den kühlsten Raum gehen – beispiels­weise auf den Balkon oder  in den Keller, meint der Schlafforscher Peter Young aus Münster.

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Kein Regen in Sicht

An den folgenden Tagen lässt in Nordrhein-Westfalen die Temperatur wieder etwas nach. Am Mittwoch liegen die Höchsttemperaturen voraussichtlich bei 28 Grad im Münsterland sowie auf höheren Bergen und bei 34 Grad in der Köln-Bonner-Bucht. Trotz einiger Wolkenfelder, vor allem in den kommenden Nächten, bleibt es nach Angaben der Meteorologen vorerst trocken.

Am Freitag sollen die Temperaturen in NRW unter 30 Grad bleiben, bevor es am Wochenende dann wieder raufgeht mit bis zu 35 Grad am Sonntag. „Regen ist erstmal nicht in Sicht bis Anfang kommender Woche.“ Absolut außergewöhnlich sei das Wetter nicht, betont DWD-Meteorologe Winkler. Ein „sehr markanter Sommerstart“ sei es aber trotzdem.

 

Hitze-Mythen auf dem Prüfstand: Von Mittagshitze und Zugluft

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  • Hochsommer, Deutschland schwitzt bei Temperaturen weit jenseits der 30-Grad-Marke. Weil es so heiß ist, gilt es im Alltag vieles zu beachten: Mehr zu trinken zum Beispiel wird empfohlen, und die Blumen besser morgens als nachmittags zu gießen. Manche Weisheit entpuppt sich allerdings als Mythos. Ein Faktencheck.

    Foto: Patrick Seeger
  • Stimmt es eigentlich, dass . . .

    . . . es mittags am heißesten ist?

    Fragt man beim Deutschen Wetterdienst nach der „Mittagshitze“, ist die Antwort klar: „Das ist kein meteorologischer Begriff“, sagt Sprecher Andreas Friedrich. Hitze sei streng genommen alles über 30 Grad, entsprechend könne es mittags auch mal Hitze geben. Die eine „Mittagshitze“ gebe es aber nicht. Die Messstationen registrierten den heißesten Zeitpunkt des Tages in der Regel zwischen 16 und 17 Uhr. Dann hat die Sonne den Boden maximal erwärmt, mit sinkendem Sonnenstand fallen anschließend die Temperaturen wieder. Man könnte also eher von einer „Feierabendhitze“ sprechen.

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  • . . . man abends nicht joggen gehen sollte?

    Jein. Hintergrund für diese gelegentlich ausgesprochene Empfehlung sind hohe Ozonwerte in der Luft. Das farblose, giftige Gas kann die Atemwege reizen, erläutert das Umweltbundesamt. Da die Werte im Sommer meist am Nachmittag am höchsten sind, rät die Behörde zum Beispiel Asthmatikern, zu dieser Tageszeit körperliche Aktivitäten im Freien zu vermeiden. Bei gesunden Menschen hält es Prof. Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule in Köln so: Wer kann, geht besser schon früh morgens joggen. Und wer das nicht kann, joggt besser am Abend als gar nicht. Nur herumzusitzen sei gefährlicher, sagt er.

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  • . . . Zugluft schädlich ist?

    Wenn Luft über verschwitzte Haut streift, entsteht Verdunstungskälte. Die Körperoberfläche wird also gekühlt. Das ist bei Hitze erst mal angenehm. Allerdings kann sich dadurch die darunterliegende Muskulatur verspannen, erklärt Hans Michael Mühlenfeld, Vorsitzender des Hausärzteverbandes Bremen. Mögliche Folgen sind ein steifer Nacken oder auch Kopfschmerzen. Alternativ kühlen feuchte Lappen oder Fußbäder, empfiehlt Sabine Gehrke-Beck, Allgemeinmedizinerin an der Berliner Charité.

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  • . . . man beim Blumengießen kein Wasser auf die Blätter gießen soll?

    Es heißt zwar, dass Wassertropfen auf den Pflanzen in der Sonne wie Brenngläser wirken – die Blätter verbrennen also eher, wenn man das Gießwasser über sie gießt. Isabelle Van Groeningen von der Königlichen Gartenakademie in Berlin sagt jedoch: „Ich halte den Tipp für übertrieben. Den meisten Pflanzen macht das nichts aus.“ Nur jene mit wolligen und filzigen Blättern wie der Wollziest litten darunter – „sie sind dafür konzipiert, in Trockenheit zu leben.“

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  • . . . Smartphones unter der Hitze leiden?

    Kann sein. Manches Smartphone mag Sonnenstrahlung und Hitze gut überstehen, bei anderen kommt es zu Beeinträchtigungen – zum Beispiel am Akku, der laut dem TÜV Süd schon ab einer Temperatur von 35 Grad Schaden nehmen kann. Das äußert sich in geringerer Leistung, kürzerer Lebensdauer, Kurzschlüssen oder – schlimmstenfalls – durch einen Akkubrand. Auch die Pixel im Display können durch Hitze und direkte Sonneneinstrahlung Schaden nehmen. Die Folgen sind dann zum Beispiel Darstellungsstörungen oder blinde Flecken. Moderne Smartphones schalten sich bei zu großer Hitze auch von selbst ab oder zeigen einen Hinweis an – spätestens dann gehört das Gerät in den Schatten.

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