Medizinmesse Medica
Der Kollege Computer als Assistent

Düsseldorf -

Immer mehr Anwendungen im Gesundheitsbereich sind digital: Es gibt beispielsweise onkologische Apps, die Medizinern zumindest dabei helfen können, die beste personalisierte Krebstherapie für den Erkrankten zu finden. Künstliche Intelligenz (KI) wird dabei für Ärzte immer wichtiger.

Montag, 18.11.2019, 19:04 Uhr aktualisiert: 18.11.2019, 19:13 Uhr
Massage-Roboter auf der Medica –
Massage-Roboter auf der Medica – Foto: Fabian Strauch/dpa

In Deutschland rätseln Patient und Arzt vielfach noch über die Auswirkungen. Tatsache ist: Künstliche Intelligenz (KI) hat längst Einzug in die Medizin gehalten. So gibt es zum Beispiel onkologische Apps, die Medizinern zumindest dabei helfen können, die beste personalisierte Krebstherapie für den Erkrankten zu finden – eine wichtige Unterstützung für die in vielen Kliniken bestehenden Tumorboards, den multidisziplinären Fachgremien, die über die richtige Hilfe für den Patienten beraten.

„Wir sollten keine Angst vor KI und Digitalisierung haben. Es sind neue Kollegen. Mit ihnen können wir groß werden“, riet Heinz-Wilhelm Esser, bekannt durch die Medizin-Sendung „Gesundheits-Check“, am Montag beim „Medica Econ Forum“ der Techniker Krankenkasse (TK) in Düsseldorf. In zahlreichen Ländern der Erde, so „Doc Esser“, gehe man mit den Möglichkeiten der Medizin 5.0 schon sehr intensiv um. „Da sind wir hier eher im Bereich der Neandertaler“, so der Oberarzt und Sektionsleiter Pneumologie aus Remscheid.

Von Dauer soll dies aber nicht sein. „Wir haben uns in der Vergangenheit sehr viel Zeit genommen“, gestand NRW-Minister Andreas Pinkwart bei der Diskussion mit TK-Chef Jens Baas ein. Inzwischen habe aber auch die Politik bei der Digitalisierung der Gesundheitswirtschaft deutlich mehr Fahrt aufgenommen. Die Telematik, so versprach der unter anderem für Innovation und Digitalisierung zuständige Ressortchef der Landesregierung, werde 2020 flächendeckend in NRW eingeführt sein. Ärzte, Krankenhäuser und Apotheken sollen laut Pinkwart bald deutlich schneller kommunizieren und Informationen austauschen können.

Auch der Einsatz von KI gehört zu den Entwicklungsschritten. Für Pinkwart können Systeme mit einem vernünftigen Datenaustausch unter anderem dabei helfen, die aktuell nicht immer sichergestellte Medikamentenverfügbarkeit zu verbessern.

Dass Patienten bereits ein großes Interesse daran haben, selbst auf ihre geschützten Gesundheitsdaten zuzugreifen, erfahren auch die Krankenkassen immer stärker im Alltag. Bei der TK nutzen inzwischen 250 000 Versicherte „TK-Safe“, eine elektronischen Gesundheitsakte. Jeden Tag gebe es 500 neue Nutzer, berichtete Baas. Entscheidend sei bei der Digitalisierung stets der „Mehrwert“. Kranke Menschen wollten ausdrücklich, dass ihre Daten auch genutzt werden, um gesünder zu werden. Die anfängliche Zurückhaltung bei den Ärzte schwinde.

Die weit über eine Millionen E-Health-Apps, von denen Heinz-Wilhelm Esser berichtete, unterstreichen das Interesse. Die meisten Apps dienten noch der Vorsorge, aber viele stießen bereits an die Grenze zum Medizinprodukt.

Mit Blick auf Entwicklungen wie die onkologischen Apps sieht Esser aber keine Konkurrenz für den Arzt heranwachsen. Denn bisher habe sich gezeigt, dass die selbstlernenden Algorithmen nur nach einer bestimmten Logik diagnostizieren können, in vielen Fällen aber unlogische Entscheidungen wichtig seien. Für ihn als Mediziner seien KI und Digitalisierung wichtig, um am Ende mehr Zeit für den Patienten zu haben. Jens Baas: „Es geht vor allem um die Frage: Wie kann ein Arzt ein besserer Arzt werden.“

Weltgrößte Medizinmesse Medica

Mehr Medizinprodukte und Branchenexperten dürften an keiner anderen Stelle auf dem Globus konzentriert sein: Die Medica in Düsseldorf trotzt erfolgreich allen Messetrends und wird mit ihren 5500 Ausstellern aus 69 Nationen auch in diesem Jahr bis zu 130 000 Fachbesucher anlocken. Die weltgrößte Medizinmesse, die noch bis einschließlich Donnerstag dauert, ermöglicht dabei nicht nur einen Blick auf Innovationen der Hersteller, sie ist gleichzeitig die Plattform für eine Vielzahl von Foren und Konferenzen. Neben etablierten Unternehmen stellen sich auch dynamische Start-Ups vor. Die Produktneuheiten reichen in diesem Jahr vom interaktiven Klangkissen, das auch bei Demenz und Alzheimer zum Einsatz kommt, über tragbare Blutdruckmessgeräte, die ohne Manschetten auskommen, bis hin zum autonomen und computergesteuerten Katheter, der beim Schlaganfall Blutgefäße im Gehirn von Gerinnseln befreit. | Wolfgang Kleideiter

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