Deutschlands „Exzellenzuniversitäten“
Entscheidung fällt heute: Münster im Kreis der „Elite-Unis“?

Münster/Berlin -

Harvard, Princeton, Yale - die US-Elite-Unis sind weltbekannt. Auch Deutschland will den Ruf seiner Hochschulen seit ein paar Jahren mit einem Wettbewerb aufpolieren. Der dabei vergebene Titel „Exzellenzuniversität“ ist begehrt - denn es geht um viel Geld.

Freitag, 19.07.2019, 08:35 Uhr aktualisiert: 19.07.2019, 08:46 Uhr
Studenten sitzen in einem Hörsaal.
Die Uni Münster, deren Rektorat im Schloss untergebracht ist, könnte am Freitag (19.7.) in den erlauchten Kreis der deutschen Exzellenzuniversitäten aufgenommen werden. Foto: dpa

Im Jahr 2004 brachte die damalige Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) die Idee ins Spiel: Einen Wettbewerb unter den deutschen Hochschulen - die Gewinner sollen mit viel Geld gefördert werden, so dass sie „zu international sichtbaren Leuchttürmen der Forschung“ werden. 2006 wurde dann der Titel „Exzellenzuniversität“ zum ersten Mal verliehen. Am Freitag wird einmal mehr verkündet, wer den begehrten Titel künftig tragen darf. Momentan führen ihn elf Hochschulen. Die Westfälische Wilhelms-Universität Münster, die bei der letzten Runde leer ausging , will dieses Mal mit dabei sein.

Um wie viel Geld geht es diesmal und ab wann fließt es?

Die neuen Fördergelder fließen ab 1. November dieses Jahres. Insgesamt werden 148 Millionen Euro pro Jahr verteilt. Die ausgewählten Unis bzw. Universitätsverbünde bekommen davon jeweils 10 bis maximal 28 Millionen Euro. Drei Viertel zahlt der Bund, ein Viertel das jeweilige Bundesland, in dem die Hochschule angesiedelt ist. Zusätzlich wurden den Unis vorher schon Extra-Gelder für einzelne Forschungsfelder zugesprochen, in denen sie international hervorstechen - diese Förderung ist Voraussetzung dafür, dass die Hochschulen sich überhaupt für den Titel „Exzellenzuniversität“ bewerben können.

Wer entscheidet, welche Hochschule eine „Exzellenzuni“ ist?

Die sogenannte „Exzellenzkommission“. In ihr sitzen insgesamt 39 internationale Vertreter aus der Wissenschaft, zudem die Bundesbildungsministerin und die Bildungs- und Forschungsminister der 16 Bundesländer - also insgesamt 56 Personen. Die Stimmenmehrheit hat innerhalb der Kommission also die Wissenschaft.

Wann fällt die Entscheidung?

Die Kommission wird ihre Entscheidung am Freitag (16.00 Uhr) in Bonn verkünden, auch Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) wird erwartet.

Wer ist im Rennen?

Bundesweit konkurrieren insgesamt 17 Unis und zwei Verbünde aus mehreren Hochschulen um die zehn bis zwölf Titel. Neben den bisherigen Exzellenzunis (siehe Bilderstrecke) haben sich neben Münster noch Bochum, Bonn, Braunschweig, Freiburg, Hamburg, Karlsruhe, Kiel, Stuttgart und Hannover (als Verbund) beworben. Zudem soll in Berlin ein Exzellenzverbund entstehen aus der Technische Universität und den bestehenden Elite-Unis Freie Universität und Humboldt-Universität.

 

Die deutschen Exzellenzuniversitäten

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  • Rheinisch-Westfälische Technische Universität Aachen (RWTH)

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  • Verbund Berlin (Freie Universität Berlin, Humboldt-Universität zu Berlin, Technische Universität Berlin)

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  • Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

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  • Technische Universität Dresden

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  • Universität Hamburg

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  • Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

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  • Karlsruher Institut für Technologie (KIT)

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  • Universität Konstanz

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  • Ludwig-Maximilians-Universität München

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  • Technische Universität München

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  • Eberhard Karls Universität Tübingen

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Nach welchen Kriterien wird entschieden?

In die Entscheidung fließen verschiedene Faktoren ein: Bestimmte herausragende Forschungsprojekte zum Beispiel oder besondere Personalstrategien einer Hochschule zur Gewinnung herausragender Wissenschaftler. Die Hochschulen müssen in ihren Bewerbungen auch genau darlegen, wofür sie das zusätzliche Geld ausgeben wollen. Zuständig für die Bewerbungsverfahren sind die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und der Wissenschaftsrat - ein Gremium, das Bund und Länder in wissenschaftspolitischen Fragen berät. Dort heißt es, die Gewinner-Hochschulen werden nach einem „wissenschaftsgeleiteten Auswahlverfahren“ ausgesucht.

Wie lange läuft die Förderung?

Die jetzt ausgewählten „Exzellenzuniversitäten“ sollen dauerhaft gefördert werden, heißt es zwar. Aber nach sieben Jahren wird überprüft, ob die „Elite-Unis“ jeweils noch die Fördervoraussetzungen erfüllen. Wenn ja, fließen die extra Millionen auch weiterhin.

Was sagen Kritiker?

Studentenvertreter verschiedener Hochschulstädte, deren Universitäten mit im Rennen waren, haben sich in einer gemeinsamen Erklärung gegen den Wettbewerb ausgesprochen. Sie sehen die Gefahr eines „Zwei-Klassen-Systems“ und kritisieren, dass einige wenige Universitäten nun in den Genuss einer massiven finanziellen Unterstützung kämen, während der Rest mit enormen finanziellen Problemen kämpfen müsse.

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