Ermittlungen
Flasche vermutlich aus Partyzug geworfen - Kleinkind schwer verletzt 

Greven/Kamen/Dortmund -

Wer hat die Whiskyflasche geworfen? In Kamen ist ein Mädchen am Kopf getroffen und schwer verletzt worden. Der Gegenstand soll aus einem Partyzug geflogen sein. Viele Fahrgäste werden befragt.

Sonntag, 03.11.2019, 10:27 Uhr aktualisiert: 03.11.2019, 13:52 Uhr
Ein Zug steht auf dem Bahnhof in Greven, nachdem er dort von der Polizei gestoppt wurde.
Ein Zug steht auf dem Bahnhof in Greven, nachdem er dort von der Polizei gestoppt wurde. Foto: Günter Benning

Nach der schweren Kopfverletzung einer Zweijährigen durch eine umherfliegende Whiskyflasche in Kamen wird nach dem vermutlich in einem Partyzug mitgefahrenen Verursacher gesucht. „Bisher hat sich niemand offenbart, dass er derjenige ist, der die Flasche geworfen hat“, sagte Staatsanwalt Henner Kruse am Sonntag. Die Polizei spricht von einem immensen Ermittlungsaufwand, zu der die Zeugenbefragung gehöre. „Das wird noch Tage dauern“, sagte ein Sprecher der Dortmunder Polizei. Er verwies auf die große Zahl von etwa 500 Personen an Bord des Partyzuges.

Das kleine Mädchen wurde am späten Freitagvormittag plötzlich von einer Flasche getroffen, als der Vater mit dem Kleinkind auf dem Arm die Bahnhofstreppen zum Gleis hinaufging. Rettungskräfte brachten es ins Krankenhaus. Das Mädchen ist laut Polizei nach einer Operation im Krankenhaus außer Lebensgefahr.

Personalien der Reisenden aufgenommen

Die Flasche flog nach den ersten Erkenntnissen der Polizei aus einem Partyzug, der gerade den Bahnhof in Kamen durchfahren hatte. Auch die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Flasche aus dem Zug geworfen wurde, allerdings nicht gezielt auf einen Menschen. „Wir haben keinen Anhaltspunkt für ein gezieltes Werfen“, erläuterte Henner Kruse, der Sprecher der Dortmunder Staatsanwaltschaft. Die Behörden ermitteln in dem Fall wegen fahrlässiger Körperverletzung.

Ferienzug wird von der Polizei inspiziert

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  • Nach einem Unfall in Kamen wird ein Ferienzug von Müller Reisen auf dem Bahnhof in Greven von über 100 Polizisten untersucht.

    Foto: Günter Benning
  • Nach einem Unfall in Kamen wird ein Ferienzug von Müller Reisen auf dem Bahnhof in Greven von über 100 Polizisten untersucht.

    Foto: Günter Benning
  • Nach einem Unfall in Kamen wird ein Ferienzug von Müller Reisen auf dem Bahnhof in Greven von über 100 Polizisten untersucht.

    Foto: Günter Benning
  • Nach einem Unfall in Kamen wird ein Ferienzug von Müller Reisen auf dem Bahnhof in Greven von über 100 Polizisten untersucht.

    Foto: Günter Benning
  • Nach einem Unfall in Kamen wird ein Ferienzug von Müller Reisen auf dem Bahnhof in Greven von über 100 Polizisten untersucht.

    Foto: Günter Benning
  • Nach einem Unfall in Kamen wird ein Ferienzug von Müller Reisen auf dem Bahnhof in Greven von über 100 Polizisten untersucht.

    Foto: Günter Benning
  • Nach einem Unfall in Kamen wird ein Ferienzug von Müller Reisen auf dem Bahnhof in Greven von über 100 Polizisten untersucht.

    Foto: Günter Benning
  • Nach einem Unfall in Kamen wird ein Ferienzug von Müller Reisen auf dem Bahnhof in Greven von über 100 Polizisten untersucht.

    Foto: Günter Benning
  • Nach einem Unfall in Kamen wird ein Ferienzug von Müller Reisen auf dem Bahnhof in Greven von über 100 Polizisten untersucht.

    Foto: Günter Benning
  • Nach einem Unfall in Kamen wird ein Ferienzug von Müller Reisen auf dem Bahnhof in Greven von über 100 Polizisten untersucht.

    Foto: Günter Benning
  • Nach einem Unfall in Kamen wird ein Ferienzug von Müller Reisen auf dem Bahnhof in Greven von über 100 Polizisten untersucht.

    Foto: Günter Benning
  • Nach einem Unfall in Kamen wird ein Ferienzug von Müller Reisen auf dem Bahnhof in Greven von über 100 Polizisten untersucht.

    Foto: Günter Benning

Der Partyzug fuhr am Freitag zunächst weiter, im etwa 65 Kilometer entfernten Greven wurde er gestoppt. Die Bundespolizei rückte mit einem Großaufgebot mit Beamten aus dem Münsterland, dem Ruhrgebiet und dem Rheinland an. Dutzende Polizisten nahmen die Personalien der Reisenden des Partyzuges auf. Die Passagiere verhielten sich dabei sehr kooperativ, wie ein Sprecher der Bundespolizei schilderte.

„Ich habe vollstes Verständnis für die Polizei. Gut, dass sie den Täter finden wollen“, sagt Dieter Nübling (57) der „Bild“-Zeitung (Samstag). Er war demnach am Freitagmorgen mit seinem Kegelclub in Köln in den zehn Waggons umfassenden Zug eingestiegen. „Ich mache seit 30 Jahren solche Fahrten, aber das habe ich noch nie erlebt. Hoffentlich kriegen sie den“, sagte Norbert Rumbach (59) der „Bild“. Der Zug konnte nach der Überprüfung am Freitagabend Richtung Norden weiterfahren - ohne eine Festnahme.

Veranstalter will Behören unterstützen

Die Stimmung im Zug war nach dem Bekanntwerden des Vorfalls getrübt, wie der „Hellweger Anzeiger“ (Samstag) berichtete. Die DJ hätten die Musik im Tanzwagen abgedreht, habe ein Mitreisender berichtet. Als die Fahrt weiterging, sei die Musik nur noch gedämpft gelaufen.

Der Veranstalter Müller-Touristik will die Behörden bei der Aufklärung unterstützen. „Die ermittelnden Behörden haben unsere volle Unterstützung und erhalten von uns alle Informationen, die sie benötigen“, erklärte der Geschäftsführer der Müller-Touristik GmbH & Co. KG in Münster, Bernd Niemeyer, in einer schriftlichen Stellungnahme am Samstag. Das Unternehmen verurteile die Tat zutiefst und wünsche dem Mädchen eine baldige und vollkommene Genesung.

An Bord des Partyzugs, der am Freitag in Köln mit rund 500 Personen gestartet und Norddeich Mole als Ziel gehabt habe, sind nach Angaben des Veranstalters verschiedene einzelne Gruppen gewesen. Getränke an Bord würden in weichen Pfandbechern aus biologisch abbaubarem Material ausgegeben. Grundsätzlich sei das Mitbringen von Getränken und Speisen nicht untersagt. „Ein Recht zur Taschenkontrolle haben wir als Reiseveranstalter nicht.“ Einige Fenster könnten - wie auch in alten ICs (Intercity-Zügen) - während der Fahrt geöffnet werden.
 

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